Germanystinks: Die Rückkehr der Stinker - DER SPIEGEL
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Germanystinks Die Rückkehr der Stinker

Popularität hat ihren Preis, vor allem, wenn man eher berüchtigt als berühmt ist: Nachdem Germanystinks in der letzten Woche Schlagzeilen machte, ging die Website angeblich in einer "Anti-amerikanischen Attacke deutscher Hacker" unter. Jetzt stinkt sie wieder - mehr oder weniger.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Yankee Doodle ist wieder auf Sendung, und auch sein Sendungsbewusstsein hat er nicht verloren. Seine Websites Germanystinks , Francestinks und BigBoots starteten in der Nacht zum Donnerstag durch und finden nun wieder ihr Publikum, sofern dieses genügend Geduld mitbringt: Noch läuft alles sehr, sehr langsam.

Knapp eine Woche lang konnte sich der Webmaster, der sich Doodle nennt und hinter dem sich ein Manager aus der Unterhaltungsindustrie verbergen mag, nur in der Presse äußern, dafür aber ausgiebig: Seine patriotischen Websites, die zum Boykott deutscher und französischer Produkte aufrufen, seien in einer "anti-amerikanischen Attacke deutscher Hacker" untergegangen.

Und zwar pünktlich, nachdem in der letzten Woche deutsche Websites, darunter SPIEGEL ONLINE, über die Seiten berichtet hatten: Doodles primäres Problem waren wohl kaum Hackattacken, als vielmehr ein Übermaß an Seitenaufrufen. Spätestens zum Wochenende jedoch hatte sich etwas getan. Wo vorher Germanystinks Hetze betrieb, warben nun Hersteller von Geruchsvernichtern für ihre Produkte.

Viele hielten das für einen eigentlich gelungenen Scherz, andere für einen Hack, und Doodle unterstützt diese Legende: Stunden, bevor seine Seiten offline gingen, hätte ein deutscher Hacker bei ihm angerufen und ihm eine Quittung für sein Tun versprochen. Sein Servicebetreiber habe am Freitag und Montag Hackattacken festgestellt, die "weit ausgefuchster waren, als alles, was die bisher kannten". Begleitet wurden die angeblichen Attacken von einer Flut von E-Mails aus Deutschland. Der Servicebetreiber habe da den Stecker ziehen müssen - und Germanystinks verschwand im digitalen Nirvana.

Nichts ist unmöglich. Gegenüber Fox News erzählte Doodle dramatisch, er habe schon das FBI in Kenntnis gesetzt.

Schwer umzusetzen schien jedenfalls die Absicht, Germanystinks und Co wieder zum Leben zu erwecken. Erst in der Nacht zum Donnerstag prangte wieder das Verbotsschild mit dem Brandenburger Tor im Web, statt der Anzeige für Hundedeo. 650.000 Menschen, verkündet Doodle stolz, hätten sich seine Seite mittlerweile angesehen.

Der Zuwachs ist nun gebremst, denn wer sich derzeit bei Germanystinks umschauen will, muss Geduld mitbringen: Selbst per DSL krauchen die Daten mitunter mit nur 45 Bytes pro Sekunde durchs Web - da kommen bei älteren Surfern schon fast nostalgische Gefühle auf.

Wenig Trauer darüber empfinden nicht zuletzt viele Amerikaner, die sich bewusst darüber sind, welchen Schaden solche Formen des geistlosen Hurra-Patriotismus verursachen. "Ich als Amerikaner schäme mich für solche Seiten", schrieb Lee L. (Name der Redaktion bekannt) in einem Leserbrief am letzten Freitag, "Ich verstehe einfach manchmal meine Mitbürger nicht. Nicht alle Amerikaner sind für diesen Krieg, und nicht alle Amerikaner sind so voll mit Hass auf andere Nationen, die nicht die gleiche Meinung vertreten."

Doodle zumindest sieht sich in seinem Anti-Teutonismus bestärkt und macht munter weiter. Während er gegenüber Fox News, Sky News und anderen die Mär von den bösartigen Hunnen-Hackern pflegte, findet sich auf der Website selbst darauf kaum ein Hinweis. Nach wie vor gibt es die bekannten Tiraden, eine Auswahl "schlechter" deutscher Nachrichten, Deutschen-Witze, Boykottaufrufe gegen eine umfangreiche Liste deutscher Unternehmen und last but not least die Shop-Seite, über die man sich mit Anti-Deutscher Frühjahrsmode eindecken kann.

Die Zyniker von "The Register" sehen hier den wahren Mittelpunkt der Seite. "Wir werden nicht aufgeben, Gott segne Amerika", zitiert John Lettice den Stink-Betreiber Yankee Doodle. Und setzt hinzu: "Bis sie das letzte T-Shirt verkauft haben".

Frank Patalong

P.S.: Die Website ist erneut nur schwer zu erreichen.

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