Hacker-Legende Kevin Mitnick auf freiem Fuß
Kevin Mitnick ist wieder ein freier Mann. Nach genau vier Jahren, elf Monaten und sechs Tagen Haft wird der wohl bekannteste Hacker der Welt am heutigen Freitag aus dem Gefängnis entlassen.
Über viele Jahre hat der heute 36-Jährige die US-Behörden in Atem gehalten, hat Buchautoren inspiriert und Computerkonzernen schlaflose Nächte beschert. Der Fall Mitnick steht wie kein anderer für die Paranoia, die Hackerattacken in den USA auslösen können - aber auch für den teilweise fragwürdigen Umgang der US-Justiz mit Computerkriminellen.
Mitnick war Anfang der neunziger Jahre in die Computersysteme des Militärs und mehrerer großer US-Konzerne eingedrungen, woraufhin ihn das FBI zu einem der "meist gesuchter Kriminellen der USA" erklärte. Erst nach einer zweieinhalbjährigen Verfolgungsjagd konnte Mitnick im Februar 1995 festgenommen werden.
Die Staatsanwaltschaft hatte ihm zunächst vorgeworfen, bei 25 Einbrüchen in Computersysteme einen Schaden von 80 Millionen Dollar verursacht zu haben - unter anderem bei Firmen wie Sun, Motorola und Novell. Nach langen Verhandlungen mit der Anklagebehörde bekannte sich Mitnick schließlich im März 1999 schuldig, einen Schaden bis zu einer Höhe von zehn Millionen Dollar angerichtet zu haben.
Daneben verpflichtete er sich, sieben Jahre lang alle Einnahmen aus Büchern oder Filmen über seine Geschichte an die geschädigten Firmen abzutreten. Nach einer ungewöhnlich langen, mehr als vier Jahre dauernden Untersuchungshaft wurde der Hacker im August vergangenen Jahres zu einer 46-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt.
Mitnick will nach der Entlassung mit seinem Vater in Los Angeles leben, erklärte sein Anwalt Gregory Vinson. Die Bewährungsauflagen sind allerdings streng. So darf Mitnick in den kommenden drei Jahren weder Hardware noch Software besitzen oder benutzen. Auch Modems, Handys oder Fernseher sind für ihn tabu. Die einzige Möglichkeit der elektronischen Kommunikation stellt für ihn in den nächsten Jahren ein Festnetztelefon dar.
Auch im Berufsleben ist Mitnick stark eingeschränkt. So darf er keinen Job annehmen, in dem er "Zugang zu Computern, Computerzubehör oder Software" hat. Wie diese Auflagen genau ausgelegt werden, ist noch offen. Reba Vartanian, Mitnicks Großmutter, äußerte gegenüber MSNBC die Befürchtung dass ihr Enkel weder auf eine Uni gehen noch an der Kasse eines Supermarktes arbeiten dürfe - schließlich seien überall Computer im Einsatz.
Auch Anwalt Vinson kritisiert die ungenaue Formulierung. Die Auflagen drängten geradezu die Frage auf, "Was ist ein Computer?". Vinson gegenüber MSNBC: "Wir baten das Gericht, die Auflagen zu konkretisieren, aber es hat unsere Bitte abgelehnt."
Vinson hofft jetzt auf "vernünftige" Bewährungshelfer, so dass sein Mandant wenigstens ein "halbwegs normales Leben" führen kann. Allerdings ist er nicht sehr zuversichtlich: "So wie der Fall von Anfang an gelaufen ist, erwarte ich keine vernünftige Handhabe."
Auch die Initiatoren der Webseite "Free Kevin Mitnick " bezweifeln, dass der Hacker seine Fähigkeiten in den nächsten Jahren in irgendeiner "konstruktiven Weise" einsetzen kann. Die Gefahr sei daher groß, dass er schon bald wieder in Konflikt mit den Behörden kommen könnte.
Mitnick, der in Hackerkreisen als Kultfigur verehrt wird, kann allerdings auf die Unterstützung seiner Freunde bauen. In einem erst kürzlich aufgelegten "Freedom Fund" haben sich mittlerweile rund 3000 Dollar angesammelt. Nur auf ihrer Webseite haben die Unterstützer mittlerweile ein kleines Problem. Der Ticker, der die Zeit bis zur Freilassung Mitnicks herunterzählt, zeigt seit gestern Abend wieder elf Monate und 30 Tage an.