Geheimdienstbericht: US-Spionageabwehr warnt vor Cyber-Attacken - DER SPIEGEL
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Netzspionage: Angriffe aus dem Cyberspace

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Geheimdienstbericht US-Spionageabwehr warnt vor Cyber-Attacken

US-Geheimdienstler schlagen Alarm: Digitale Wirtschafts- und Industriespionage kosten die Vereinigten Staaten Hunderte Milliarden Dollar, heißt es in einem Bericht an den Kongress. Schuldig seien vor allem Russland und China.
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Hamburg/Washington - Die Aufmachung erinnert an die Symbolik des Kalten Kriegs: Links ist ein Windrad zu sehen, eine Ölpumpe, ein Straßenschild der Wall Street und ein paar chinesische Geldscheine, rechts eine Hand, die einen USB-Stick hält. Datendiebstahl, das ist der Tenor des Berichts, den diese Titelseite schmückt, ist eine immense Bedrohung für die amerikanische Wirtschaft. Der Titel lässt keine Zweifel: "Ausländische Spione stehlen amerikanische Wirtschaftsgeheimnisse im Cyberspace"   steht in großen Lettern über dem Titelbild.

Erarbeitet und herausgegeben wurde der Bericht vom Office of the National Counterintelligence Executive, einer US-Behörde für Gegenspionage. Auftraggeber war der US-Kongress.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren von 2009 bis 2011 sammelten die Verfasser des Berichts Daten über digitale Wirtschaft- und Industriespionage in den USA. Ihr klares Urteil: Die zunehmende Nutzung des Cyberspace in Wirtschaft und Forschung bedrohe Wohlstand und Sicherheit des Landes. Er erleichtere es Insidern und ausländischen Geheimdiensten, schnell und unauffällig gewaltige Datenmengen abzuschöpfen. Der Schaden sei immens.

250.000 Blatt Papier

Dann ergehen sich die Autoren des Berichts in Schilderungen aus der "guten alten Zeit", als Spione Geheimunterlagen noch fotokopieren und mühsam aus dem bespitzelten Unternehmen schaffen mussten. So wie Dongfan Chung, der am B-1-Bomber und dem Space Shuttle mitgearbeitet hatte, und in dessen Haus man 250.000 Seiten Geheimmaterial fand, nachdem er als Spion enttarnt worden war. Mehr als ein Vierteljahrhundert brauchte Chung, um diese Unterlagen zusammenzuraffen und zu verstecken. Heute, so der Bericht, würde das gesamte Material auf eine einzige CD für ein paar Cent passen.

Genau das ist es, was den Gegenspionen Sorgen macht: Ein einziger korrupter Mitarbeiter mit ausreichenden Zugangsrechten und einem unauffälligen USB-Stick in der Tasche könnte die technischen Kronjuwelen eines Hightech-Konzerns minutenschnell abgreifen und an ausländische Geheimdienste verkaufen.

Gefährliche Geschäfte mit China

Daran, welche Länder an dem US-Wissen Interesse haben, lässt der Bericht keinen Zweifel: "China: Ein hartnäckiger Sammler" und "Russland: Ausführliche, hochentwickelte Unternehmungen", heißen zwei Kapitel. Dann werden Beispiele aufgeführt, wann und wie die beiden Länder im Cyberspace US-Unternehmen ausspioniert haben. Einige davon sind hinlänglich bekannt. So wie der Fall von Google, das sich Anfang 2010 Hackerattacken aus China ausgesetzt sah. Andere Fälle hingegen schlugen weniger Wellen. So wie Berichte einer Gruppe von US-Unternehmen, denen Firmendaten gestohlen worden seien. Betroffen seien vornehmlich Konzerne gewesen, die Geschäfte mit China machen.

Der potentielle Schaden dieser Angriffe sei gewaltig, heißt es weiter im Bericht. Allein 2008 hätten US-Firmen, Universitäten und Organisationen 398 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung neuer Technologien gesteckt, Investitionen, die jetzt durch Cyberspione gefährdet seien. Allerdings versäumen es die Autoren auch nicht, darauf hinzuweisen, dass es keine belastbaren Zahlen dazu gibt, wie groß der tatsächlich entstandene Schaden sei. In der wissenschaftlichen Literatur fänden sich Angaben, die zwischen zwei und 400 Milliarden Dollar schwanken. Die Bandbreite der Schätzwerte sei so groß, dass die Werte bedeutungslos würden.

Meldepflicht für Hackerattacken

Wohl auch deshalb zitieren die Autoren des Berichts Zahlen ausländischer Behörden. Beispielsweise vom deutschen Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), das einen jährlichen Schaden von 28 bis 71 Milliarden Dollar und den Verlust von 30.000 bis 70.000 Arbeitsplätzen auf Wirtschaftspionage zurückführe - schätzungsweise.

Die Schuld an der Malaise wird in dem Bericht vor allem mangelndem Sicherheitsbewusstwein zugeschoben. Viel zu wenige Top-Manager seien in die Planung der Netzwerk-Sicherheit ihrer Firmen involviert, viel zu wenige hätten Arbeitsgruppen, in denen beispielsweise Finanzabteilung und IT-Experten potentielle Risiken besprechen. Und viel zu oft würden Unternehmen entdeckte Cyberangriffe totschweigen, um Kunden nicht zu verunsichern und nicht als angreifbar zu erscheinen.

Genau diesen Zustand will die Obama-Administration nun abstellen und hat einen Gesetzentwurf herausgegeben, der Firmen dazu verpflichten soll, Hackerangriffe zu melden. Und Firmen, die sich selber besser schützen wollen, gibt die Behörde für Gegenspionage eine Reihe von Handlungshinweisen, wie sie sich besser schützen können. Viele davon sind nützlich, manche profan.

Etwa, wenn Firmen geraten wird, Mitarbeiter und Geschäftspartner Geheimhaltungserklärungen unterzeichnen zu lassen. So kann man sich natürlich auch schützen - oder es zumindest versuchen.