Icann gegen Sitefinder: Das Ende der Umleitung - DER SPIEGEL
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Icann gegen Sitefinder Das Ende der Umleitung

Was der amerikanische Internet-Registrar VeriSign als Dienst am Kunden sah, nahmen Kritiker als Kunden-Kapern wahr: "Sitefinder" entführte Menschen, die sich bei der Adresseingabe vertippten, zu einer VeriSign-Seite. Vorbei, ein Ultimatum der Icann machte dem Spuk ein Ende.
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Das US-Unternehmen VeriSign gilt seinen Gegnern als weitgehend Kritikresistent. Als ob der amerikanische Internet-Riese dies noch einmal eindrucksvoll unter Beweis stellen wollte, ignorierte VeriSign über Wochen jede Kritik an seinem SiteFinder-Service. Egal, ob Medien, Verbraucherschützer, Politiker, die Internet-Verwaltungsorganisation Icann oder einflussreiche Internet-Verbände wie die ISOC Zeter und Mordio schrien: VeriSign wollte weitermachen.

Denn SiteFinder, der erst am 15. September gestartete VersiSign-Dienst am verirrten Kunden, versprach, sich zur Goldgrube zu entwickeln: Als Registrar und Web-Weiche für com- und net-Adressen leitete VeriSign Surfer, die sich bei der Eingabe einer Adresse vertippten, zu einer eigenen Seite um. Auf der wartete auf den Kunden eine rudimentäre Suchmaschine und - möglicherweise wichtiger - Werbung.

Und die, hieß es, war gut gebucht. Kein Wunder, verirren sich doch täglich Abermillionen von Surfern im Web - wenn auch oft nur für Sekunden.

Denen, argumentierte VeriSign, helfe Sitefinder wieder auf den Weg. Blödsinn, antworteten da teils hitzig die Kritiker: Was man brauche, um trotz der Eingabe "www.Ammazon.com" ans gewünschte Ziel zu kommen, sei keine SiteFinder-Suchhilfe, sondern eine Tippfehler-Korrektur. An SiteFinder erhitzten sich die Gemüter, gleich vier Konkurrenten von VeriSign zerren das Unternehmen in Kürze wegen unlauterer Geschäftsmethoden vor Gericht. Angeblich ging es bei SiteFinder um potenziell dreistellige Werbemillionen-Einnahmen.

Für Kritiker wie die Internet Society ISOC ging es dagegen um mit niemandem abgesprochene Eingriffe in das Adresssystem. Auf die SiteFinder-Umleitung könnte bald die Umleitung der Umleitung folgen, wenn sich andere wehrten - ein Web-Kuddelmuddel, das sogar die Stabilität des gesamten Netzwerkes bedrohen könnte.

Das sah die Internet-Verwaltungsbehörde Icann, die über die Zulassung eines Unternehmens als Adress-Registrar entscheidet, ganz genau so und daraufhin noch einmal gründlich in die Verträge mit VeriSign. Nachdem Icann die kecke US-Firma Ende September noch so freundlich wie erfolglos um die "freiwillige Einstellung" des SiteFinder-Dienstes gebeten hatte, packte die angeblich zahnlose Organisation nun die Pistole aus: Entweder abschalten, oder wir kündigen Euch die Verträge - so lässt sich der Inhalt eines offenen Briefes der Icann an VeriSign vom Freitag letzter übersetzen.

Und VeriSign gehorchte, wenn auch grummelnd: Noch nicht einmal eine Anhörung habe es gegeben, meckerte VeriSgin-Chef Russell Lewis. Die Icann habe allein auf Basis "annekdotischer Argumente" entschieden. "In den mehr als zwei Wochen, in denen SiteFinder lief", sagt Lewis, "gab es keinerlei Daten, die belegen, dass SiteFinder das DNS-System oder die Stabilität des Internet negativ beeinflusste". Deshalb stelle VeriSign den SiteFinder-Service zunächst auch nur vorläufig ein.