#HowHot: Algorithmus macht den Schönheits-Check - DER SPIEGEL
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Netztrend Diese Software sagt Ihnen, ob Sie schön sind

"Gottgleich" oder eher "Hmm"? Auf einer Webseite urteilt ein Algorithmus über die Schönheit seiner Nutzer. Innerhalb eines Tages strömten über zwei Million Menschen auf die Seite, um sich bewerten zu lassen.
Screenshot des Tools mit Beyonce-Foto: Die Sängerin kommt gut weg in der Bewertung - und wird 10 Jahre jünger geschätzt
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Es sind ein paar nervenaufreibende Sekunden des Wartens, dann hat der Computer sein Urteil gefällt hat. Nutzer des Schönheitsratings auf faces.ethz.ch  wissen dann, für wie hübsch oder hässlich der von Schweizer Wissenschaftlern  entwickelte Algorithmus ihr hochgeladenes Foto befunden hat. Schönheit klassifiziert die Seite in sechs Kategorien: Von "gottgleich" geht es abwärts, "heiß" ist auch noch ganz gut. Fotos am Ende der Skala bekommen nur noch ein "Hmm".

In der kurzen Wartezeit geht einem kurz der Gedanke durch den Kopf: Warum tue ich mir das eigentlich an? Aber dann, zack, ist ja schon das Ergebnis da und die Neugier befriedigt.

So viele Nutzer wollten sich schon durch das Tool aus der Schweiz bewerten lassen, dass die Seite zeitweise nicht zu erreichen war. Am Dienstagnachmittag online gestellt, hatte sie bis zum Mittwochabend über zwei Millionen Besucher, sagt Rasmus Rothe. Der 26-Jährige macht an der renommierten ETH Zürich seinen PH.D. im Fach "Computer Vision" und verantwortet mit zwei anderen Wissenschaftlern das Rating-Tool. Es ist in Kooperation mit der Schweizer Dating-App Blinq  entstanden. Blinq lieferte mit 20 Millionen Ratings aus der App die Datenbasis, mit deren Hilfe die Forscher ihrem Algorithmus beibrachten, welches Gesicht schön und welches unattraktiv ist.

Facebook Gründer Mark Zuckerberg bekommt nur ein "OK"

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Schönheitsvergleiche sind im Netz der Renner

Mit der Anwendung setzt sich eine Reihe höchst erfolgreicher Bewertungstools fort. Herauszufinden, wie heiß man ist, ist quasi einer der frühesten Anwendungsfälle des Internets. Die Mutter aller Online-Schönheits-Vergleiche: Die Webseite "Hot or Not ". Sie ließ jeweils zwei Kandidaten gegeneinander antreten. Dieses Duell der Oberflächlichkeiten wiederum nahm Mark Zuckerberg zur Vorlage für Facemash, das irgendwann später zu Facebook werden sollte. Der Sexy-Check blickt also auf eine lange Tradition zurück. Zuletzt ergänzte Microsofts Altersschätzung "How old do I look" die Reihe.

Das Internet ist offenbar der ideale Raum, um dem menschlichen Drang nach Selbstbeobachtung und sozialem Vergleich ungestört und vor allem unbeobachtet nachgehen zu können. Wo immer eine Anwendung damit lockt, Menschen in Kategorien einzuordnen wie Artikel in das Fünf-Sterne-Amazon-System, kramt das halbe Netz schon nach einem passenden Foto.

Auf Reddit machen sich User lustig

Immerhin: Die wenigsten Nutzer dürften die Ergebnisse solcher Ratings ernst nehmen und ihr Selbstbild danach ausrichten. So hat sich um den neuen Schönheitscheck auf Reddit ein Thread  mit mehreren Tausend Kommentaren entwickelt. "Ich habe ein Foto meines Hundes  hochgeladen, und die Seite sagt, er sei ein heißer 40-jähriger Mann", schreibt ein Nutzer, ein weiterer: "Super, jetzt sagt mir auch noch mein Computer, dass ich hässlich bin." Auch auf Twitter haben Nutzer ihren Spaß mit dem Tool und diskutieren die Ergebnisse unter dem Hashtag #HowHot.

Im aktuellen Fall hat die spielerische Anwendung auch einen seriösen Hintergrund. Die Wissenschaftler aus Zürich haben den Schönheitscheck auf Basis von zwei Studien über Gesichtserkennungssoftware (pdf , pdf ) entwickelt, sagt Rothe. Der Algorithmus bewertet nicht nur das Aussehen, sondern schätzt auch das Alter und Geschlecht der abgebildeten Person. Die Forscher wollen mehr darüber herausfinden, wie künstliche Intelligenz funktioniert und wie tiefe neuronale Netzwerke (Deep Neural Networks) lernen. Mehr über die Entwicklung solcher Netzwerke lesen Sie im Kasten unten. Mit solchen lernenden Netzen machen Forscher derzeit große Fortschritte, gerade was Bilderkennung angeht. Neuronale Netze können mittlerweile sogar halluzinieren.

"Die Beurteilung der Schönheit ist eher ungenau, da will ich gar keinen Hehl daraus machen. Aber das Alter können wir schon sehr genau schätzen, besser als ein Mensch das mit denselben Informationen tun könnte", sagt Rothe.

Im Test erkennt das Tool Fotos am besten, auf denen das Gesicht möglichst bildfüllend und frontal zu sehen ist. Fotos von sehr jungen Nutzern verweigert das Tool eine Bewertung, um sie zu schützen. Ohnehin sei Schönheit etwas Subjektives, schreiben die Entwickler.


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