Gewalt im Internet-Entzug: Krankenhausreif therapiert - DER SPIEGEL
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Gewalt im Internet-Entzug Krankenhausreif therapiert

Junge Internetsüchtige werden in China in Camps therapiert - jetzt endete eine Behandlung allerdings im Krankenhaus. Ein 14-jähriger Junge wurde mit Nierenversagen in eine Klinik eingeliefert, nachdem er in einem Entzugscamp geschlagen worden sein soll. Es ist der zweite Vorfall dieser Art in diesem Monat: Der letzte verlief tödlich.
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"Mein Sohn war schwer verletzt, nachdem er dreimal von einem Erzieher und anderen Schülern geschlagen worden war", sagte der Vater des Jungen der Nachrichtenagentur AFP. Alle Verletzungen seien ihm von Personen im Entziehungslager zugefügt worden. Die schweren Verletzungen des 14-Jährigen sorgen dafür, dass die Diskussionen um die Behandlung von Patienten in chinesischen Entzugslagern für Internetsüchtige nicht erlahmen. Erst Anfang August soll der Teenager Deng Senshan in einem solchen Lager zu Tode geprügelt worden sein.

Das Entziehungslager, in dem sich der 14-Jährige befand, soll nicht als solches registriert gewesen sein und wurde nach dem Vorfall geschlossen. Die Mitarbeiter bestritten in einem polizeilichen Verhör, den Jungen geschlagen zu haben. Der Aufenthalt in dem Lager in der zentralchinesischen Provinz Sichuan soll die Eltern 5000 Yuan (umgerechnet fast 520 Euro) gekostet haben. Das durchschnittliche Einkommen in dieser Provinz lag 2008 bei 4121 Yuan (umgerechnet knapp 430 Euro).

Chinas erste Entzugsklinik für Internetsüchtige eröffnete im Oktober 2004 im Militärhospital von Peking. Als die Nachrichtenagentur AP im Sommer 2005 erstmals Bilder und Berichte aus dem Therapiealltag in alle Welt verteilte, waren viele schockiert: Spiel- und Computersüchtige wurden da mit Elektroschocks und Infusionen behandelt.

Generell ist Internetsucht ein oft unscharf definierter Begriff - die Abhängigkeit von Computer, Netzwerk und Spiel wird längst nicht überall als Krankheit anerkannt. Auch in China, wo inzwischen zahlreiche staatliche und private Therapieeinrichtungen mit verschiedenen Ansätzen miteinander konkurrieren, wird die Internetsucht erst seit November 2008 als Krankheit definiert und anerkannt.

mcc/AfP