Highnoon in Cyberia Microsoft jagt Spammer
Wohl jedem Werbemüllversender, der wirklich in Kasachstan lebt und dort nicht nur seine Server geparkt hat. Bill Gates hat seine Anwälte von der Leine gelassen - und die gelten Spöttern als wohl wirksamste Waffe Microsofts im Kampf gegen die Werbeflut. Da schwingt Respekt mit, denn von Microsoft verklagt zu werden ist sicherlich kein Witz.
Das werden in Kürze 15 notorische Werbemüller erfahren, die Nutzer von Hotmail und MSN mit rund zwei Milliarden unerwünschter Schrott-Mails versorgt haben sollen. Microsoft erhält Rückendeckung durch US- und durch britische Justizbehörden, die die Klagen unterstützen. In immer mehr Staaten werden Gesetze gegen den Spam verabschiedet, in den USA strickt man an einem Bundesgesetz: Spätestens dann wäre Spamming ein "Federal Crime", und die Müllversender hätten das FBI im Nacken.
Die User würde das freuen. Selbst im privaten Bereich soll Spam inzwischen gut 30 Prozent des Gesamt-Mailaufkommens ausmachen; im geschäftlichen Bereich können 90 Prozent überschritten werden. Ein Ärgernis, das durchaus Kosten verursacht - und mit seiner monotonen Dämlichkeit die Intelligenz des Users beleidigt.
Kommerzielle Erfolge feiern darum Mail-Service-Anbieter, die ihren Kunden ein weitestgehend Spam-freies Arbeitsumfeld bieten können. Seit Monaten forcieren darum IT-Großunternehmen wie Microsoft, AOL oder Yahoo! ihre Bemühungen gegen Werbemüll, die drei genannten sogar im Rahmen einer technischen Kooperation. In Deutschland entdeckten Freemailer wirksame Spam-Filter als Verkaufsargument für ihre Dienstleistungen.
Microsoft sieht die 15 Klagen erst als Beginn einer juristischen Initiative. Das ist ein bisschen Western: Wer auf meine Kunden spamt, soll das heißen, wird von Justizia erschossen.
Damit deren Strafen nicht zu leicht ausfallen, hat sich Microsoft als Klageort gezielt den Bundesstaat Washington ausgesucht: Der verfügt über ein besonders strenges Anti-Spam-Gesetz. Zwei der Klagen sind in London anhängig.
"Gemeinsam können Behörden und Industrie das Problem Spam lösen", erklärte Microsoft-Anwalt Brad Smith im Rahmen einer Pressekonferenz des Softwareunternehmens. "Spam kennt keine Grenzen und erfordert eine globale Koordination, um die Kunden bestmöglich zu schützen."