Huawei will sich US-Überprüfung stellen - DER SPIEGEL
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Nach Spionagevorwürfen Huawei will sich US-Überprüfung stellen

Huawei geht in die Offensive: Um sich von westlichen Spionageverdächtigungen freizumachen, bietet das chinesische Unternehmen umfangreiche Kooperation mit Behörden an - und will sogar Firmengeheimnisse preisgeben.
Huawei-Logo: "Wir sind offen"
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Foto: Robert Schlesinger/ dpa
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Shenzhen - Der chinesische Telekommunikationskonzern Huawei geht in die Offensive: Nach amerikanischen Warnungen vor Spionage oder Hacking forderte das Unternehmen die USA jetzt auf, ihre Forderungen auf den Tisch zu legen, um die Sicherheitsbedenken zerstreuen zu können. Der zweitgrößte Netzwerkausrüster der Welt erklärt sich zu allen Testverfahren bereit. "Wir sind offen", sagte Konzernsprecher Scott Sykes am Montag vor Journalisten im südchinesischen Shenzhen. "Sagt uns, was nötig ist, damit ihr euch mit unserer Ausrüstung und den Testverfahren sicher fühlt."

Kategorisch bestritt das Unternehmen die Verdächtigungen in einem Bericht des US-Kongresses, dass Huawei wie auch das chinesische Telekomunternehmen ZTE eine potentielle Gefahr für die Sicherheit der USA darstellten. "Wir haben niemals Cyber-Hacking für die Regierung unternommen und werden es auch niemals tun", sagte Sykes. Wenn es so wäre, könnte Huawei sein globales Geschäft abschreiben, das 70 Prozent vom Umsatz ausmache. "Das wäre unternehmerischer Selbstmord." Er vermutete politische Probleme zwischen Washington und Peking oder Handelsprotektionismus hinter den Warnungen.

Das größte chinesische Privatunternehmen wies auch europäische Vorwürfe über unlauteren Wettbewerb und Subventionen als "Gerüchte" zurück. "Huawei erhält keine Unterstützung von der Regierung oder Kredite von Banken, die niedrig verzinst sind oder nicht zurückgezahlt werden müssen", sagte Vorstandsmitglied Chen Lifang in einem Interview. Sie vermutet Wettbewerber hinter den Vorwürfen. Die EU-Kommission ermittelt, obwohl keine offizielle Klage vorliegt.

"Ein Börsengang könnte das Misstrauen nicht zerstreuen"

Trotz der weltweiten Wirtschaftsprobleme will das Unternehmen in diesem Jahr um 15 bis 20 Prozent wachsen. Zwar legte der Umsatz im ersten Halbjahr nur um 5,1 Prozent zu, doch zeigte sich Sprecher Sykes zuversichtlich, das Jahresziel zu erreichen. 2011 war ein Zuwachs um 11,7 Prozent auf rund 204 Milliarden Yuan, heute umgerechnet 25 Milliarden Euro, erreicht worden.

Ein Börsengang sei aber nicht vorgesehen. "Wir haben gegenwärtig keine Pläne dafür", dementierte Spitzenmanagerin Chen Lifang Medienberichte. Es sei nicht einmal richtig diskutiert worden. Huawei verspreche sich nicht viel davon. Frisches Kapital sei nicht nötig. Auch bezweifelte Chen Lifang, ob mit einem Börsengang das Misstrauen in den USA zerstreut werden könnte.

Firmengeheimnisse offenlegen

Die Sicherheit weltweiter Netzwerke sei Aufgabe der Regierungen. "Es muss klar sein, was genau die USA besorgt und wie sie es lösen möchten", sagte Chen Lifang. "Dann können wir darauf reagieren." So wäre das Unternehmen bereit, wie in Großbritannien ein Prüfzentrum mit amtlich beglaubigten, unabhängigen Experten aufzubauen, und sogar die geheimen Quellcodes seiner Software offenzulegen.

Ein Ausschuss des Repräsentantenhauses hatte am 8. Oktober einen Bericht vorgelegt, dass Huawei und dem anderen chinesischen Telekomunternehmen ZTE "nicht vertraut werden kann, frei von staatlichem Einfluss zu sein". Beide Unternehmen stellten somit "eine Bedrohung für die Sicherheit der USA und unsere Systeme dar". Von einer Nutzung ihrer Netzwerke sollte abgesehen werden. Eine Übernahme von US-Unternehmen müsse verhindert werden.

Huawei bestreitet die Verdächtigungen. Das Unternehmen sei heute in 140 Ländern aktiv und arbeite mit 45 der 50 größten Netzwerkbetreiber zusammen - darunter Vodafone und O2 in Deutschland. Rund drei Milliarden Menschen weltweit benutzten verschiedenste Produkte von Huawei. "Es gab bis jetzt nicht ein einziges größeres Sicherheitsproblem", sagte Vorstandsmitglied Chen Lifang.

Ähnliches hatte sich vor einigen Wochen ein Sprecher des vom Kongressausschuss ebenfalls kritisierten chinesischen Unternehmens ZTE, Zhu Jinyun, gegenüber SPIEGEL ONLINE geäußert. Man habe weder zum chinesischen Militär, noch zum Geheimdienst noch zur Regierung Chinas besondere Beziehungen. Bei den vom Kongressausschuss aufgeworfenen Fragen handele sich hier um "Themen, die die gesamte Branche betreffen", so Zhu Jinyun. Man sei bereit, sich an einem "internationalen Modell für Standards" zu beteiligen, von dem "die ganze Welt profitieren kann". Sicherheitsfragen im Zusammenhang mit Netzwerktechnik könnten dann "von vertrauenswürdigen dritten Parteien" geprüft werden.

mak/cis/dpa