Gamers Corner: Pearl Harbor noch schlechter - DER SPIEGEL
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Gamers Corner Pearl Harbor noch schlechter

Rechtzeitig zum Kinostart des umstrittenen Blockbusters "Pearl Harbor" Anfang Juni kamen nicht weniger als drei Spiele auf den Markt, die den Filmtitel im Namen tragen - doch keines davon hat direkt mit dem Film zu tun.
Von Martin Schnelle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Schon seit Jahrzehnten machen Spielehersteller große Kohle mit Lizenzprodukten zu Filmen und Fernsehserien. Das Kielwasser erfolgreicher Film- und TV-Produktionen verspricht ein gutes Geschäft - zu beidseitigem Vorteil: Die "Filmer" kassieren Lizenzgebühren, die Spielehersteller machen mächtig Umsatz - und das oft mit aufgewärmten Konzepten.

Manchmal lassen sich auch noch die Tantiemen für die Filmproduzenten sparen, wie im Fall der folgenden drei Kandidaten: Der Angriff auf den US-Marinestützpunkt Pearl Harbor im Dezember 1941 ist ja nicht urheberrechtlich geschützt. Dafür müssen Spieler leider auf das Antlitz von Ben Affleck und Kate Beckingsale verzichten; das ist sicherlich zu verschmerzen.

Im Gegensatz zu anderen Konflikten wird der Zweite Weltkrieg von Amerikanern besonders geschätzt, gehörte man doch damals zu den Guten und musste die expansionslüsternen Japaner und Hitler-Deutschland in die Schranken weisen. Heimkehrende Soldaten waren Helden, nicht wie in den folgenden Kriegen in Korea oder Vietnam. Daher beschäftigen sich eine Unzahl von Produkten mit dem amerikanischen Engagement 1941 - 1945, wenige hingegen mit den späteren Konflikten. Die Kombination aus ruhmvollen Erinnerungen mit einem Hollywood-Spektakel stellt also für Trittbrettfahrer die beste denkbare Gelegenheit dar, eine Menge Produkte abzusetzen. Vor allem, wenn deren Qualität ansonsten allzu große Verkaufschancen zunichte machen würde.

Flügellahm

Der US-Hersteller Wizard Works, bekannt für 20-Dollar-Billigspiele, reduziert das Geschehen in "Pearl Harbor: Defender of the Fleet" auf die Flugabwehr. Ein Fadenkreuz auf dem Bildschirm - gesteuert durch die Maus - gibt die Schussrichtung an. So zerstören die Geschütze des Spielers japanische Torpedobomber und Jäger, fallende Bomben und Torpedos, um die Pazifikflotte der Amerikaner vor dem Untergang zu retten. Level für Level wiederholt sich das mit wachsendem Schwierigkeitsgrad und mit marginalen Unterschieden. Das ist fast so langweilig wie die Szenen im "Pearl Harbor"-Film, in denen nicht gekämpft wird. Ein Angriff ist nicht genug

In den beiden Konkurrenzprodukten fliegt der PC-Benutzer selber Kampfflugzeuge. Simon & Schuster aus den USA setzt PC-Piloten in "Pearl Harbor: Zero Hour" zehn Missionen lang in Flieger vom Typ Corsair oder Mustang, mit Bombern greifen sie die japanische Flotte selbst an. Und damit das Spiel nicht ganz traurig endet, verlagert sich das Geschehen kurzerhand nach Guadalcanal und Midway, damit die Amerikaner mal zur Abwechslung gewinnen dürfen.

Auch Koch Media, bekannt durch das "Sumpfhuhn" und den "BSE-Bomber", springt wieder mal auf eine kurzfristig Gewinn versprechende Idee auf. Unterstützt durch ein rudimentäres Flugmodell besteigt der Benutzer in "Pearl Harbor: Strike at Dawn" zehn verschiedene Maschinen und kämpft sich durch die Jahre 1941 bis 1945. Die Schlachten beschränken sich also auch hier nicht auf den eigentlichen japanischen Angriff.

Historische Genauigkeit erwartet eigentlich niemand von derart simpel gestrickten Computerspielen, ein bisschen Spielspaß dürfte es hingegen schon sein. Mit diesen Produkten beschäftigt sich niemand länger, als das Film-Epos von Michael Bay dauert - und das sind schon drei Stunden zuviel.

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