Hacker-Stiftung Willkommen in Wauland
"Heute", heißt es auf Wauland.de, "würdest Du Deinen 50sten Geburtstag feiern. Im Ruhrpott sagt man, dass einer mit 50 'Abraham sieht' und damit weise ist. Bei Dir ging das schneller. Seit 20 Jahren warst Du Deiner Zeit um 20 Jahre voraus..."
Im Rahmen der jährlichen Hackerparty des Chaos Computer Clubs (CCC) in Berlin wurde die Gründung einer Wau-Holland-Stiftung publik gemacht und zur Mitwirkung an der Archivierung der Hinterlassenschaft Wau Hollands aufgerufen. Partystimmung wollte jedoch auf der Gedenkveranstaltung für den im Sommer an den Folgen eines Schlaganfalls verstorbenen "CCC-Alterspräsidenten" nicht so recht aufkommen. Der Club-Mitbegründer, der 2001 seinen 50. Geburtstag hätte feiern können, hatte in der Vergangenheit mit viel Kompetenz und Herz die Stimmung der Chaos-Kongresse geprägt. Seine weit über das Technische hinausweisende Vision einer freien Datenübertragung war im CCC immer eine Schnittstelle von alternativ-ökologischer Lebensart, High-Tech und reflektierender Ethik gewesen. Sein früher Tod wurde allseits mit Bestürzung aufgenommen.
Am 29. Mai 2001 erlitt Wau Holland einen Schlaganfall, an dessen Folgen er am 29. Juli 2001 schließlich verstarb, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Unter den Gründern der Wauland-Stiftung sind einige, die in den letzten Wochen an Wau Hollands Krankenbett seinen Kampf mit dem Tod begleitet haben. Auch fünf Monate nach dem Tod des Netzpioniers ist vielen hier im kleinen Sitzungssaal 3 des Chaos Communication Congress die persönliche Betroffenheit anzumerken. "Wir wollen alles fördern, worüber Wau gelacht hätte", versucht Vorstandsmitglied Gerriet die Stimmung aufzuhellen. Aber auch Anekdoten über Waus blaue Latzhose, lange sein Markenzeichen im CCC und nun begehrtes Sammlerobjekt der deutschen Technikgeschichte, können die Trauer nicht mildern. Waus sonniges Gemüt und sein Talent, die Probleme der Datenwelt mit treffendem Wortwitz auf den Punkt zu bringen, werden der deutschen Netzkultur ebenso fehlen wie sein visionäres Verständnis der globalen Computersysteme, so die einhellige Meinung.
Unter der noch von Wau selbst reservierten Domain www.wauland.de wird nun sein Nachlass archiviert und eine Reihe weiterer Projekte initiiert: Eine Berufsberatung für Hacker, ein Lexikon der Holland-Neologismen, aber auch handfeste Forschungsprojekte zu Internet und Datenschutz sind vorgesehen. Die geplante Stiftung soll formal eigenständig sein und wird von Günter Holland-Moritz, dem Vater des Verstorbenen, gemeinsam mit Hackern des CCC ins Leben gerufen. Die Gründer ringen derzeit mit Genehmigungsbehörden und Finanzamt um die Anerkennung der Gemeinnützigkeit.
Einige heikle Fragen müssen die Stiftungsgründer jedoch noch klären. "Was machen wir mit Waus Liebesbriefen?", fragte etwa die Vorstandsvorsitzende Ursel Reichhardt, "Wau hat von seiner handschriftlichen Korrespondenz stets Blaupausen angefertigt und alles archiviert." Auch eventuelle strafrechtliche Probleme für Freunde Waus und Mitglieder des CCC müssen sorgfältig abgewogen werden: Nicht ohne Grund hatte die Polizei mehrfach die persönliche Habe des Stiftungsvaters beschlagnahmt und (erfolglos) nach Belastungsmaterial in Sachen Hackertum durchsucht.
Derzeit fehlt den Gründern noch die Hälfte des Stiftungs-Startkapitals in Höhe von 100.000 Mark, die eventuell von Siemens gespendet werden könnten - Wau hatte dort einen Honorarvertrag für Vorträge und Beratungsdienste. Eine Beteiligung, meinen viele, stände dem Unternehmen gut an. Denn Wau Holland hat nicht nur für sich selbst und den CCC, sondern auch für die Netzkultur insgesamt viele Verdienste errungen: "..lange", ist auf Wauland.de zu lesen, "ließ Dein Geist den CCC zu dem werden, was er heute ist: eine geachtete Institution, welche die Regierung berät und in der sich gleichzeitig junge Menschen wohl fühlen. Du warst der Doyen, der 'älteste Diplomat im diplomatischen Korps' der Freiheit der Information."