Gefährliche Schadsoftware infiziert weltweit 140 Unternehmen - DER SPIEGEL
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Massive Attacke Gefährliche Schadsoftware infiziert weltweit 140 Unternehmen

Mit einer tückischen Schadsoftware haben Onlinebetrüger mehr als 140 Banken, Behörden und Unternehmen infiziert. Sicherheitsexperten sind beunruhigt: Denn der Wurm verwischt seine Spuren auf dem Rechner.
Weltkarte mit infizierten Unternehmen
Weltkarte mit infizierten Unternehmen

Weltkarte mit infizierten Unternehmen

Foto: Kaspersky Lab
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Vor ein paar Jahren wäre ein solcher Angriff für Onlinebetrüger noch undenkbar gewesen. Doch nun haben Forscher des Softwareunternehmens Kaspersky eine massive Cyberattacke auf weltweit mehr als 140 Ziele festgestellt  - darunter Banken, Behörden und Unternehmen.

Das Problem: Die Angreifer haben in diesem Fall keinen herkömmlichen Trojaner eingeschleust, der sich auf der Festplatte einnistet. Bei dem ausgefeilten Schadcode handelt es sich um einen gefährlichen Angreifer, der nur im Arbeitsspeicher liegt und keine Dateien auf dem Computer hinterlässt.

Laut Kaspersky sind Ziele in mehr als 40 Ländern betroffen. Vor allem in den USA und Europa haben die Forscher viele Fälle aufgespürt. In Deutschland sei die Zahl der Angriffe im niedrigen einstelligen Bereich, sagt ein Kaspersky-Sprecher. Das könnte sich allerdings ändern: Rolf Haas von Intel Security sagt gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Grundsätzlich machen diese Arten von Angriffe keinen Halt vor Grenzen." Bei vielen Attacken in den vergangenen Monaten sei Deutschland im gleichen Maße betroffen gewesen wie andere Länder weltweit.

Schad- und Spähsoftware

Und so gehen die Angreifer vor: Sie suchen sich eine Schwachstelle auf einem Server, der nicht mit aktuellen Patches abgesichert ist. Mit manipulierten Admin-Tools und Testprogrammen wie PowerShell, Metasploit und Mimikatz schleusen sie den Schadcode auf den Rechnern ein. Das Programm bleibt nur kurz auf der Festplatte, installiert den Trojaner im Arbeitsspeicher und löscht sich dann selbst von der Platte.

Das Tückische an der Schadsoftware: Sie ist beinahe unsichtbar. "Diese Angriffe sind gefährlich, weil sie von Natur aus nur wenige Spuren hinterlassen und oft nicht mehr nachgewiesen werden können", sagt eine Sprecherin des Sicherheitskonzerns Symantec. Bereits ein Neustart des Rechners reicht aus, um sämtliche Spuren zu verwischen.

Geldautomaten spucken Scheine aus

Sobald die Software auf einem Windows-Computer platziert ist, können die Angreifer beispielsweise Passwörter von System-Administratoren ausspähen und Software installieren, die einen dauerhaften Fernzugriff ermöglicht. Nach einem erfolgreichen Angriff auf eine Bank können Kriminelle sogar auf Geldautomaten zugreifen und die Geräte aus der Ferne dazu bringen, Geldscheine auszuspucken. Wie das genau funktioniert, wollen die Forscher im April auf der Sicherheitskonferenz "Security Analyst Summit" präsentieren.

Forscher vergleichen die Vorgehensweise der Schadsoftware mit dem Trojaner Duqu 2.0, einer abgewandelten Form des Trojaners Stuxnet. Duqu 2.0 war vor zwei Jahren das erste Mal aufgetaucht. Monatelang hatte sich der Computerwurm unbemerkt auf den Servern von Kaspersky eingenistet. Damals gingen die Sicherheitsexperten davon aus, dass keinesfalls übliche Online-Kriminelle hinter dem Angriff stecken können, sondern Hacker im Auftrag einer Regierung. Denn damals hieß es, für Kriminelle sei die Technik viel zu komplex und teuer gewesen.

Auch bei Symantec hatte sich ein Schädling eingenistet

Auch bei Symantec hatte sich ein Schädling eingenistet

Foto: SERGEI KARPUKHIN/ REUTERS

Doch die Zeiten haben sich offenbar geändert. Mittlerweile können auch finanziell motivierte Betrüger die verschleierten Angriffe ausführen. "In den vergangenen Jahren haben Online-Kriminelle gelernt, sich mit komplexer Software auf Firmenserver einzuschleichen", sagt der leitende Kaspersky-Sicherheitsexperte Vicente Diaz gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Wir müssen uns daran gewöhnen, dass diese ausgefeilten Angriffe immer häufiger passieren."

Wer allerdings hinter den aktuellen Attacken steckt, ist bisher unklar. Da gewöhnlicher Open-Source-Code und Windows-Programme für die Angriffe benutzt werden, ist es laut Kaspersky beinahe unmöglich, die Hacker aufzuspüren. Allerdings vermuten die Experten, dass Cyberkriminelle von GCMAN und Carbanak hinter den Angriffen stecken könnten. Das Vorgehen weise auf diese beiden Onlinebetrügerbanden hin. Und die Gefahr ist längst nicht gebannt: Laut den Sicherheitsexperten sind die Angreifer noch immer aktiv.