Gratis-Geste: Microsoft verschenkt Speicherplatz - DER SPIEGEL
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Gratis-Geste Microsoft verschenkt Speicherplatz

Microsoft spendiert seinen Kunden kostenlose Online-Speicher. Die Aktion ist offenbar ein Versuch, mit Google, Yahoo & Co. gleichzuziehen. Die bieten ihren Usern schon länger virtuelle Festplatten - und meist noch wesentlich größere.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Microsoft wird Computer-Nutzern bald 500 Megabyte Onlinespeicherplatz zur Verfügung stellen. Auf den ausgelagerten Privat-Festplatten können Texte, Fotos, MP3s und Videos gleichermaßen gespeichert werden. Die Online-Daten-Speicherung soll auf Microsofts Servern in drei Abstufungen erfolgen: Nutzer können die virtuelle Festplatte privat nutzen, Bekannten zugänglich machen oder als Plattform für Jedermann freigeben.

Die geschlossene Beta für den Service läuft seit gestern Nacht, 5.000 Nutzer nehmen an ihr teil. Die offene Beta soll noch diesen Sommer beginnen. Gerüchten zufolge arbeitet Microsoft seit über einem Jahr an einer Online-Speicher-Lösung. Ursprünglich soll das Projekt "Live Drive" geheißen haben, inzwischen läuft es unter dem Label "Windows Live Folders". Bei Marktstart soll die Online-Festplatte erneut einen neuen Namen erhalten.

Experten sehen in dem Projekt einen Versuch von Microsoft, mit der Konkurrenz im Online-Universum gleichzuziehen. Seit im Web 2.0 der Transfer von Bildern, Musik und Videos rapide steigt und die Server-Kosten gleichzeitig sinken, offerieren immer mehr Anbieter ihren Kunden kostenlosen Online-Speicher. Nutzern eröffnen solche Dienste die Möglichkeit, orts- und zeitunabhängig auf Daten zuzugreifen.

500 MB Speicherplatz

Vergleicht man Microsofts Speicher-Offerte mit den Angeboten der Konkurrenz, fallen vor allem zwei Dinge auf: Erstens ist Microsoft ziemlich spät dran, zweitens wirken die angebotenen 500 MB Pro-Kopf-Speicher etwas bescheiden, um nicht zu sagen geizig. Online-Gigant AOL bietet Usern schon seit längerem das zehnfache an virtuellem Speicher auf seinem Xdrive. Die prinzipiell großzügige Geste kann in Zeiten, in denen man 500 MB-USB-Sticks als Werbegeschenke hinterher geworfen bekommt, ihre volle Wirkung wohl nicht entfalten.

Auch in Sachen E-Mail-Speicherplatz ist Microsoft zurückhaltender als die Konkurrenz: Yahoos Mail-Server bietet seinen Kunden unbegrenzt Speicherplatz, Googles Dienst Gmail (in Deutschland "Google Mail") immerhin drei Gigabyte. Microsoft-Nutzer begnügen sich mit zwei GB.

Kostenlose Office-Klone auf dem Vormarsch

Munter unterwandert werden außerdem die Programme der MS-Office-Suite. Für fast alle Büroprogramme hat die Microsoft-Konkurrenz inzwischen eine Gratis-Software in ihrem Service-Angebot. Google bietet neben kostenlosen Word- und Excel-Versionen inzwischen sogar ein Präsentations-Tool à la Power-Point. Dieses ist dem Microsoft-Vorbild sogar in einem entscheidenden Punkt überlegen: Per Mail empfangene Präsentationen lassen sich direkt im Browser öffnen.

Ob Microsoft irgendwann selbst abgespeckte Versionen seiner Office-Serie im Netz verschenkt, ist nicht bekannt. "Derzeit gibt es dazu nichts zu sagen", sagte Brian Hall, der Generalmanager von Windows Live dem "Sydney Morning Herald". Handle es sich aber um ein Szenario, das "die Leute begeistert", werde man sicherlich darüber nachdenken. Na dann mal los: Geschenkte Gäule werden gern genommen in der Web-Welt, aber im Gegensatz zur Realwelt sieht man ihnen dort auch genau ins Maul.

ssu