Ideenklau China beschwert sich über Hacker
Der Vizeminister für Informationstechnologie, Lou Qinjian, wurde vorgeschickt, um das Leiden seines Landes an den Gefahren aus dem Netz zu beklagen. China habe "massive" Verluste von Staatsgeheimnissen durch das Internet verzeichnen müssen, schreibt er in einem Beitrag für das Magazin "Chinese Cadres Tribune", wie Reuters berichtet. Das Magazin wird von einer Elite-Kaderschmiede namens "Zentrale Parteischule" herausgegeben. "Das Internet ist der technologische Hauptkanal für auswärtige Spionage gegen unsere lebenswichtigen Kernbereiche geworden", schreibt der Vizeminister in dem Artikel.
Bislang ist China eher als Ausgangspunkt denn als Opfer von Angriffen und Spionagetätigkeit übers Netz aufgefallen - in den vergangenen Wochen kamen nacheinander Hacker-Angriffe auf Regierungsrechner in Berlin, Washington und London zutage. Westliche Unternehmen beschweren sich schon länger über ungenierten Daten- und Ideenklau aus dem Reich der Mitte.
China setzen die Computer-Jockeys aber sogar an zwei Fronten zu, glaubt man dem Vizeminister: Nicht nur wertvolle Geheimnisse von Regierung, Militär und Wissenschaft fielen den Angriffen übers Netz zum Opfer, sondern auch die Zensurbemühungen der kommunistischen Partei. Mit anderen Worten: Die eigenen Ideen möchte man - verständlicherweise - nicht hergeben. Ideen der anderen sollen dafür bitteschön draußen bleiben - jedenfalls, sofern sie mit der Parteilinie kollidieren.
"Degenerierte und rückwärtsgewandte Inhalte"
"Feindliche" Mächte, einschließlich der USA, nutzen die Schwächen der chinesischen Sicherheits-Infrastruktur aus, und zwar nicht nur für Spionage, sondern auch für "politische Infiltration", so Lou. Menschenrechtsgruppen werfen China regelmäßig Zensur im Netz und die Unterdrückung abweichender Meinungen vor.
Die USA und andere Länder, dreht Lou nun den Spieß um, unterhielten Teams von Textern, die "schädliche Informationen" zusammenstellten und schlechte Nachrichten übertrieben darstellten. Nationale Interessen Chinas hätten so "massiven und schockierenden" Schaden genommen. Chinas Netzwerke seien so löchrig, dass die Zensurbemühungen der Partei lächerlich gemacht und Spionen Tür und Tor geöffnet würden.
Industrie und Regierung im Westen arbeiteten zudem Hand in Hand, wenn es darum gehe, China auf die Festplatte zu lugen: "In Internet-Technologieprodukten, die von den Vereinigten Staaten exportiert werden, sind 'Hintertüren' eingebaut, die technologischer Infiltration und dem Geheimnisdiebstahl dienen", so Lou. US-Unternehmen widersprechen derartigen Vorwürfen regelmäßig und heftig.
Lou forderte, eine neue Behörde müsse mit einem einheitlichen Ansatz versuchen, die Sicherheits-Implikationen "ausländischer Investitionen, Beteiligungen und Unternehmenskäufe, großer Technologie- und Serviceprojekte und großer internationaler Wissenschafts- und Technologiekooperationen" unter die Lupe zu nehmen. Außerdem solle China mehr eigene Technologien zur Sicherung von Information entwickeln.
China hat 140 Millionen registrierte Internetnutzer, die Lou zufolge von "degenerierten und rückwärtsgewandten Inhalten" pervertiert werden. Die Netz-Zensur müsse deshalb noch verschärft werden.
cis/rtr