Gamers Corner: Wo bleiben die DVD-PC-Spiele? - DER SPIEGEL
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Gamers Corner Wo bleiben die DVD-PC-Spiele?

Obwohl seit über zweieinhalb Jahren erschwingliche DVD-Roms für PCs erhältlich sind, gibt es bis jetzt noch kein Spiel, das dieses Medium richtig ausnutzt.
Von Martin Schnelle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

DVDs erfreuen sich als Datenträger für Spielfilme immer größerer Beliebtheit. Doch am heimischen Computer ist da Fehlanzeige, kein Computerspiel in Sicht, das im Vergleich zur CD-Version großartige Vorteile bieten würde.

Woran liegt's?

Die relativ hohen Preise der Geräte von teils über 300 Mark behinderten die Verbreitung von DVD-Laufwerken in PCs im letzten Jahr - angeblich verursacht durch das Aufkaufen von DVD-Roms durch Sony für die Produktion der PlayStation 2.

Das viel schwerwiegendere Argument ist jedoch das Fehlen einer so genannten "Killer-Applikation". Ein Stück Software, das alle haben wollen, ja müssen, weil es so toll ist.

Erinnern wir uns an die Anfangszeit der CD-Roms. Kaum ein Spiel nutzte die plötzlich verfügbaren riesigen Speichermengen von über 500 HD-Disketten aus, auch wenn es toll war, beim Installieren nicht mehr 15 Disks wechseln zu müssen. Dann kam das Jahr 1993 und zwei Spiele: "Rebel Assault" für den PC und "Myst", erst für Apple MacIntosh, dann auch für PCs. Beide Programme zeichneten sich durch tolle Videos und Grafiken aus, die zu Zeiten der Diskettenlaufwerke völlig unmöglich gewesen wären. Das Medium CD wurde endlich ausgenutzt, beide Titel zogen eine riesige Schleppe von ähnlich gearteten Software-Produkten hinter sich her. "Myst" begründete innerhalb des Adventure-Genres gar eine ganz eigene Rubrik.

Doch warum sollte ich mir ein DVD-Laufwerk kaufen?

Ein derartiges Spiel fehlt bisher für DVD-Roms. Natürlich kann man sich DVD-Filme am PC ansehen, aber wer tut das schon? Es gibt zwar sogar Dolby-Digital-Soundanlagen für Heimcomputer, doch einen schönen Filmabend verbringen die meisten dann doch lieber vor dem Fernseher.

Natürlich sind schon einige Spiele auf DVD erhältlich. Aber zumeist handelt es sich nur um Titel, die sonst mehrere CDs umfassen - wodurch bei der DVD das lästige Wechseln entfällt. So etwa der erste Teil von "Baldur's Gate" oder das Westwood-Adventure "Blade Runner".

Manchmal bietet die DVD-Fassung sogar einen Vorteil, etwa die DVD-Fassung von "Wing Commander IV", bei der die Videos in MPEG2-Qualität abgespeichert waren. Diese Version lag allerdings nur einigen DVD-Laufwerken als Kaufanreiz bei - in den freien Handel schaffte es die DVD nie.

Die im Februar erscheinende DVD-Version von "Baldur's Gate 2" soll immerhin noch verschiedene Sprachversionen bieten - wie bei Spielfilmen, wo auf DVDs auch oft mehrere Tonspuren vorhanden sind. Doch das war es auch schon.

In der näheren Zukunft stehen ebenfalls keine Top-Titel an - das einzige Beispiel wäre das im März herauskommende Adventure "Schizm", das witzigerweise ebenfalls seine "mystische" Inspiration nicht verleugnen kann. Zehn Gigabyte an Animationen und Bildern sollen auf der DVD sein, die CD biete nur eine abgespeckte Version. Eine "Killer-App" steht damit indes nicht zu erwarten - das vorhergehende Werk der "Schizm"-Programmierer LK Avalon namens "Reah" war 1998 allenfalls durchschnittlich.

Die Zurückhaltung der Hersteller liegt zum einen an der mangelnden Verbreitung der Hardware, zum anderen daran, dass DVDs momentan auch keinen technischen Quantensprung versprechen. Zwar passen bis zu 25 CDs auf eine DVD, doch womit sollten sie gefüllt werden? Die Zeiten aufwändiger Videoproduktionen für Spiele ist vorbei, und selbst noch so opulente Grafiken verbrauchen längst nicht so viel Speicherplatz.

Für das Jahr 2001 ist also kein DVD-Laufwerk notwendig, um die neueste Spielegeneration auf dem PC laufen zu lassen. Natürlich ist es schön, sich Filme auf dem Rechner ansehen zu können, die Geräte kosten mittlerweile auch nur noch rund 100 Mark mehr als ein neues CD-Rom-Laufwerk, aber zwingend nötig sind sie nicht.