Gläserner Surfer: Das Weiße Haus will keinen Durchblick - DER SPIEGEL
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Gläserner Surfer Das Weiße Haus will keinen Durchblick

"Cookies" gehören für den Surfer fast schon zum Alltag. Die Unternehmen interessiert das Verhalten der Verbraucher, Betreiber von Webseiten wollen ihr Angebot personalisieren. Nicht so das Weiße Haus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Washington - Die US-Regierung gibt zu, die Privatsphäre der Bürger zu verletzen, wenn es auf seinen Seiten zur Anti-Drogen-Werbung weiter auf "Cookies" setzt. Daher soll diese Praxis ab sofort eingestellt werden. Das teilte jetzt ein Sprecher des Weißen Hauses mit.

Zwar seien "Cookies" auf vielen Werbeseiten zu finden. Diese kleinen Dateien werden vom Internet-Rechner des Anbieters zum PC versandt, sobald eine Internet-Seite aufgerufen wird, und dokumentieren das Nutzungsverhalten des Surfers. Beim nächsten Besuch des Surfers auf der Website des Anbieters können diese Informationen abgerufen werden. Die Verantwortlichen in Washington sehen aber einen Unterschied darin, wenn die "Cookies" zu kommerziellen Zwecken eingerichtet werden oder wenn es quasi von Staats wegen geschieht. "Die Bürger sollen ohne Bedenken Informationen von uns erhalten, ohne Angst haben zu müssen, dass wir sie gleichzeitig durchleuchten", erklärte ein verantwortlicher Mitarbeiter.

Die Praxis der Drogen-Abteilung gelangte zu Wochenbeginn an die Öffentlichkeit. Ob in anderen Abteilungen ähnlich verfahren werde, sei nicht bekannt, sagte Joe Lockhart, der Sprecher des Weißen Hauses. "Wir werden alles unternehmen, um dieses Vorgehen zu stoppen."

Die "Cookies" sorgten unter anderem dafür, dass die Besucher von Webseiten für Jugendliche automatisch Banner mit Anti-Drogen-Werbung auf ihrem Bildschirm erhielten. Wer auf die Banner klickte, dessen Surfwege wurden protokolliert.

Die Firma DoubleClick, die sich auf Werbung im Internet spezialisiert hat, erklärte den Zweck der "Cookies": Mit ihnen sollte herausgefunden werden, welche Werbung die Surfer am häufigsten auf die Seiten der Drogen-Abteilung lockte. Das New Yorker PR-Unternehmen hat auch die "Cookies" für das Weiße Haus bereitgestellt.

DoubleClick war bereits Anfang des Jahres ins Visier von Bürgerrechtlern geraten, als das Unternehmen ankündigte, die mit den "Cookies" gewonnenen Daten weiter zu verwenden. Damals hatten Vertreter der amerikanischen Kartellbehörde Federal Trade Commission (FTC) die Büroräume in New York durchsucht. Schließlich einigte sich DoubleClick mit der FTC darauf, zu warten, bis ein freiwilliger Standard in den strittigen Rechtsfragen geschaffen ist.

Ein Sprecher von DoubleClick, Josh Isay, betonte: "Alle Daten werden absolut vertraulich behandelt. Wir werden keine speziellen Profile einzelner Verbraucher erstellen."