Gehaltsvergleich im Netz Ausgebeutet oder gut bezahlt?
Im Internet finden sich die unterschiedlichsten Vergleiche, Erhebungen, Umfragen zu Gehältern in allen Berufssparten. Die Frage, ob sich ein vergleichender Blick ins Netz auch wirklich lohnt, interessiert nicht nur bei vermuteter Unterbezahlung oder vor anstehenden Gehaltsverhandlungen. Sie interessiert immer - ein gutes Alibi für eine ausgiebige Recherche, verbunden mit einem kleinen "Check" in eigener Sache...
personalmarkt.de
Der Gehalts-Check bei PersonalMarkt wirkt viel versprechend. Die genauen Lebenslaufdaten werden erfragt. Ich gebe brav meine bisherigen Stationen in Ausbildung und Beruf ein, schreibe, dass ich englisch und französisch sprechen kann, verschiedene Computerprogramme beherrsche und auch schon mal im Ausland war und hoffe auf einen individuellen Gehaltsvorschlag. Wird meine Arbeit mit meinem jetzigen Gehalt ausreichend gewürdigt? Was kann ich verlangen, wenn ich mich bewerbe?
Auf dem Computerbildschirm erscheinen verschiedene Redakteursposten und das dazugehörige Jahresgehalt. Über 200 vergleichbare Angaben hat das System gefunden. Angezeigt werden 30. Für den Gehaltsvergleich reicht es. Nähere Informationen zu den aufgelisteten Positionen müssen zusätzlich aufgerufen werden: So hat beispielsweise eine 28-jährige Online-Redakteurin auch "auf Diplom studiert", spricht englisch und französisch und verdient 50.000 im Jahr.
tomorrow-business.de
Der Gehalts-Check der Tomorrow-Internet-AG unterscheidet sich von PersonalMarkt in nur einem Punkt: Fragebogen und Auswertung werden in einem anderen Layout präsentiert. Ein Lizenzprodukt?
Insgesamt ist die Auswertung nicht durchdacht und zu wirr, um sich einen informativen, sachlichen Überblick verschaffen zu können. Durch die detaillierte Abfrage zur Person werden hohe Erwartungen auf Individualität geschürt, die nicht gehalten werden. Da könnte man glatt auf den Gedanken kommen, dass hier mehr Infos gesammelt als verteilt werden...
Insgesamt wären Informationen über Durchschnittsgehälter besser für eine Orientierung geeignet.
evita.de
"Was verdient Ihr Nachbar?" Da wird man doch gleich richtig neugierig: Ja, was denn?
Das Tochterunternehmen der aktiengelben-Post "eVITA" hält auf seinen Serviceseiten die "Jobworld" bereit: Unter anderem findet man hier eine Palette verschiedener Berufe von A-Z. Ich will wissen: Von wie viel muss sich denn eigentlich ein Journalist in der Ausbildung ernähren?
2180 Mark für das erste Jahr des Volontariates werden geboten - womit zumindest klar wäre, dass den Machern die geltenden Tarifverträge gänzlich unbekannt sind. Das angegebene Bruttogehalt ist auf dem Stand von November 1998.
Seit August 2000 gelten neue Tarifbestimmungen. Wer genauere und aktuellere Tabellen vorzieht, sollte lieber bei...
boeckler.de
...nachschauen. Die Hans Böckler Stiftung hat die aktuellsten Tarifinformationen der Gewerkschaften einzelner Branchen aufgelistet. Hier erfahre ich auch, was ein Volontär im ersten Jahr laut Tarifvertrag verdienen sollte: mindestens 2739 Mark brutto.
Auch für andere Berufe ist diese Internetseite informativ und verhilft zu einem guten und schnellen Überblick, ob das eigene Gehalt in gewerkschaftlichem Sinne angemessen ist - oder ob man übers Ohr gehauen wird.
haypaynet.com
Ein Dienst, der sich nicht unbedingt für den Gehaltsvergleich eignet, sondern als für Arbeitgeber gedachter "Salary Calculator" daherkommt. Nachdem ein bestimmtes Jahreseinkommen eingegeben wurde, wird hier ausgerechnet, was ein Angestellter seine Firma in der Stunde kostet. Zwar wird gleichzeitig berechnet, was dem Arbeitnehmer unterm Strich bleibt - doch sollte man das erstens selber wissen, und zweitens nützt es eben nicht viel für einen Vergleich mit dem Nachbarn.
jobpilot.de
Der Jobpilot rückt mit einem individuellen Gehaltstest nur raus, wenn man seine E-Mail-Adresse eingibt und zum Teil recht detaillierte Fragen zu seinem Unternehmen beantwortet. Falls man das nicht tut, fliegt man wegen fehlender Angaben raus.
Ich habe es dennoch einmal probiert, und nicht nur deswegen sollte man sich eine Frage bei den Ergebnissen stellen: Wie ehrlich sind die User? Das Programm, das die Erhebungen erstellt und errechnet, besitzt weder einen Lügendetektor noch "Common Sense". Bei meinen Angaben hätte es nicht nur Kinderarbeit schreien müssen: Mit 29 Jahren bin ich allerdings der ideale Wunschkandidat aller Firmen, denn ich arbeite bereits seit 21 Jahren.
Wer einen Gehälterüberblick sucht, wird bei den Jobpiloten auf die gelbe "Evita" verwiesen. Ansonsten finden sich auf dieser Job-Website durchaus nützliche Informationen rund um die Karriereplanung.
capital.de
Auf der Internetseite des Wirtschaftsmagazins "Capital" erhält man statistische Erhebungen zu Gehältern in der gewünschten Branche. So verdienen beispielsweise 16,67 Prozent der angestellten Redakteure zwischen 75.000 und 100.000 Mark brutto im Jahr. 33,33 Prozent bekommen 125.000 bis 150.000 Mark jährlich. Der Rest liegt dazwischen - und mehr oder weniger verdient keiner. Nicht sehr individuell, nicht sehr wahrscheinlich - dafür eine nette Statistik.
bizz.de
Der "Capital"-Ableger "bizz" hat bei den Gehaltsvergleichen auch ein Wörtchen mitzureden und weiß, dass beim allgemeinen Gehältervergleich die Wirtschaftsingenieure die Nase vorn haben. Mehr Informationen in Sachen "Verdiene ich mehr als mein Kollege?" gibt es hier nicht. Vielleicht hilft eine Berufswandlung hin zum Wirtschaftsingenieur.
Web-Guide
Und zu guter Letzt ein Überblick über Gehaltsüberblicke:
Hinter Crosswater verbirgt sich ein Web-Guide, der einen Überblick und eine Bewertung zu Gehaltsvergleichen unterschiedlicher Branchen im Internet gibt.
Diverse Institute, Zeitungen und Zeitschriften beleuchten bestimmte Aspekte, um Vergleiche aufzustellen, wer wie was in welchem Beruf verdient. Dementsprechend vielfältig ist das Angebot. Doch ein wirklich weitgefächertes Angebot bekommt man selten. Einige der im Internet verzeichneten Angebote lohnen sich durchaus, um sich einen Überblick zu verschaffen, ob das Gehalt dem gewählten Beruf entspricht. Unter Umständen weiß man dann, ob man dem Kollegen die lange Nase zeigen kann, weil man mehr verdient als er. Oder ob man sich überlegen sollte, ob der Job das mickrige Gehalt wert ist.