Hannover Neues aus dem Wintersportparadies
"Nein", sagt die freundliche, schüchterne Dame am "Milch Snack"-Stand, "meinen Namen dürfen Sie nicht wissen". Zumindest zu einem Foto erklärt sie sich schließlich bereit, nachdem wir versicherten, dass man sie bei 180 Pixeln Bildgröße sowieso nicht mehr erkennen könne. Zu gewagt müssen ihr die Statements erschienen sein, die wir ihr mühsam entlockten.
Gestern, am Samstag, da sei das geflügelte Wort "Sch'lange hier?" in jeder Hinsicht berechtigt gewesen: So groß waren die Massen, dass man ihren Hunger kaum stillen konnte - obwohl das an den Essensständen schon "ruck zuck" ging. Am heutigen Sonntag hingegen herrsche allgemein "tote Hose". Morgen, hat sie gehört, soll es wieder freundlicher werden. Dann steige bestimmt auch wieder die Nachfrage nach schönem, heißen Kaffe. Aber heute? Kein Geschäft zu machen.
Das ist mehr oder weniger wahr. Nur in manchen Hallen ist man, so lange man sich in der Gangmitte bewegt, vor Stürzen geschützt: Man könnte die Beine anheben und sich tragen lassen. Das sind die "Gadget"-Hallen, die, wo es neue Technik für Verbraucher zu bestaunen gibt.
So richtig geil ist nicht
Oder auch nicht, denn so richtig hauen die Novitäten der diesjährigen Cebit anscheinend niemanden vom Hocker. Hali, Dennis, Matze und Julian aus Hamburg sind zwar Cebit-Novizen und erstmals beim Mega-Event der Technophilen dabei, was jedoch die Technik angeht, beweisen sie Durchblick - und auch in der New Economy könnten sie es durchaus zu etwas bringen. "Was kriege ich denn dafür, wenn ich Fragen beantworte?" fragt Dennis instinktsicher - und lässt sich dann doch noch zu ein paar kostenlosen Antworten bewegen.
"So richtig geile Sachen" haben die Jungs noch nicht entdecken können, vielleicht einmal abgesehen vom "neuen Nokia-Handy". Das sei schon was. Aber sonst? Gerade einmal ein Stand fällt den Nachwuchs-Technikfreaks ein, wo sich der Besuch lohne: "Da gibt es so Billigkameras zu gewinnen". Total einfach, übrigens.
Draußen im Schneesturm hastet Claudia aus Fulda im Pelzkragenbewehrten Mantel mit ihren vier Jungs Richtung Ausgang. "Es reicht", sagt sie und scheint für einen Augenblick zu lächeln, als sie, durchgeschüttelt von einer plötzlichen Blizzard-Boe, die Zähne zusammenbeisst. Aus Hessen sind die fünf angereist, schon früh am Morgen. Dreieinhalb Stunden hat das gedauert. "Und jetzt ist es genug!"
"Wir sind zum gucken gekommen, um einmal all diese neue Technik zu sehen." Das haben sie bis 15 Uhr zur genüge hinter sich gebracht, durchgefroren und - ein wenig frustriert. "Nein", sagt Claudia, "ich habe kein Produkt gesehen, das mich wirklich begeistert hätte." Einzig Antonius fällt da was ein: "Doch, die X-Box von Microsoft!" wirft er ein. Nur, um gleich darauf einzuschränken: "Aber die führen sie ja auch nicht vor. Die reden nur drüber".
Für Claudia war der Ausflug zum wichtigsten Event des digitalen Jahres trotzdem mehr als ein Schnellkurs "Survival im Schneesturm". Denn völlig unbeeindruckt geht sie durchaus nicht nach Haus: "Die Stände von der Telekom und von Siemens, die sind schon toll!"
Dann nimmt sie ihre verfrorenen Jungs ins Schlepptau und verschwindet im Schneegestöber. Jetzt durchhalten, heißt die Devise: In knapp vier Stunden sind die fünf zurück im heute erheblich wärmeren Hessen. Und können erschöpft, ohne Euphorie aber immerhin auch nicht unzufrieden von der Cebit berichten: Der größten jährlichen Novitätenschau in Sachen Messebau.