Halleluja: ...und es sei Web! - DER SPIEGEL
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Halleluja ...und es sei Web!

Mit Fellowshipchurch.com entsteht das erste Glaubens-Portal, das diesen Namen verdient. Alles zur Ehre des Herrn, der das Web für uns schuf.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

    "Und Gott sprach: Es lege sich eine Leitung zwischen Fleischwelt und Cyberspace, zu überbrücken den Unterschied zwischen hüben und drüben. Und es geschah also."
    Genesis 1, ziemlich neue Version


Blasphemie? Nicht wirklich, meint zumindest Preston Mitchell, Pastor der Fellowship Church. Eher eine Ansichtssache: Während Al Gore noch immer dem Irrglauben anhängt, er selbst habe das Internet erfunden, weiß das Mitchell besser. ER hat das Internet erfunden, wäre seine Antwort.

Mitchell: "Gott erschuf das Internet. Er ist derjenige, der uns als menschliche Wesen die Fähigkeit gab, solche Dinge tun zu können. Darum tragen wir Verantwortung dafür, Gottes Schöpfung dazu zu nutzen, Menschen zu erreichen."

Das Glaubens-Portal Fellowshipchurch.com, das Mitte Februar online gehen soll, ist also keine Idee, sondern vielmehr ein Auftrag. Was zugleich jedes Gegenargument entkräftet, die Kirche solle doch bitte schön nicht in so profan kommerziellen Gewand daherkommen.

Kommerziell?

Ja, es wird einen Shop geben, über den Devotionalien verkauft werden sollen. Davor will Fellowshipchurch aber vor allem eine Botschaft verkaufen. Kritiker meinen, in vielleicht etwas übertrieben marktschreierischer Art.

Hiesige Christen könnten das ähnlich empfinden. Schon die Vorab-Seite zeigt, wo es hingehen soll. Da wird der Surfer mit dem flotten Werbespruch "Innertainment for the heart" begrüßt - lustig, lustig, halleluja.

Auch, dass Mitchell und seine fünf Mitpastoren gleich ihre ganze Gemeinde von "Fellowship Church, Grapevine, Texas" in "Fellowshipchurch.com" umbenennen mussten, halten manche für nicht ganz geschmackssicher.

Aber darüber lässt sich bekanntlich streiten. Auch dass der neue Domainname nun groß und schön auf dem Dach der Kirche prangt, hat einen guten Grund: Schließlich liegt die Fellowship Church in der Einflugschneise des örtlichen Flughafens. Das ist Sendungsbewusstsein erster Güte. Schließlich ist Mission ein inhärenter Teil des pastoralen Auftrages. In dieser Hinsicht sind Mitchell und Kollegen nicht nur ungewöhnlich pfiffig, sondern auch ungewöhnlich erfolgreich: Ihre Baptisten-Gemeinde wuchs in den zehn Jahren ihres Bestehens von 150 auf über 13.000 Mitglieder.

Mitchell stellt sich jedenfalls vor, dass seine Website so etwas wie ein "MSN oder Yahoo! des Glaubens" werden könnte. Die Domain war gar nicht leicht zu bekommen: Die hielt bereits eine andere Kirche. Mitchell und Co. handelten sie den Kollegen im Tauschgeschäft gegen dringend benötigtes Video-Equipment für den Einsatz im Gottesdienst ab. Sie selbst sind da weiter: Sie übertragen schon einmal Weihnachtsgottesdienste oder Massentaufen per Video-Stream im Internet. Halleyahoola.

Auch der Kirchenhistoriker Bill Leonard, Universitätsprofessor und Dekan der Wake Forest University Divinity School, findet den seltsamen Verkündigungsstil durchaus logisch: "Zum einen: Es war klar, dass dies irgendwann geschehen musste. Zum anderen: Es war klar, dass es in Dallas geschehen würde." Leonard, selbst Texaner, fügt hinzu: "Darauf hätte ich meine halbe Ranch verwettet." Na dann.

Frank Patalong