"Girls Who Code"-Umfrage zu Sexismus in der IT - DER SPIEGEL
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Umfrage zu Sexismus in der IT "Dann fragte man mich, ob ich mich verlaufen hätte"

Eine Umfrage der Organisation "Girls Who Code" zeigt: Frauen in der Tech-Branche haben immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen. So bleibt Computertechnik weiterhin meist in Männerhand.
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Mehr als die Hälfte von 1000 in den USA befragten Frauen hat angegeben, beim Jobeinstieg in der Tech-Branche negative Erfahrungen gemacht zu haben - oder mindestens eine Frau zu kennen, der es so ergangen ist. Das ist das Ergebnis einer Erhebung  der US-amerikanischen Nichtregierungsorganisation "Girls Who Code", die sich für Gleichberechtigung in der IT einsetzt und Studentinnen sowie Absolventinnen in der Branche unterstützt.

Befragt wurden Frauen im Studienalter oder älter, die bereits Mitglied bei "Girls Who Code" sind und sich für Praktika und Jobs in der Tech-Industrie beworben haben.

Diejenigen der Befragten, die selbst negative Erfahrungen gemacht hatten, gaben an, dass ihre Bewerbungsgespräche fast ausschließlich von Männern worden seien. Bei einem Viertel ging es in den Gesprächen demnach eher um persönliche Eigenschaften statt um die fachlichen Qualifikationen. 21 Prozent gaben an, unangemessene Kommentare oder diskriminierende Fragen erlebt zu haben.

Neben der quantitativen Erhebungen wertete "Girls Who Code" mehr als 700 schriftliche Erfahrungsberichte aus. Diese reichten von genderdiskriminierendem Verhalten bis hin zu Belästigungen. Einige Frauen berichteten, ihr Gegenüber habe während des Gesprächs mit ihnen geflirtet, andere schrieben, sie hätten sich Kommentare über ihr Äußeres anhören müssen. Manche wurden den Schilderungen zufolge gefragt, ob sie einen festen Partner oder nach dem Gespräch Lust auf ein Date hätten.

Weitere Beispiele aus der Umfrage:

  • "In den fünf bis zehn meiner Gespräche saß nicht in eine Frau. Das hat mich eingeschüchtert."
  • "Es ist frustrierend, bei Fachgesprächen nur Männern gegenüberzusitzen. Die Firmen predigen Vielfalt, die sich im Bewerbungsprozess nicht zeigt."
  • "Einer der Gesprächspartner schickte mir ungefragt ein Foto von sich."
  • "Der Interviewer sagte, Frauen wären in nichttechnischen Bereichen besser aufgehoben."
  • "Ich wurde gefragt, warum ich als Frau in der Tech-Branche arbeiten wolle."
  • "Als ich mich vorstellte, wurde ich überrascht angeschaut. Mein Name ist geschlechtsneutral. Dann fragte man mich, ob ich mich verlaufen hätte."
  • "Ich musste Fragen beantworten wie: Was macht dich als Mädchen so einzigartig? Wie würdest du auf Belästigung am Arbeitsplatz reagieren?"

Der Anteil von Frauen in der IT-Branche ist nach wie vor gering. In Deutschland sind gerade einmal 20 Prozent der IT-Studierenden weiblich. In den großen Tech-Unternehmen wie Apple, Google, Facebook und Amazon sehen die Zahlen  bei Frauen in IT-Jobs ähnlich aus.

"Girls Who Code"-Gründerin Reshma Saujani schreibt: "Wir haben unsere Mädchen und jungen Frauen so weit gebracht, über alle Hürden an Schule und Uni - nur damit sie am Arbeitsplatz diese Art von Verhalten erleben. Das ist schlecht für eine Industrie, die behauptet, sich für Geschlechtergleichheit einzusetzen."

ngo