Hacker's List: Internetportal vermittelt Hackern Aufträge - DER SPIEGEL
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Online-Jobbörse Hacker erfüllen Kundenwünsche

Schnapsidee oder Marktlücke? Drei Amerikaner wollen über ihre Website professionellen Hackern Kunden vermitteln. Deren Wünsche sind allerdings meist illegaler Natur.
Onlineportal Hacker's List (Screenshot): Passwörter ausspähen zum Festpreis
Onlineportal Hacker's List (Screenshot): Passwörter ausspähen zum Festpreis

Onlineportal Hacker's List (Screenshot): Passwörter ausspähen zum Festpreis

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eine E-Mail soll aus dem Posteingang eines anderen Nutzers verschwinden. So dringend, dass die Erledigung dieses Auftrags dem Auftraggeber immerhin 500 Dollar wert ist. Ein anderer will die GPS-Software im Auto seiner Freundin manipulieren, um herauszufinden, ob sie ihn betrügt. Ein weiterer Interessent bietet bis zu 20.000 Dollar für den Zugriff auf den Server einer Bank. Sie alle nutzen das Onlineportal Hacker's List, um Experten zu finden, die ihre Wünsche erfüllen können.

Das Angebot , das seit November 2014 online ist, vermittelt Software-Experten, die auch ausgefallene Wünsche erfüllen können. Auf den Wunschlisten der Kunden findet man überwiegend kriminelle Dienstleistungen. So möchten sie beispielsweise fremde Passwörter ausspähen, den Ruf bestimmter Personen im Netz beschädigen oder gleich ganze Websites lahmlegen lassen.

Die Betreiber sehen sich trotz der fragwürdigen Auftragsliste auf der sicheren Seite. Gegenüber der "New York Times"  sagt einer der Gründer, man habe sich vor dem Start des Angebots von einem Rechtsbeistand beraten lassen. Zudem beruft er sich darauf, dass die Details der Aufträge nur zwischen dem Auftraggeber und dem Hacker ausgehandelt und nicht von den Betreibern des Portals eingesehen werden. In den Nutzungsbedingungen stehe überdies, dass der Dienst "nicht für illegale Zwecke missbraucht werden darf" .

Voller Spaßangebote

Der Plattformbetreiber hat das Portal laut "New York Times" mit zwei Freunden gegründet. Alle drei wollen anonym bleiben. Die Seite werde vom US-Bundesstaat Colorado aus betrieben, schreibt das Blatt. Die Idee dazu sei "nach ein paar Drinks entstanden".

Und für diese Idee gibt es offenbar einen Markt. Knapp 300 Jobangebote werden bei Hacker's List derzeit aufgeführt. Einige Nutzer machen sich zwar einen Spaß daraus, Aufträge auf der Seite zu veröffentlichen. Sie fordern die Hacker etwa dazu auf, Facebook-Seiten lahmzulegen und Google-Passwörter auszulesen - bieten dafür aber kein Geld. Aber viele Offerten scheinen durchaus ernst gemeint zu sein.

Zahlung nur bei Zufriedenheit

Die Betreiber versprechen ihren Kunden absolute Diskretion und Anonymität. Nur der Hacker selbst und der Auftraggeber sollen demnach erfahren, worum es im Detail bei den jeweiligen Projekten geht. Die Plattformbetreiber vermitteln nach eigenen Angaben nur die Kunden an die Hacker, kümmern sich um die Überweisung des Geldes und achten darauf, dass die Kunden mit der Arbeit der Hacker zufrieden sind. Das Versprechen: Wenn der Auftraggeber unzufrieden ist, dann gibt es das Geld zurück. Außerdem werde jeder Hacker überprüft, um die "höchste Qualität zu garantieren".

Einige Hacker haben bereits ein ordentliches Honorar über das Portal bekommen. Der selbsternannte Facebook- und WhatsApp-Spezialist "ATI" etwa hat bei einem Stundenlohn von 150 Dollar insgesamt mehr als 6000 Dollar verdient. In ihren Bewertungen bedanken sich die Auftraggeber für einen "großartigen Job", der "schneller ausgeführt wurde als gedacht". Die Hackerin "ALarsen", spezialisiert auf Datenrettung und Reputationsmanagement im Netz, hat immerhin schon knapp 400 Euro verdient. Über jeden abgeschlossenen Auftrag freuen sich auch die Betreiber. Denn erst bei Erfolg fließt eine Gebühr an die drei Gründer.

jbr