Gesundheitskosten: Milliardenschaden durch gesponsorte Ärzte-Software - DER SPIEGEL
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Gesundheitskosten Milliardenschaden durch gesponsorte Ärzte-Software

Fast 76 Prozent aller Ärzte, berichtete am Donnerstag das ARD-Magazin Panorama, arbeiteten bei der Rezeptausstellung mit Software, die von der Pharmaindustrie gesponsert wird. Die Arbeitsergebnisse seien entsprechend tendenziös. Geschätzte Mehrkosten fürs Gesundheitswesen: über eine Milliarde Euro im Jahr.
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"Adware" ist weit verbreitet in der Welt der Rechner: Solche in der Regel kostenlose oder zumindest billige Software wird dadurch finanziert, dass sie neben ihrer eigentlichen Dienstleistung auch Werbung liefert. Jeder PC-Nutzer kennt das. Manchmal nervt es, oft nimmt man es gern in Kauf, denn werbefreie Profi-Software ist teuer.

Auch Ärzte sind PC-Nutzer. 40.000 Allgemeinmedinziner soll es derzeit in der BRD geben, darunter kaum noch einen, der seine Rezepte per Hand ausstellte. Für so etwas gibt es Programme - und ja, es gibt sie auch als Adware: 75,7 Prozent aller Ärzte, berichtete am Donnerstag das ARD-Magazin Panaorama, nutzten von der Pharmaindustrie gesponserte Software.

Die aber beschränkt sich offenbar nicht darauf, Arzt oder Sprechstundenhilfe mit schicken Werbebannern auf eigene Vorzüge aufmerksam zu machen. Das Gros der gesponserten Software ist bei der Auswahl passender Medikamente parteiisch. Präparate des Programm-Sponsors, berichtete Panorama, landeten selbst dann deutlich hervorgehoben oder gar vorausgewählt auf den Ergebnislisten, wenn sie alles andere als das preiswerteste Medikament waren. Auf diese Weise, zitierte Panorama einen Experten, entstünde den Krankenkassen jährlich ein Schaden von "1 bis 1,2 Milliarden Euro".

Bekannt sei das mittlerweile auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, deren Handlungsmöglichkeiten aber begrenzt seien: Es ist nicht illegal, wenn Unternehmen Software "sponsoren" und dafür als Gegenleistung eine werbliche Leistung einfordern. Jetzt will sie Ärztevertreter dazu ermahnen, auf von der Pharmaindustrie bezahlte Programme zu verzichten.

Die Hersteller der Programme sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Tatsächlich weisen die Programme auf unterschiedliche Art und Weise darauf hin, wenn sie zur parteilichen Wahl schreiten. Das Problem löse das aber nicht, wie mehrere Ärzte im Interview klarstellten: "In der Arbeitshektik" neige man dazu, die Vorauswahl einfach per Mausklick zu bestätigen.