Netzneutralität Google, Microsoft und Facebook zahlen für US-Bandbreite
Beschriftete Netzkwerkkabel (Symbolbild): Netzriesen zahlen für Bandbreite
Foto: Oliver Berg/ dpaDer Datenverkehr im Netz nimmt täglich zu. Und damit auch die Schlacht um die Bandbreite im Internet. Worum Telefonanbieter wie die Telekom in Deutschland seit Jahren kämpfen, ist in den USA längst üblich: Die großen Internetkonzerne wie Google, Microsoft und Facebook überweisen Geld an Netzbetreiber, damit ihre Daten schneller durchgeschleust werden. Das berichtet das "Wall Street Journal" . Damit wollen die Unternehmen verhindern, dass die eigenen Kunden mit langen Ladezeiten verärgert werden.
Vor allem Videoportale wie die Google-Plattform YouTube sind davon abhängig, dass die Daten möglichst zügig beim Zuschauer ankommen. Nur so werden die Videos flott geladen und ruckelfrei abgespielt. Dennoch wehren sich einige Portale gegen die Abgabe. Das Videostreaming-Portal Netflix will sich keine Spezialbehandlung bei Telefonanbietern erkaufen. Dem Bericht zufolge will Netflix keinen Präzedenzfall schaffen. Obwohl mehrere Kabelnetzbetreiber und Telefonkonzerne dem Konzern wohl ein Angebot gemacht haben sollen.
Die Beträge an die Provider sind offenbar aber noch recht niedrig. Der Kabelnetzbetreiber Comcast verdient demnach etwa 25 bis 30 Millionen Dollar im Jahr an den Abgaben, die Internetkonzerne für eine schnellere Übertragung zahlen. Das sind weniger als 0,1 Prozent des Umsatzes. Bei Time Warner Cable seien es mehrere zehn Millionen Dollar im Jahr. Beide Unternehmen schätzen die Abgaben nicht als großes Geschäftsmodell ein.
In Deutschland fordert die Telekom seit Jahren, dass sich die großen Internetunternehmen an den Kosten für Netzaufbau und Infrastruktur beteiligen. Doch Kritiker befürchten, dass die Netzneutralität unter diesem Modell leidet - und nicht mehr alle Daten unabhängig vom Absender gleich schnell ans Ziel gebracht werden. Netzaktivisten kritisieren, dass darunter vor allem die weniger zahlungskräftigen Unternehmen leiden würden, sollten manche Dienste bevorzugt werden.
Derzeit erntet die Telekom neben den Drosselplänen beim Endverbraucher vor allem Kritik für die Pläne zum Zwei-Klassen-Internet. Denn über einen Umweg will die Telekom die Internetanbieter zum Zahlen bringen. Der Telekom-Dienst Entertain wird dem Datenvolumen nicht angerechnet. Anbieter von Internetdiensten sollen sich in das als sogenannter Managed Service auf die gleiche Weise einkaufen können. Für einen gewissen Betrag ist so garantiert, dass der Dienst auch am Monatsende noch bei den Nutzern verfügbar ist.