Hintergrund Software-Piraterie
Allein die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) hat im vergangenen Jahr 782 Strafverfahren gegen Software-Piraten eingeleitet. Vor drei Jahren waren es noch 146 Verfahren. Für GVU-Geschäftsführer Joachim Tielke steht daher fest: "Wir erleben eine immense Zunahme der Piraterie."
Doch nicht nur die Zahl der Strafverfahren steigt, auch Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen sind immer öfter an der Tagesordnung. So wurden im vergangenen Jahr auf Initiative der GVU die Wohnungen von 778 mutmaßlichen Piraten durchsucht. 585 Hardware-Anlagen und rund 300.000 Film- oder Software-Titel konnten sichergestellt werden. Verglichen mit dem Jahr 1996 haben sich die Zahlen mehr als verdreifacht.
Auch die durch Piraterie hervorgerufenen Schäden haben einen neuen Höchststand erreicht. Laut Tielke rechne die Filmindustrie mit einem Umsatzverlust von 250 Millionen Mark im Jahr, die Unterhaltungsindustrie kalkuliere sogar mit Umsatzeinbußen von 500 Millionen Mark.
Besonders schlimm betroffen ist aber der Bereich der Business-Software. Im Jahre 1998 sind deutschen Firmen, so Microsoft -Sprecherin Martina Wimmer, 840 Millionen Mark durch Piraterie entgangen. Weltweit werden die Schäden im Business-Bereich auf 19 Milliarden Mark geschätzt.
Die Piraterie-Quote im Bereich der Business-Software liege mittlerweile, so Wimmer, bei 28 Prozent. Fast jedes dritte Programme würde somit ohne entsprechende Lizenz benutzt - entweder als Raubkopie oder als Mehrfach-Installation.
Software-Piraten müssen, wenn sie erwischt werden, mit einer Strafe von bis zu fünf Jahren rechnen. Bislang liege, so Tielke, das höchste jemals in Deutschland verhängte Strafmaß allerdings bei einer zweijährigen Bewährungsstrafe. "Ich habe bei den Gerichten oft den Eindruck", sagt der GVU-Geschäftsführer, "dass sie Software-Piraterie immer noch als Kavaliersdelikt ansehen."