Icann: Letzte Chance für Dot-Phantasien - DER SPIEGEL
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Icann Letzte Chance für Dot-Phantasien

Wer die zukünftige Internetordnung beeinflussen will, muss sich beeilen: Noch bis Montag können Surfer auf der Website der "Netzregierung" Icann über neue Top-Level-Domains wie .shop oder .sex diskutieren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Washington/Hamburg - Unter den mehr als 200 Vorschlägen für neue Adress-Endungen finden sich unter anderem Kürzel wie .xxx oder .sex für Sites mit sexuellem Inhalt, .kid für Angebote für Kinder und .shop für Online-Geschäfte. Derzeit gibt es neben den Länderkennungen wie .de für Deutschland noch sieben weitere Top-Level-Domains (TLDs).

Dazu gehören .org für Organisationen, .edu für Universitäten und .com für kommerzielle Angebote. Doch gerade in dieser .com-Domain wird es mit Millionen Websites vor allem aus den USA langsam eng. Deshalb besteht in der Wirtschaft besonderes Interesse an neuen TLDs, die wie .biz (für "business") oder .shop Alternativen zu .com bieten könnten. Es wird damit gerechnet, dass die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers  (Icann) bis zu zehn neue Adress-Endungen vergeben könnte.

Icann zufolge haben insgesamt 47 Bewerber Vorschläge eingereicht. Drei von ihnen sind jedoch nicht mehr im Rennen: Zwei Bewerber seien abgelehnt worden, da sie ihren Vorschlägen nicht die Bewerbungsgebühr von 50.000 US-Dollar beigelegt hätten. Ein weiterer Bewerber habe seinen Vorschlag zurückgezogen, weil er sich mit Icann nicht über die Bewerbungsmodalitäten habe einigen können.

Bewerber sind vor allem Firmen, die sich ein Geschäft bei der Vergabe und der Verwaltung von Adressen innerhalb einer neuen Domain versprechen. So hat das New Yorker Unternehmen Name.Space Inc. mehr als 120 Endungen vorgeschlagen, von .art (Kunst) über .music bis hin zu .weather. Aber auch internationale Organisationen wollen sich eine Domain sichern, so die Weltgesundheitsbehörde WHO die Endung .health (Gesundheit) oder die internationale Gewerkschafts-Vereinigung ICFTU die Endung .union (Gewerkschaft). Die Europäische Kommission will zudem ein Gremium beauftragen, mit Icann eine Endung .eu auszuhandeln.

Die Bewältigung des Vergabeverfahrens gilt zudem als Bewährungstest für das Gremium, das die vielfältigen Interessen von Millionen Internetnutzern vertreten soll. Die in Kalifornien ansässige Icann wurde 1998 von der US-Regierung gegründet. In dem 19-köpfigen Icann-Vorstand sitzen inzwischen aber auch fünf von der weltweiten Internetgemeinschaft gewählte Vertreter - darunter der Deutsche Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club.

Seit dem 13. Oktober ist auf der Icann-Site ein Forum  freigeschaltet, auf dem nach Angaben der Organisation bisher etwa 3000 Kommentare und Meinungen abgegeben wurden. Dabei werden vor allem einzelne TLDs oder Bewerber mit mehreren Vorschlägen unterstützt. Es geht aber auch um die Frage, wer im Internet Adress-Endungen vergeben darf und ob sie überhaupt beschränkt werden sollen. Die erste öffentliche Beratungsrunde endet am Sonntag um 16.00 Uhr kalifornischer Zeit, in Deutschland also in der Nacht zum Montag.

Wenige Tage später, voraussichtlich am 8. November, will Icann einen ersten Zwischenbericht vorlegen. Darüber sollen anschließend noch einmal Kommentare im Internet abgegeben werden können. Vom 13. bis 16. November tagt dann der Icann-Vorstand am Sitz des Gremiums in Marina Del Rey. Eine Entscheidung über die neuen Internet-Adress-Endungen wird bis zum 20. November erwartet.