George W. Bush: Nie wieder E-Mail - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

George W. Bush Nie wieder E-Mail

George W. Bush, frisch gebackener Präsident der Vereinigten Staaten, schwört öffentlich der Nutzung von E-Mails für vertrauliche und private Informationen ab. Er wird schon wissen, warum.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ist George W. Bush ein Technik-Muffel? Durchaus nicht, behauptet der Chef des Weißen Hauses: Er habe zahlreiche Freunde und eine große Familie, und mit all diesen Menschen habe er lange Zeit einen regen E-Mail-Kontakt gepflegt.

Damit soll jetzt Schluss sein, und das aus gutem Grund: Bush traut dem Medium nicht mehr. "Ich war ein fleißiger E-Mail-Schreiber", sagte Bush in einer Rede vor dem amerikanischen Verlegerverband, "und pflegte den Kontakt zu meinen Töchtern und zu meinem Vater über das Internet. Aber ich möchte nicht, dass solche Briefe an die Öffentlichkeit gelangen".

Seine Ablehnung der schnellen elektronischen Briefe begründet er also mit "Privacy Concerns", wie man im Amerikanischen so schön sagt. Was allerdings nicht heißen soll, dass Bush nun Dinge weiß, die er vorher nicht wusste: Das Statement ist - natürlich - Politik.

Denn seine Furcht vor einer Veröffentlichung privater Kommunikation bezieht sich nicht etwa auf die flächendeckende Beschnüffelung durch amerikanische Geheimdienste und Polizeibehörden ("Carnivore"), eine grundsätzliche Unsicherheit des Mediums oder die theoretische Möglichkeit, dass vielleicht Hacker seinen Briefverkehr abfangen könnten. Nein, Bush fürchtet das Gesetz.

Denn durch seinen Einzug ins Weiße Haus wurde Bush zur öffentlichen Person: Der E-Mail-Verkehr der Hausbewohner wird akribisch erfasst und archiviert, seit im Verlauf diverser Clinton-Skandale erkannt wurde, dass für eine solche Archivierung hie und da durchaus Bedarf bestehen könnte. Zu Oppositionszeiten forderten die Republikaner genau das, nun mobbt Bush dagegen an.

Die Informationsfreiheits-Lobby, die in den Staaten Zugang zu offiziellen Dokumenten verlangt und gegen die Geheimhaltungspolitik von Regierung und Behörden arbeitet, sieht Bush nun als Gefahr. Sie könnte irgendwann so stark an Einfluss gewinnen, dass ihr Wirken auch seine privaten Briefe ans Licht der Öffentlichkeit schwemmt. Im Falle eines Skandals, das zeigte das Beispiel Clinton, müsste er als Präsident der Vereinigten Staaten mittlerweile so oder so die Hosen runterlassen. Das will Bush sich und der Öffentlichkeit natürlich ersparen.