Netzwelt-Ticker Raubkopie-Links bei Google, gedruckte Schlüssel, Twitter-Vertrauen
Google-Report: Rechteverwalter beklagen zu viel Transparenz
In seinem regelmäßig aktualisierten Transparenzbericht legt Werberiese und Suchmaschinenbetreiber Google öffentlich dar, welche Unternehmen Löschanfragen für welche urheberrechtlich geschützten Daten schicken. Schon im letzten Monat stand dabei fest, dass Deutschland vor allem dank fleißiger Gerichte Lösch-Europameister ist und weltweit auf Platz drei liegt.
Doch Google tut in den Augen mancher Rechteinhaber damit nicht genug. Denn in den Auflistungen der aus den Suchergebnissen entfernten Internetadressen wollen sie weiterhin die Möglichkeit zur Online-Piraterie erkennen, wie "TorrentFreak" berichtet . Sie fordern nun, die Links zu Löschanfragen zu entfernen, da sie wiederum auf Raubkopie-Verzeichnisse verweisen.
Die Anzahl dieser Löschbegehren steigt kontinuierlich an und erreichte in der vergangenen Woche einen neuen Höchststand: Mit dem Datum vom 9. Juli 2012 zählte Google 719.416 entsprechende Anfragen von Rechteinhabern und -Verwertern. Unter den Antragstellern lag Softwareschmiede Microsoft noch vor dem US-Musikindustrieverband RIAA, gefolgt vom Medienunternehmen NBC Universal.
3D-Drucker liefert Schlüssel für Handschellen
Besonders schwere Jungs werden von der Polizei nicht mit den weithin üblichen Plastikbändern gefesselt, sondern mit der eigentlich besonders sicheren Variante von Handschellen. Die Sicherheitsschlösser und limitierten Schlüssel sollen verhindern, dass ein Helfer oder der sistierte Gauner sich selbst allzu leicht befreien kann.
Doch auf der Konferenz Hackers on Planet Earth (Hope) demonstrierte jetzt ein deutscher Hacker namens Ray, wie einfach diese Hürde umgangen werden kann. Ein 3D-Drucker und ein Lasercutter reichten ihm, um im Handumdrehen Plexiglaskopien der Schlüssel herzustellen. Damit können die Bemühungen der Polizei zunichtegemacht werden, nicht zu viele passende Schlüssel im Umlauf zu haben.
Kritikern begegnete Ray gegenüber "Forbes" mit dem Argument, er wolle lediglich ein Problembewusstsein schaffen . Polizisten liefen derzeit Gefahr, sich allzu sehr auf die vorgeblich sicheren Handschellen zu verlassen und unaufmerksam zu werden.
Twitter mit Glaubwürdigkeitsproblem
Dass Zeitungs- und News-Seiten schrecklich altmodisch seien und Social Networks wie Facebook oder Twitter die neuen Nachrichtenlieferanten, gilt als Weisheit der Stunde. Doch was ist dran am Netzwerk-Hype, wie weit trauen die Nutzer den dort präsentierten Inhalten? Um das herauszufinden, führten zwei Markt- und Kommunikationsforscher einen Test durch. Der zeigte, dass Leser einen Artikel der "New York Times" als wesentlich glaubwürdiger einschätzten, wenn sie ihn auf der Seite der Zeitung selbst oder durch einen Link von einem Blog fanden. Wurde derselbe Artikel aber über einen Twitter-Link gepostet, erschien er den Lesern als weniger wichtig und glaubwürdig.
Anscheinend gilt auch im Netz die alte Weisheit "Kleider machen Leute". Möglicherweise leidet der Ruf Twitters als verlässlicher Nachrichtenlieferant unter der Tatsache, dass die Zwitscherseite mit seichtem Geplapper und Promi-Nachrichten auf Boulevard-Niveau überfrachtet ist. In diesem Umfeld erwarten Leser offenbar weniger seriöse Berichterstattung. Das gelte sogar unter der Voraussetzung, dass den meisten Twitter-Nutzern durchaus bewusst sei, dass nicht Twitter, sondern eben die "New York Times" die Links an der entsprechenden Stelle platziere .
Der Titel der von den Forschern Mike Schmierbach und Anne Oeldorf-Hirsch in der aktuellen Ausgabe von "Communication Quarterly" veröffentlichten Studie lautet denn auch: "Ein kleiner Vogel hat's mir erzählt, also habe ich es nicht geglaubt."
Auch das noch:
- Firefox 14 verschlüsselt Google-Suchen: Nachdem Mozilla Ende Juni die jüngste Firefox-Version 14 bereits für Android ausgeliefert hat, folgte diese Woche die Desktop-Variante. Unter der noch einmal um einige Fehler bereinigten Version 14.0.1 steht der Browser nun zum Herunterladen bereit . Die verschlüsselte Google-Suche ist jetzt Standard. Damit sind Suchinhalte via https vor den Augen interessierter kommerzieller Datensammler verborgen.
- Verleger greifen BDI wegen Leistungsschutzrecht an: Mit seiner deutlichen Kritik am Gesetzentwurf hat sich der Wirtschaftsverband BDI bei den Verlegern keine Freunde gemacht. Verlegerverbandschef Dietmar Wolff gab in harscher Münze heraus und warf dem BDI vor, er lasse sich "vor den Karren von Google spannen".
- Richter in Kim Schmitz' Auslieferungsprozess legt Vorsitz nieder: Dem Internet-Rechtsexperten und Richter David Harvey rutschte letzte Woche während einer Podiumsdiskussion die Bemerkung heraus: "Wir haben den Feind gesehen und das sind die USA." Nun sah er ein, mit einer derart vorgefassten Meinung das Verfahren um die Auslieferung von Ex-Megaupload-Chef Kim Dotcom alias Schmitz in die USA nicht mehr unbefangen leiten zu können.