HorseCams: Skurriles live aus dem Pferdestall - DER SPIEGEL
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HorseCams Skurriles live aus dem Pferdestall

Es lebe die HorseCam: Im Netz etabliert sich die schräge Subkultur, Fohlen-Geburten live zu verfolgen +++ Hollywood pusht Betriebssystem-Underdogs: Spielberg setzt auf Linux +++ Suchmaschinen: Gekauften Anfragen droht juristischer Trouble
Von Jochen A. Siegle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Überwachungsshows wie "Big Brother", Web-Sexkameras à la Voyeurdorm oder private "JenniCams" sind out. Der neueste Schrei sind, zumindest online, BarnCams - was etwa so viel bedeutet wie "Scheunen-Kameras".

Mehr als 20 amerikanische Farmen übertragen mittlerweile rund um die Uhr Livebilder aus ihren Pferde-, Ziegen- und Kuhställen. Der absolute Renner dabei: die Geburten von Fohlen. Schon Wochen vor einer Niederkunft loggen sich Tausende webaffine Pferdefans aus aller Welt auf einschlägigen Webseiten ein. Hardcore-HorseCam-Fans, die sich selbst längst "BarnCamaholics" nennen, beobachten mit Hilfe spezieller Software Dutzende Höfe simultan.

Die wohl bekannteste Scheunen-Kamera betreibt die Saddlebrook Appaloosa Farm  in Oconomowoc im US-Bundesstaat Wisconsin. Im Januar zählte deren Site Eigenangaben zufolge 220.000 virtuelle Besucher, die die bereits vierte Online-Schwangerschaft der weißgrauen Stute "Frosty" verfolgen konnten - samt Entbindung. Insgesamt hat das Gestüt bereits 20 Geburten im Netz übertragen.

Mittlerweile betätigen sich die Betreiber auch als WebCam-Dienstleister für andere Farmen und statten diese mit dem nötigen Equipment aus. Vor kurzem startete die Saddelbrook Farm auch eine gebührenpflichtige Premium-Kamera für die ganz hart gesottenen "BarnCam Buddys": Für sieben US-Dollar im Monat stehen Abonnenten etwa Webcasts von Tierarztbesuchen, "BarnCamversations" mit den Eignern Bill und Susan oder selbst Großaufnahmen von Eutern zur Verfügung.

Über Hobbys lässt sich nun mal ebenso streiten wie über Geschmäcker. Und der BarnCam-Spaß ist so oder so nur von limitierter Dauer: In den USA endet die rund vier Monate dauernde Fohlensaison im April.+++

Hollywood setzt auf Linux

Steven Spielbergs Filmstudio DreamWorks SKG setzt künftig auf Linux. Wie vergangene Woche bekannt wurde, vereinbarte der Starregisseur hierfür eine dreijährige Partnerschaft mit dem PC-Hersteller Hewlett-Packard.

Insbesondere Spielbergs Animationsabteilung soll künftig mit leistungsstarken HP-Linux-Servern und -Workstations auf Basis des Open-Source-Betriebssystems GNU Linux arbeiten. DreamWorks setzte bereits bei der Produktion des Trickfilm-Kinohits "Shrek" auf Hochleistungs-Linux-Rechner.

Details zum Spielberg-HP-Deal wurden nicht bekannt, die Partner sprachen jedoch von einem "Multimillionen-Dollar-Geschäft". Und die Linux-Bewegung selbst hätte kaum eine prestigeträchtigere Partnerschaft vereinbaren können, beschert der Deal mit der Traumfabrik dem Betriebssystem-Underdog doch den Nebeneffekt einer mächtigen Gratis-PR.

Linux erfreut sich mittlerweile im Bereich der Computeranimationen und Trickfilmproduktionen immer größerer Beliebtheit. Auch der DreamWorks-Konkurrent Pixar Animation, der unter anderem für die Blockbuster "Monsters Inc.", "Toy Story" oder "A Bug's Life" verantwortlich zeichnet, steigt für aufwendige Animationssequenzen und Renderings auf Linux-Workstations um.

Das Pixar Studio mit Sitz im Silicon Valley gehört bekanntermaßen dem zweiten Operating-System-"Underdog": Apple-CEO und -Gründer Steve Jobs.+++

" Kontraplatzierungen" bei Suchmaschinen droht juristisches Ungemach

Eine texanische Firma für Diätpillen, Body Solutions, klagt derzeit gegen verschiedene amerikanische Suchmaschinenbetreiber. Hintergrund der Klage: Die Praxis der Search-Engines, Suchanfragen nach Firmen- und Produktnamen an die Konkurrenten dieser Firmen zu verkaufen. Dieses Prozedere verstoße nicht nur gegen Wettbewerbs-, sondern auch Urheberrechte, so die Anwälte der Firma aus San Antonio.

Bei den betroffenen Webunternehmen handelt es sich um AltaVista, Overture, FindWhat und Kanoodle. Body Solutions verlangt von den Suchportalen Schadenersatz in Höhe von 440 Millionen US-Dollar. Sprecher aller vier Unternehmen verweigerten bislang eine Stellungnahme zur Klage.

Body Solutions Unmut richtet sich in erster Linie gegen Overture: Die Firma PerfectHealth4Life.com bezahlt dem Online-Katalog 72 Cent pro Klick für Suchanfragen nach Produkten des Rivalen Body Solutions. Overture vermarktet schon seit längerem auch die Ränge auf seiner Suchseite recht erfolgreich.

Die nun eingereichte Klage ist die erste dieser Art - und wird von der Internet-Community entsprechend aufmerksam verfolgt: Erstmals stehen Search-Engine-Betreiber juristisch dafür am Pranger, Suchergebnisse nicht nach Relevanz, sondern Bezahlung auszuspucken.

Sollte Body Solutions den Rechtsstreit für sich entscheiden, könnte das die Suchmaschinen-Industrie deutlich verändern. Zudem könnten Tausende andere durch eine "Kontraplatzierung" geschädigte Unternehmen mit Prozessen nachziehen.

Juristisches Ungemach dürfte dann auch den großen - finanziell ebenfalls notleidenden - Suchmaschinen drohen. In den vergangenen Wochen haben Yahoo!, AOL oder MSN ebenfalls "Pay-for-Placement"-Modelle eingeführt. Alle drei Webkataloge sind Kooperationspartner von Overture.

Die amerikanische Handelsbehörde FTC untersucht unabhängig von der Body-Solutions-Klage diverse Fälle, in denen Suchmaschinen nach dieser umstrittenen Praxis Treffer listen, die Nutzer aber nicht von den gesponserten Platzierungen unterrichten.