Gehacktes: Webseite der US-Basis Guantanamo gekapert - DER SPIEGEL
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Gehacktes Webseite der US-Basis Guantanamo gekapert

Eigentlich sollte dort stolz die amerikanische Flagge wehen, statt dessen grüßen "Status-x" und "Pablin 77" ihre Hackerkumpel, falls die "Iran Hackers" nicht gerade die Seite kontrollieren: Seit zwei Tagen ist die Webseite der US-Basis Guantanamo nicht mehr in amerikanischem Besitz.
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"Willkommen", sollte die Begrüßungszeile auf der Webseite eigentlich lauten, "zum ältesten amerikanischen Marinestützpunkt der Welt - und dem einzigen auf kommunistischen Boden".

Der markige Spruch prangt über Bildern typischer Militärromantik: Wehende Flaggen, stramm salutierende See-Kadetten in Weiß, eine rote Sonne versinkt im friedlich daliegenden Meer, während sich sanft die Palmen neben dem Leuchtturm wiegen. Irgendwie ist ja auch Guantanamo ein Leuchtturm: Im Verständnis der US-Militärs stellt der Marinestützpunkt einige wenige Quadratkilometer Freiheit auf dem kommunistisch beherrschten Boden Kubas dar.

In den Augen der Welt steht Guantanamo dagegen längst als Symbol für die Art, wie Amerika Rechte zum eigenen Nutzen dehnt oder ignoriert. Denn in erster Linie steht der Name der Basis heute synonym für Amerikas berüchtigsten Knast: Nach dem Terror vom 11. September 2001 aufgebaut zum Gefangenenlager für Kombatanten, Symphatisanten und Verdächtige vor allem aus Afghanistan und Irak. Über 500 Häftlinge werden dort noch gehalten, viele von ihnen ohne Haftbefehl, Anklage, geschweige denn Verurteilung: Das internationale Rote Kreuz bemängelt die Zustände im Lager, von Misshandlung, ja von Folter ist die Rede, Amnesty International drängt auf seine Schließung.

Für Muslime in aller Welt ist Guantanamo neben Abu Ghuraib darum ein Symbol für die Aggressivität und Missachtung der USA gegen den Islam. Das macht dann auch eine an sich harmlose, leicht angeberische Webseite einer US-Marinebasis zum symbolträchtigen Ziel für Hack-Attacken.

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Guantanamo-Hack: Original, Fälschung und Fälschung der Fälschung

Denn seit Sonntagnacht gehört die Webseite nicht mehr den EDV-Leuten der US-Navy. Die "XTech Inc Group", namentlich "Status-x" und "Pablin 77" aus Mexiko und Argentinien, hatten dort zunächst die Kontrolle übernommen. Im typischen Jargon der "Defacer", die zumeist aus sportlichem Ehrgeiz Webseiten verändern, grüßen sie ihre Kumpel von der Konkurrenz.

Denn als "Defacer" will man sich zunächst einmal einen Namen machen: XTech versucht dies seit geraumer Zeit, steht im aktuellen Ranking der Defacer beim Hacking-Archiv Zone-H derzeit auf Platz 17 weltweit - vor allem durch "sportliche" Massen-Defacements. Unter den Webseiten, die sie über das Wochenende aus dem Web fegten, befanden sich eben auch drei des US-Militärnetzwerkes: Auf sowas sind Defacer stolz, weil die ".mil"-Seiten gemeinhin als gut gesichert gelten.

Lang konnten Xtech aber nicht mit ihrer Trophäe winken: Schon in der Nacht von Sonntag auf Montag, wahrscheinlich gegen 2 Uhr US-Ostküstenzeit, "defacete" eine andere Gruppe die Seite erneut: Auch die Gruppe "IRAN HACKERS SABOTAGE" ("IHS") ist keine Unbekannte und gilt als zumindest zeitweilig politisch motiviert. In den Charts der "Top Attackers" stehen sie derzeit immerhin auf Platz 28 weltweit.

Dass ihr Guantanamo-Hack politisch gemeint ist, daran lässt IHS keinen Zweifel: Statt der bei der Gruppe sonst üblichen grafisch aufwendigen optischen Veränderung der Webseite hinterließ IHS in diesem Fall nur eine Botschaft.

Die ist höchst ambivalent: Zum einen distanziert sich IHS im Namen aller Muslime vom Terror von London und anderen Terroranschlägen. Schließlich seien es Muslime, die dem Terror den höchsten Blutzoll entrichteten, argumentiert IHS: "Seht Ihr Typen nicht, was Muslimen in den letzten 50 Jahren in Israel passiert ist? Seht Ihr nicht, wie viele Opfer die Muslime jeden Tag im Irak haben?"

IHS verbinden mit ihrer Distanzierung vom Terror auch eine Anklage gegen die USA: "Seht Ihr in Guantanamo nicht die Einstellung der Amerikaner gegenüber den Muslimen?"

Die Webseite der US-Navy-Basis Guantanamo war kurz vor Mittag MEZ immer noch unter Kontrolle von IHS. Die Defacements der Seite sind in der kleinen Bildergalerie (siehe oben) dokumentiert.

Frank Patalong