Gamers Corner: Gamedesigner - Traumberuf mit Nachwuchsproblemen - DER SPIEGEL
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Gamers Corner Gamedesigner - Traumberuf mit Nachwuchsproblemen

Deutschlands Spieleherstellern fehlen Designer und Projektleiter. Die IT-Akademie in Gütersloh will in Zusammenarbeit mit der Industrie Abhilfe schaffen.
Von Martin Schnelle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer hat sich schon nicht über ein Computerspiel geärgert und gemeint, man könne das selber doch alles viel besser? Eine Menge Zeitgenossen machen aus ihrem Hobby einen Beruf und arbeiten in der Spielentwicklung, als Programmierer, Grafiker oder Musiker. Chefdesigner und Projektleiter rekrutieren sich oft aus diesen Gruppen, doch in Deutschland gibt es offensichtlich nicht genügend Leute, die in der Lage sind, ein Projekt zu leiten. Generell sind große zeitliche Verzögerungen in der Fertigstellung in der Industrie schon fast Usus - nicht nur hier zu Lande, sondern auf der ganzen Welt.

Für Projektleiter sind nicht nur fachspezifische Fähigkeiten gefragt, sondern auch Grundkenntnisse im Marketing, der Verzahnung der einzelnen Entwicklungsschritte, und eine Idee, wie die Fachpresse zu behandeln ist, wäre auch nicht von Übel. Die IT-Akademie in Gütersloh  bietet nun unter Cheftrainer Stephan Reichart, 29, einen Lehrgang für Projektleiter an.

Chefdesigner in einem Jahr

Die hundertprozentige Tochter der Bertelsmann Stiftung vermittelt in knapp elf Monaten eine Menge Inhalte, seit Anfang März läuft der aktuelle Lehrgang. Der Lehrplan reicht von der Programmierung in C++ über zwei- und dreidimensionales Leveldesign bis hin zu Marketing-Mechanismen. Auch Grafik, mathematische Modelle und Produktmanagement behandelt Reichart, denn Sinn und Zweck ist es ja nicht, in all diesen Disziplinen die letzten Weisheiten zu ergründen, sondern die Arbeitsweisen der einzelnen Arbeitsgruppen innerhalb einer Spielsoftwarefirma zu verstehen. Während des Lehrgangs entwickeln Reicharts Schützlinge also Brettspiele und Level für den 3D-Shooter "Unreal Tournament".

Ein wichtiges Instrument ist natürlich auch das Schreiben: Bevor überhaupt Grafiker und Programmierer anfangen zu arbeiten, legt der Gamedesigner das "Design Document" vor. Darin wird genau festgelegt, was das Spielprinzip ist und wie das realisiert werden soll. Daher lernt jeder Teilnehmer Kreativ-Techniken, Schreiben und Gliederung längerer Texte - ein Design Document kann schließlich mehrere hundert Seiten umfassen.

Reichart legt Wert auf die Feststellung, dass der Lehrgang an der IT-Akademie von der IHK anerkannt wird. Um Akzeptanz bei der Industrie zu erreichen, arbeitet die Akademie eng mit den Softwarefirmen zusammen. Inhalte wurden in Zusammenarbeit mit Tom Putzki von der Phenomedia AG ("Moorhuhn", "Gothic") und Ascaron-Chef Holger Flöttmann ("Anstoss"-Reihe, "Patrizier 2") festgelegt. Außerdem halten Vertreter aus Industrie und Fachpresse Vorträge.

Wie wird man Gamedesigner?

Der Lehrgang ist nicht ganz billig. "48 000 Mark muss man da schon anlegen," sagt Reichart. Damit Bewerber die Summe nicht selbst aufbringen müssen, können sie sich bei der IT-Akademie bewerben, die dann die Bewerbungen an interessierte Firmen weiterleitet. Die suchen sich einen Aspiranten aus und zahlen dann dessen Ausbildung. "Im Moment haben wir sieben Teilnehmer, vier für Ascaron, zwei für Phenomedia und einen für Funatics Development". Letztere sind die Entwickler von "Die Siedler von Catan" und "Cultures".

Im Gegenzug verpflichten sich die frisch gebackenen Projektleiter dazu, die nächsten drei Jahre bei ihrem Sponsor zu bleiben. Natürlich wird niemandem gleich die Verantwortung für ein Millionen-Projekt übertragen, sondern die Absolventen fangen als Assistent der Projektleitung an, um Erfahrungen im Alltag zu sammeln. Bewähren sie sich hier, dürfen sie später eigene Projekte übernehmen.

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