Gamers Corner Geht der PC-Spielemarkt ein?
Hört man einige Industrie-Vertreter, ist die Zeit, in denen man mit PC-Spielen riesige Umsätze machen konnte, schon lange vorbei. Wahr ist: Überaus erfolgreiche Konsolentitel wie Konamis "Metal Gear Solid" oder die "Final Fantasy"-Reihe von Square Soft weisen Verkaufszahlen im zweistelligen Millionenbereich auf; wahr ist auch, dass kein PC-Titel jemals solche Zahlen erreichen wird.
Die etwas blauäugige Vorstellung, eine Eins-zu-eins-Portierung dieser Bestseller für den PC würde sich gut verkaufen, mussten die Publisher Microsoft und Eidos fallen lassen. Es wird keine weiteren "Final Fantasy"-Teile mehr für den PC geben. Vielleicht bringt Microsoft eine PC-Version des Xbox-Titels "Metal Gear Solid X" heraus, aber auch das ist noch Spekulation.
Kein Wunder, dass manche Hersteller lieber auf Konsolen setzen. Selbst Star-Designer Peter Molyneux sagte, er wolle in Zukunft nur noch für Next-Generation-Geräte wie das Sega Dreamcast und die Sony Playstation 2 entwickeln. Doch nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird: Dieses Statement hat er auch schon wieder zurückgenommen.
Konsolen-Entwicklungen haben ihre Vorteile: Das Raubkopierertum ist zumindest in Europa weit geringer verbreitet als auf dem PC-Markt. Und, noch wichtiger: Es gibt keine exotischen Hardware-Konfigurationen zu berücksichtigen, der Kunden-Support beschränkt sich auf Fragen zum eigentlichen Spiel. Es müssen auch nicht haufenweise Patches nachgeschoben werden - dafür sollte das Produkt fehlerfrei sein. Was übrigens eine Tugend wäre, die sich der größte Teil der PC-Entwickler zu eigen machen könnte.
Alle Zeichen deuten also darauf hin, dass die Konsole ihren Siegeszug fortsetzen wird - der eigentlich ein Revival ist. Spiele erlebten ihren ersten Boom über den Konsolenmarkt, bevor sie sich zeitweilig von den PC-Spiele-Entwicklern verdrängen lassen mussten. Doch die frühen Daddelkisten - damals noch "Video-Spiele" genannt - machten High-tech-Apparaturen Platz, die bessere Grafik und flüssigere Action mit tollen Effekten kombinierten - und nun, im Zeitalter der Web-fähigen Konsolen, auch noch ihre letzten Nachteile gegenüber dem PC mehr als ausgleichen.
Der Umsatzeinbruch ist selbst verschuldet
Das eigentliche Problem des wackeligen PC-Spiele-Marktes liegt aber woanders. Eine Flut von allenfalls durchschnittlichen Titeln strömt auf den Markt; zu viele Spiele konkurrieren um zu wenig Käufer und setzen demzufolge zuwenig Einheiten pro Entwicklung ab.
Dazu steigen die Kosten für PC-Neuerscheinungen durch die Anforderungen an immer bessere Technik - aufwändigere Grafiken erfordern zusätzliches Personal, ebenso bessere Soundeffekte, Hintergrundgeschichten und einen durchdachten Programmcode, der all diese Designelemente zusammenhält. Heutzutage sind Teams von mehreren dutzend Mitarbeitern keine Seltenheit. Und was die in zwei Jahren Entwicklungszeit allein schon an Gehaltskosten verursachen, ist enorm. Dazu kommen die teure Ausrüstung, Räumlichkeiten und so weiter.
Zu allem Überfluss ist momentan auf Seiten der Kunden eine gewisse Kaufmüdigkeit zu beobachten. Selbst intensiv beworbene und qualitativ hervorstechende Produkte wie EAs "Alice" setzen nur ein paar tausend Exemplare ab.
...letztlich fehlt es an zündenden Ideen
Woran liegt das? Gerade seit Anfang 2000 sind kaum noch innovative Spielideen verwirklicht worden, die Hersteller setzen auf Bewährtes. "Diablo 2" von Blizzard, eins der bestverkauften Produkte des letzten Jahres, weist demnach auch nur vorsichtige Verbesserungen auf. Das bleibt dem Kunden natürlich nicht verborgen: Interessant wäre es also, sich die Verkaufszahlen des Anfang April erscheinenden "Black & White" von Lionhead/Electronic Arts anzusehen, das viele neue Ideen bietet und zudem von der Fachpresse sehr gute bis hervorragende Bewertungen erhalten hat.
Trotz aller Schwarzseherei gehen Experten aber nicht davon aus, dass der PC-Spielemarkt auf absehbare Zeit zusammenbrechen wird. Dagegen spricht allein schon die schiere Masse der PCs auf der Welt. Selbst normale Office-Rechner sind in der Lage, Spiele laufen zu lassen. Das Erfolgsrezept für ein Revival des PC-Spiele-Marktes scheint also einfach genug: Eine geringere Zahl an besseren Produkten ist alles, was der Markt - und der Kunde - wirklich braucht. Klasse statt Masse - zum Wohle der Kunden. Dann bliebe am Ende auch für die Entwickler ein größeres Stück vom Kuchen übrig.