Google-Plattform Blogger.com löscht Sexblogs - DER SPIEGEL
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Google-Plattform Blogger.com löscht Sexblogs

Ab sofort gelten für die Inhalte bei Blogger.com strenge Richtlinien. Wer zu nicht jugendfreien Inhalten ebensolche Werbung anzeigt, fliegt raus. Einige Sexblogger sind empört: Die Löschwarnung verschickten die Betreiber extrem kurzfristig.
Aktuelle Blogübersicht (Screenshot): Fähnchen und Blumen statt Sex
Aktuelle Blogübersicht (Screenshot): Fähnchen und Blumen statt Sex

Aktuelle Blogübersicht (Screenshot): Fähnchen und Blumen statt Sex

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Blogger.com-Betreiberin Google veranstaltet das große Reinemachen auf der Blog-Plattform. In einer Mail vom 27. Juni kündigte die Blog-Plattform an, Blogs der "Nur für Erwachsene"-Kategorie zu löschen, die Werbeanzeigen für nicht jugendfreie Angebote beinhalten  - und zwar schon drei Tage nach dieser Benachrichtigung, also am heutigen Montag.

"Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass wir am 30. Juni 2013 unsere Content-Richtlinien aktualisieren werden, um die Monetarisierung von Erwachsenenmaterial auf Blogger.com strikt zu verhindern", heißt es darin. Diese Richtlinie werde man umsetzen und alle Blogs löschen, "die ihrer Natur nach nur für Erwachsene sind und Werbung für Erwachsenen-Angebote darstellen". Wer nach dem Stichtag weiterhin entsprechende Werbung anzeige, gebe sein Einverständnis zur Löschung.

Wer bislang auf Blogger.com ein nicht-jugendfreies Blog betrieb, wurde nicht belangt, solange ein virtuelles "Nur für Erwachsene"-Schild dem Zutritt vorangestellt wurde. In den neuen Richtlinien  erklärt Google nun: "Nutzen Sie Blogger nicht, um mit nicht jugendfreien Inhalten Geld zu verdienen. Erstellen Sie beispielsweise keine Blogs, bei denen ein erheblicher Teil des Inhalts aus Werbung oder Links zu kommerziellen Pornografie-Websites besteht."

Missmut unter den betroffenen Betreibern

Was genau unter "nicht jugendfreie Inhalte" fällt, was "ein erheblicher Teil" und was eine kommerzielle Website ist, erläutert Google hingegen nicht. Die Klausel wirkt eher wie eine Löschvollmacht, um gegen die vielen im Graubereich agierenden Blogs vorzugehen, die nebst zum Teil unerwünschten Angeboten oft mit Sexanzeigen versuchen, Geld zu verdienen - und damit möglicherweise das Werbeumfeld für andere Blogger-Anzeigenkunden entwerten.

Die Ankündigung hat für Missmut unter Betreibern von Blogs mit nicht jugendfreien Inhalten gesorgt. Die vagen Erklärungen, vor allem aber die extrem kurze Vorwarnzeit setzen Sexblogger wie Zoe Margolis unter Druck : Wird ihr Blog auch gelöscht und damit ihr Lebensunterhalt gefährdet?

Für ZDnet-Autorin und Sexbloggerin Violet Blue fängt mit der Google-Drohung das nächste Problem an: Wohin mit solchen Blogs?  Bei Wordpress herrsche das gleiche Werbeverbot, Tumblrs Sexblogs tauchten nicht in der Google-Suche auf, und ein Blog selbst zu betreiben, sei nicht kostenlos.

Als Erwachsenenthema gelte nicht nur Sex, sondern auch Sexualität; also Blogs, die sich etwa mit Trans-, Inter- und Homosexualitäten auseinandersetzten. Kein Wunder, meint sie, dass so viele Erotik-Blogs aus dem Netz verschwinden: "Wir müssen uns um die zunehmende Zensur von Erwachsenen-Inhalten im Netz kümmern."

kno