Guck mal, wer da mailt Ein Land voller Spione
Hamburg - Seine Indiskretion hat Thomas Strunz teuer bezahlt. Der ehemalige Fußballprofi des FC Bayern las im Frühjahr 2002 heimlich die SMS-Botschaften auf dem Handy seiner Frau. Dort fand er nicht nur seine eigenen Liebesbekundungen, sondern auch noch die seines Mitspielers und bis dato Freundes Stefan Effenberg. Die "SMS-Falle" machte Schlagzeilen, aber sie ist keineswegs nur Prominenten vorbehalten, wie eine Umfrage in England ergeben hat.
Immerhin 39 Prozent der Männer gaben zu, die SMS-Nachrichten ihrer Partnerinnen zu lesen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Doch Frau hat keinen Anlaß zur Empörung, 62 Prozent der Teilnehmerinnen würden dasselbe machen. Nach unbekannten und somit verdächtigen Nummern im Telefonbuch des Mobiltelefons würden 60 Prozent der Frauen und 35 Prozent der Männer suchen. E-Mails des anderen würden immerhin noch ein Viertel der Männer und 40 Prozent der Frauen lesen.
Die Untersuchung zitiert eine Rachel aus Berkshire, die bekennt, dass sie "fast süchtig danach wurde", die E-Mails ihres Ex-Freundes zu lesen. Sein altes Passwort funktionierte noch immer. "Von Zeit zu Zeit schaue ich nach, nur um auf dem Laufenden zu bleiben, was in seinem Leben so passiert", gesteht sie. Und das scheint kein Einzelfall zu sein, viele der Befragten hatten Zugang zu den E-Mails ehemaliger Partner, da deren Passwörter oft über Jahre nicht geändert wurden.
Auch Freunde und Bekannte werden bespitzelt, 35 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen gaben an, sie würden Dokumente auf deren Computern lesen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen.
Mussten Fremdgeher früher nur auf verräterische Spuren in der Hosentasche oder auf Kreditkartenrechnungen achten, so bedarf es jetzt auch digitaler Sicherheitsvorkehrungen. Im Heimatland von James Bond scheint Schnüffeln eine verbreitete Leidenschaft. So empfiehlt der britische Nachrichtensender BBC seinen Kunden, angesichts der Studie Mobiltelefone mit einem Pin zu sichern, nur schwer zu erratende Passwörter zu wählen und den Computer vor dem Weg in die Kantine zu sperren.
Letzteres scheint notwendig, da die Neugier der Briten nicht vor dem Arbeitsplatz Halt macht. Ein verlassener Bildschirm findet auch im Büro schnell unerwünschte Leser. Die Gelegenheit, auf dem Computer des Vorgesetzten die Lohnabrechnung eines Kollegen nachzulesen, würden immerhin 27 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen nutzen. Eine ähnlich hohe Prozentzahl wäre bereit Firmengeheimnissen auszuspionieren, wenn es sich denn einmal anböte.
"Menschen sind von Natur neugierig", weiß Kevin Chapman, der die Studie betreute, "und es gibt Menschen da draußen, die vertrauliche E-Mails und Informationen lesen werden, wenn man sie lässt." Frau Strunz wusste das schon.