Games Convention: Vier Tage Action - DER SPIEGEL
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Games Convention Vier Tage Action

In Deutschland bewegt sich doch noch was: Die Spielemesse Games-Convention ruft ab dem 21. August zum zweiten Mal nach Leipzig. Und siehe da: sie boomt. Eine Vorschau auf das Daddel-Ereignis des Jahres.
Von Richard Löwenstein
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mancher Besucher könnte denken, er hätte sich auf Münchens Oktoberfest verirrt. Nur selten schieben sich Menschenmassen durch Leipzigs Messehallen, während grelle Laserblitze auf die Augen zielen und laute Musik die Sinne betäubt. So wird's aber zugehen auf Europas größter Messe für Video- und Computerspiele, der Games Convention. Sie ist eigentlich eher Show als Messe. Das Daddelevent hat sich von null auf jetzt zu einem Publikummagnet entwickelt.

Die Debütveranstaltung wurde im vergangenen Jahr von der Industrie eher zögerlich begrüßt. Ein paar Große wie Nintendo blieben gleich ganz weg, doch 80.000 Besucher folgten dem Ruf nach Leipzig - und allen Klischees vom Videospiel-Kinderkram zum Trotz, hatte gut die Hälfte von ihnen das Alter von 20 Jahren überschritten.

Fernsehwürdiges Daddel-Event

Wenn's nach der Messeleitung geht, strömen diesmal eher noch mehr Spielefans herbei. Das könnte klappen, denn diesmal kneift niemand aus der Industrie: Alle großen Hersteller von Unterhaltungs-Software, Edutainment, Lernsoftware und Gaming-Zubehör sind vor Ort. Fersehsender wie GIGA und 3sat berichten live.

Über 130 Aussteller breiten sich auf 40.000 Quadratmeter aus, die Ausstellungsfläche wächst um ein Drittel. Dazu kommen Veranstaltungen auf den Außenflächen, wo beispielsweise Nokia ihr mobiles Spielsystem "N-Gage" noch mal richtig groß präsentieren will, bevor es sich ab dem 7. Oktober im Haifischbecken der Marktwirtschaft behaupten muss.

Dem daddelnden Publikum bietet sich die Chance, alle wichtigen Games Wochen und Monate vor Erscheinen zu sehen und auszuprobieren. Selbst die seit April verschärften Jugendschutz-Bestimmungen werden dem Trubel keinen Abbruch tun können. Zwar dürfen Spiele mit Altersfreigaben von 16 oder 18 Jahren laut Buchstaben des Gesetzes nicht in öffentlich zugänglichen Räumen gezeigt werden, doch die Industrie weiß sich zu helfen. Einige zeigen ihre rabiateren Titel in abgetrennten Erwachsenen-Bereichen, andere finden zu charmanten Lösungen, wie CDV: Wer dort am Stand einen Blick auf das frivole Actionabenteuer "Lula 3D" erhaschen will, muss erst mal durch das Peeploch blinzeln können. Keine Chance für Kids und Leute unter 1,60 Meter Körpergröße.

Videospieler am Handband

Die Behörden üben sich schon vorab in Toleranz. "Wenn die Aussteller ihre ab 16 Jahren freigegebenen Spiele nach innen schieben und nicht gerade in die von außen einsehbaren Bereiche, ist viel gewonnen", weiß Wolfgang Kill, der Jugendschutz-Mann beim Sozialministerium von Sachsen. So lange das Standpersonal außerdem ein strenges Auge drauf hat, dass 10-jährige von streitbaren Titeln wie "Half-Life 2" fern bleiben, ist für ihn die Welt in Ordnung.

Trotzdem empfiehlt es sich gerade für junge Erwachsene, den Ausweis griffbereit zu haben: Denn beim Eintritt in die Messe werden Armbänder verteilt, die in den Farben grün, blau und rot mit dem Alter des Trägers korrespondieren sollen. Die roten Exemplare dürften besonders begehrt sein, denn sie erlauben Zutritt zu den Erwachsenen-Bereichen. Dort wird die harte Kost gezeigt - und die ganz brandneue, die mangels Zeit für eine Altersprüfung noch überhaupt keine Jugendfreigabe bekommen hat.

Games zum Anfassen

Viele der Veranstaltungen laufen unter dem Motto "Games Convention Family". Die Idee der Messeleitung: ausprobieren statt anmahnen, anfassen statt ablehnen. Gemeinsam sollen Eltern und Kinder dem Thema Gaming näher kommen. In einem gläsernen Teststudio zeigt zum Beispiel die Alterskontroll-Instanz USK, wie Altersfreigaben zustande kommen. Im sogenannten "Cinema of Game Developing" können sich Interessierte informieren, wie die Branche funktioniert. Da plaudern Spielemacher über die Tücken des Gamedesign und darüber, welche Hochs und Tiefs der Traumjob Videospielerfinder mit sich bringt.

Neben allem Kommerz-Getrommel haben sich die Veranstalter auch ihr Herz für Nischenthemen bewahrt. Wenn die Szene der "Casemodder" 20 getunte PCs zeigt, ist das ein guter Boden für interessante Gespräche. Was bewegt diese Leute, ihren PC mit Wasserkühlung, Neonlicht und Acryllack zu frisieren?

Retro-Ausstellungen, ein garantiert wildes Aktiv-Programm, eine öffentlich ausgetragene Qualifikationsrunde zur World Cyber Games-Weltmeisterschaft und ein Wettbewerb für Nachwuchs-Journalisten komplettieren das Programm.

Nicht zu vergessen ein ganz besonderes Bonbon: Am Mittwochabend spielt das Tschechische National-Sinfonieorchester unter Leitung von Andy Bricks klassische Interpretationen populärer Videospiel-Soundtracks. Ob sich dabei Anhänger und Gegner von Videospielen im Gewandhaus von Leipzig zusammen bringen lassen?

Die Games Convention beginnt am Donnerstag, den 21. August und endet am Sonntag, den 24. August 2003. Ort: Messegelände Leipzig. Die Eintrittspreise liegen zwischen 3,50 Euro für Kinder bis 12 Jahren und 10,- Euro für Erwachsene; Tickets gibt's vor Ort und in einigen Filialen der Saturn-Kette. Öffnungszeiten: Donnerstag, Freitag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 21 Uhr. Weitere Informationen zur Games Convention und den Rahmenprogrammen sind im Internet zusammen gefasst: www.gc-germany.de 

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