gBox: Google gegen iTunes - DER SPIEGEL
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gBox Google gegen iTunes

Mit dem Online-Musikverkauf ohne Kopierschutz will Universal ergründen, wie sich dem übermächtigen iTunes Store Konkurrenz machen lässt. Die Kunden sollen dem kleinen Apple-Konkurrenten vor allem mit Hilfe eines mächtigen Verbündeten zugeführt werden: Google.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Musikverkauf ohne DRM ist ein heißes Thema, ohne Frage aber auch ein Trend: Nachdem EMI vor einigen Wochen vorpreschte, zog Universal vergangene Woche nach und kündigte an, ab dem 21. August DRM-freie Musik über eine Vielzahl kleinerer Shops verkaufen zu wollen - nur eben nicht über iTunes. Apples Shop ist bisher ein Monolith in der Online-Shop-Landschaft, beherrscht sein Marktsegment weitgehend und diktiert der Musikbranche die Bedingungen. So einige Labelchefs schaffen es da nur zähneknirschend, sich über Apples Verkaufserfolge zu freuen.

Doch echte Konkurrenz zum iTunes Store hat sich in den vergangenen vier Jahren nicht durchsetzen können. Auch bei Universals Modellversuch des DRM-freien Verkaufs fragte man sich unwillkürlich, wie der Musikkonzern seine Waren denn an den Massenmarkt bringen will. Zumindest das ist nun klarer: mit Hilfe von Google.

Universal kauft Adwords bei Google, die bei entsprechenden Suchanfragen potentiellen Kunden als bezahlte Links präsentieren. Die führen zum Webshop der Firma gBox: Das Unternehmen hatte sich bisher darauf spezialisiert, seinem Shop Kunden zuzuführen, indem es Widgets anbot, die sich als Geschenk-Wunschliste beispielsweise in MySpace-Seiten einbinden lassen.

Pikant daran ist, dass gBox zwar ab dem 21. August außer einem auf den Microsoft-Internet-Explorer zugeschnittenen Shop auch eine Version für Firefox bieten wird, jedoch keine mit Mac OS X kompatible Version. Reine Apple-Nutzer bleiben also vorerst außen vor, eine weitere Version der Software ist jedoch geplant.

Ohne Kopierschutz, aber nicht ungeschützt

Mit der Einbindung der Shoplinks in die Suche von Google erhält Universals Experiment eine ganz andere Wucht: Mehr potentielle Kunden kann man kaum erreichen, und die Suche nach Musik gehört zu den populärsten Suchthemen im Web. Google verdient dabei an jedem Deal mit.

Der umfasst aus Kundensicht Musikdateien zu attraktiven Preisen ohne Kopierschutz. Auf Selbstschutz verzichtet Universal dabei aber durchaus nicht: Die Dateien werden durch ein digitales Wasserzeichen gekennzeichnet und sind so jedem Kunden namentlich zuzuordnen. Der kann und darf seine erworbenen Musikstücke zwar zum eigenen Gebrauch kopieren und auf beliebigen Abspielgeräten inklusive des iPod nutzen, sie aber nicht verschenken oder über das Netz verteilen: Tauchen sie etwa in einer P2P-Börse auf, droht eine Klage.

Chancen hat das Modell trotz alledem. Verschiedene Marktuntersuchungen der vergangenen Jahre ergaben, dass die Akzeptanz für Wasserzeichen-Lösungen weit größer ist als die für das weithin ungeliebte DRM. Es ist unter anderem das vom Fraunhofer Institut, einem der Mitentwickler des MP3-Formats, präferierte Modell für den Schutz digitaler Musikdateien.

pat

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