Herrlich dämlich: Gerhard, Gaddafi und ihre Wieselfreunde - DER SPIEGEL
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Herrlich dämlich Gerhard, Gaddafi und ihre Wieselfreunde

Freunde, Landsleute, Patrioten: Lang habt ihr warten müssen, bis sich zur einmaligen Kartensammlung "Die meistgesuchten Iraker" nun auch "Das Spiel der Wiesel" gesellte. Auf 54 Karten äußern Amerikas Erzfeinde Intelligentes - und das ist bekanntlich unverzeihlich.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was man mit 54 Spielkarten in vier Farben, im Set von Ass bis zwei nicht alles anfangen kann: Rommee spielen, Iraker jagen und neuerdings sogar die Visagen von Amerikas Erzfeinden studieren. Im "Blatt der Wiesel" finden sich die "54 miesesten Führer und Prominente" abgebildet, die "Opposition gegen Amerika" wagten und die "Schlüsselfiguren in den 'Vereinigten Nationen der Wiesel'" bildeten.

Designerisch mit viel Liebe, inhaltlich eher mit dem Gegenteil gestaltet, hat diesen neuesten Auswurf der Hardcore-patriotischen US-Seele der NewsMaxStore, Vermarktungsende eines Web-basierten aktuellen Newsdienstes, der ehrlicherweise so etwas wie Objektivität gar nicht erst vortäuscht. Im Shop verhökern die Vollblut-Patrioten neben den aktuellen Fahndungs- und Hass-Kartenspielen George-W.-Bush-Mützen und CDs mit patriotischen Bekenntnissen aus dem Mund von John Wayne.

Doch das absolute Top-Angebot sind derzeit die Wiesel-Karten, auf denen Verbrechern wie Kofi Anan, Hans Blix oder Barbra Streisand per Zitat tief in ihre feigen, intellektuellen, pazifistischen, anti-amerikanischen Seelen geblickt wird.

Gerhard Schröder: Als knapp wiedergewählter Sozialist nur eine Pik 9

Gerhard Schröder: Als knapp wiedergewählter Sozialist nur eine Pik 9

Foto: NewsMaxStore.com
Französisches Oberwiesel Jaques Chirac: Nein aus Prinzip

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Foto: NewsMaxStore.com
George Clooney: Typischer Angsthase

George Clooney: Typischer Angsthase

Foto: NewsMaxStore.com


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"Saddam Hussein", wagt da etwa Barbra Streisand zu sagen, "hat das WTC nicht bombardiert." Verdammte Besserwisserin! Und dann verweist die noch auf irgendwelche finanziellen Interessen, die irgendwelche Leute in der Bush-Regierung dort unten haben sollen. Dabei - das hat man in den Nachrichten ja gesehen - leben da nur arme Schweine.

Überhaupt ist es schon fast unheimlich, wie viele durchdachte, intelligente Statements in dem Kartenspiel zitiert werden, ohne dass dies den Machern aufging. Dass Gore Vidal sagt, er könne keinen Sieg Amerikas sehen, weil man sich "eine Milliarde Muslims zum Feind" gemacht habe, wird ihm anscheinend als an Blindheit grenzende Naivität gewertet: Der Irak ist doch platt, also hat es ja geklappt.

Klar sind auch echte Aussetzer zitiert. Wer wollte etwa über Peter Arnetts liebedienerische Verbal-Schützenhilfe im Interview für die irakische Propaganda streiten? Das meiste jedoch ist bedenkenswert - oder aus dem Zusammenhang gerissen und völlig idiotisch.

Jane Fonda: Notorische Nestbeschmutzerin

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Foto: NewsMaxStore.com
Moammar Gadafi: Lybischer Imperialist

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Foto: NewsMaxStore.com
Barbra Streisand: Denkt zuviel, und dann noch laut

Barbra Streisand: Denkt zuviel, und dann noch laut

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Bedenkenswert ist allerdings, wie schön das dümmliche Kartenspiel die Bewertung der deutschen Position in die richtige Perspektive setzt: Für Amerikas Betonköpfe ist Jacques Chirac ein Pik Ass, Gerhard Schröder aber nur eine Pik 9. Noch nicht einmal ein passendes Zitat fanden sie für den deutschen Bundeskanzler. Unter seinem Konterfei findet sich nur ein kurzer Kommentar: "Sozialist, knapp wiedergewählt auf einer gegen Bush gerichteten beschwichtigungspolitischen Wahlplattform."

So kann man das alles sehen, wenn die Scheuklappen groß genug sind.

Frank Patalong