Gesetzentwurf Altersbegrenzung bei Computerspielen
Indiziert werden Computerspiele seit langem: Jahr für Jahr verbannt die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften so die ärgsten der Ego-Shooter und Gewaltspiele aus den Verkaufsregalen. Gefruchtet hat dies noch nie: Die Indizierung gilt in der Szene als Auszeichnung, und die Spiele kursieren trotzdem - sei es per Direktbestellung im Ausland, sei es per Download und Brenner.
DSL sei Dank ist es immer leichter, selbst mehrere hundert Megabyte große Programme aus dem Netz zu beziehen. Hier werden auch dann noch Lücken klaffen, wenn die SPD-Fraktion mit ihrem Gesetzentwurf, verbindliche Altersgrenzen für Verkauf und Verleih von Videospielen einzuziehen, erfolgreich sein sollte.
Doch zumindest erschweren wollen die Politiker die Verbreitung der Ballerorgien, die von den Fans als Spiel und Sport, von den Kritikern als potenzielle Auslöser von Gewalttaten, zumindest aber für ein die Sitten verderbendes Gut angesehen werden.
Nach dem Massaker von Erfurt, das in der öffentlichen Diskussion nicht zuletzt auf den Einfluss von Gewaltspielen auf die Psyche des Täters zurückgeführt wird, entsteht nun auch ein Konsens darüber, dass man bisher zu lax mit den beanstandeten Spielen umgegangen sei: Bisher hatte es oft genügt, in einem Spiel Monster statt Menschen töten zu lassen oder grünes statt rotes Blut zu verspritzen, um dem Index zu entgehen.
Auch das wird nun als Versäumnis erkannt: Künftig soll der Katalog der Merkmale, die zur Einstufung als "schwer jugendgefährdend" führen, "insbesondere im Hinblick auf Gewaltdarstellungen erweitert werden", wie es im Gesetzesentwurf heißt, über den das Kabinett am Mittwoch in Berlin berät.
Verbunden wird die Initiative mit dem Signal, die Bundesprüfstelle umzubenennen in "Prüfstelle für jugendgefährdende Medien" - eine deutliche Verschiebung des Augenmerks in Richtung Film und Spiel.
Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin forderte ihre Länderkollegen auf zu prüfen, warum der Paragraf 131 des Strafgesetzbuches, der ein Verbot jugendgefährdender Schriften, Filme und Spiele ermöglicht, in der Praxis so selten angewandt wird. In einer kommenden Runde der Justizminister wird wohl auch diskutiert werden, wie die entsprechenden gesetzlichen Regelungen verschärft werden können.
Mehr dazu wird man vorab bereits am Mittwoch wissen: Für den Nachmittag ist eine Pressekonferenz mit Justizministerin Herta Däubler-Gmelin und Elke Monssen-Engberding, der Vorsitzenden der Prüfstelle für jugendgefährdende Schriften, in Berlin angesetzt. Bis zum Ende der Kabinettsrunde wollen weder Ministerium noch Prüfstelle die geplanten Verschärfungen kommentieren.
Frank Patalong