Gravenreuth gegen das Netz Showdown in Düsseldorf
Stefan Münz ist kein Unbekannter. Sein HTML-Kompendium "SelfHTML" hat tausenden von Web-Begeisterten den Weg zur eigenen Website geebnet - das alles kostenlos und frei verteilt. Münz ist ein echter "Nettie", für den das Web nur dadurch lebt, dass es die freie Bewegung zwischen allen Inhalten ermöglicht. Der Link ist das Kernstück der dem Web zugrunde liegenden Technologie: Keine Linkfreiheit, kein Web.
Freiherr Günther von Gravenreuth sieht das anders. Seine Position ist einfach zu beschreiben: Wer einen Link legen möchte, der müsse zuerst eine Markenrecherche durchführen. Münz hat in den Tiefen seiner Website, irgendwo in den hunderten von Links, die sein HTML-Führer enthält, einen Link auf ein Programm gelegt, das es nach Meinung des Freiherrn gar nicht geben dürfte: den "FTP-Explorer" eines amerikanischen Anbieters. Das, meint der Freiherr, verletze die Markenrechte seines Mandanten, der Softwarefirma Symicron, die die Rechte am Markennamen "Explorer" halte.
Das Softwarehaus hat in Gravenreuth einen emsigen Beschützer gefunden, der schon , die den Namensbestandteil "Explorer" in der einen oder anderen Form "missbrauchten". Der Fall Münz, meint nun Uschi Hering von der Anti-Abmahnwahn-Initiative Freedom for Links, rührt an die Grundfesten des Web selbst. Wenn man bei jedem Link erst eine "Markenrechts-Recherche" durchführen müsse, dann verlöre das Web seinen Sinn: "Das ist der größte Blödsinn, den das Netz je gehört hat. Denn dann könnte es sich niemand mehr erlauben, Verknüpfungen herzustellen, die den Benefit des Netzes überhaupt erst ausmachen."
Grund genug für eine Web-Kampagne. Für den Tag der Verhandlung rufen Freedom for Links und andere zu einer Web-weiten Online-Demonstration auf. Über die Homepage der Initiative wird fortlaufend aus dem Gericht berichtet. Schon seit längerem läuft eine Spendenaktion, die bisher rund 50.000 Mark erbrachte, mit denen Münz unterstützt werden soll, der den Streit mit Gravenreuth durch alle Instanzen austragen will. Für die Betroffenen bahnt sich hier ein "Musterprozess" an, in dessen Verlauf Gravenreuth in die Schranken verwiesen werden soll. Freedom for Links: "Beim Thema "Explorer" wird in unseren Augen die Marke als Feigenblatt zum Absahnen mißbraucht - sonst aber nichts."