Games Convention 2006: Pink ist die Hoffnung - DER SPIEGEL
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Games Convention 2006 Pink ist die Hoffnung

Mehr als je zuvor versucht die Spielebranche, den Mainstream zu umarmen. Bei der "Games Convention", dem ersten Warmlaufen fürs Weihnachtsgeschäft, werben deshalb Fernsehstars, starten Firmen Forschungsinitiativen - und es gibt jede Menge pinke Spielkonsolen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es ist wie ein kollektives Luftholen, was dieser Tage in Leipzig geschieht. Die Spielebranche versammelt sich zur größten Messe ihrer Art in Europa - und hat doch nicht das im Gepäck, was sich die Fans eigentlich wünschen. Noch nicht.

Denn obwohl die Spieleentwickler einiges an Neuem vorzuweisen haben, halten sich die Konsolen-Companies seltsam bedeckt. Für die 150.000 erwarteten Fans, die, wenn morgen die eigentliche Messe beginnt, durch die Hallen strömen werden, gibt es eine herbe Enttäuschung: Die neuen Daddelboliden, die Hochleistungskonsolen der nächsten Generation von Nintendo und Sony, die noch in diesem Jahr auf den Markt kommen sollen, werden ihnen vorenthalten.

Nintendo zeigt seine mit einem neuartigen Bedienkonzept beworbene Next-Generation-Konsole Wii zwar vor - anfassen darf sie aber niemand. Außer ein paar ausgewählten Journalisten und Fachbesuchern, die in ruhigen Hinterzimmern die Gelegenheit bekommen, nach der sich Tausende von Nintendo-Aficionados sehnen: Einmal mit dem Fernbedienungs-Controller Tennis spielen, als "Zelda"-Held Link Pfeile abschießen oder im heute vorgestellten neuen Mario-Fußballspiel Bälle aus dem Tor fischen.

Bitte nicht berühren!

Für Sony gilt das Gleiche: Die Playstation 3, die Microsofts XBox 360 den Rang als Marktführer der nächsten Konsolengeneration streitig machen soll, sucht man an Sonys Messestand vergeblich. Ein paar junge Männer in weißen Trainingsjacken und mit Handschuhen halten das schwarzglänzende Gerät für die Fotografen hoch - von den Besuchern wird die Konsole keiner in der Hand halten dürfen, auch nicht die Vertreter der Fachpresse.

Das ist ein Rückschritt: Bei der Electronic Entertainment Expo in Los Angeles wurden im Mai beide Spielmaschinen zum Ausprobieren zur Verfügung gestellt - auch wenn man langes Anstehen in Kauf nehmen musste, um tatsächlich einen der neuen Controller in die Hand nehmen zu dürfen. Die Branche, so scheint es, wartet. Aufs Weihnachtsgeschäft, oder auf die Starterlaubnis aus Japan.

Die Konkurrenz aus den USA hat aber auch nicht viel mehr vorzuführen. Die Pressekonferenz von Microsoft ist zwar eine Ansammlung von Begeisterungs-Adjektiven, doch in Wahrheit gibt es wenig zu verkünden. Zum Beispiel, dass es die XBox 360 ab November auch in Polen (ein einzelner Applaudierender wird mit "Welcome, Poland" begrüßt), Ungarn, Tschechien und der Slowakei zu kaufen geben wird. Dass Windows Vista ganz toll für Spiele geeignet sein soll - wenn es denn mal irgendwann auf den Markt kommt. Und dass man bald mit seinem drahtlosen Xbox-Controller auch Windows-Spiele wird bedienen können - ein kluger und wichtiger Schritt, um PC-Spiele ins Wohnzimmer und damit weiter in den Mainstream zu holen.

Veronas Gamewelt

Genau um den geht es in Wahrheit bei dieser Messe - genauer gesagt, die Teile davon, die man noch nicht erobert hat. Frauen und Mädchen sollen künftig mehr Computer- und Videospiele spielen, das hört man an jedem Stand, und ältere Menschen will man auch als Kunden dazugewinnen. Die Branche hat ein Problem: Das gewaltige Wachstum der vergangenen Jahre verliert an Schwung, neue Käuferschichten müssen her, wenn es weitergehen soll.

Deshalb plaudert in der Pressekonferenz von Nintendo Showmaster Jörg Pilawa mit Nintendos Deutschlandchef Bernd Fakesch, deshalb präsentiert Verona Pooth das Spiel zur Serie "Desperate Housewives". Deshalb starten Nintendo und der größte Spielepublisher Electronic Arts gemeinsam eine Initiative zur "Förderung von Medienkompetenz", mit Forschern und Pädagogen. Und deshalb gibt es ab jetzt alles in Pink: Sonys Mobilkonsole PSP, die Playstation2 auch, und auch Nintendos erfolgreichen PSP-Konkurrenten DS. Eine ganze Branche hofft auf die Kaufbereitschaft des weiblichen Geschlechts.

Gerade Handheld- und Handyspiele funktionieren bei Frauen und Mädchen, das weiß man bereits. Über 40 Prozent derer, die einen Nintendo DS besitzen, sind weiblich. Dass die beiden Rivalen aus Japan aber beide mit der gleichen Farbidee das Barbiepuppen-Klischee bemühen, um "die modebewusste Dame" (Nintendo-Chef Fakesch) anzusprechen, hat etwas beinahe Rührendes.

Ab morgen werden auch die Fans in die Messehallen gelassen, dann werden die Boxentürme laut gestellt und die virtuellen Maschinengewehre wieder knattern wie jedes Jahr. Für die Jungs, die von der nächsten Konsole träumen, wird es nur Spieltrailer zu sehen geben - mal sehen, wie viele Mädchen auf der Suche nach pinken Spielkonsolen kommen.

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