Illegale Software Risiken und Nebenwirkungen
Der internationale Interessenverband Business Software Alliance setzt sich weltweit für den Schutz von Software als geistiges Eigentum ein. Ziel der BSA ist es, sowohl mit Aufklärungsprogrammen als auch mit gezielter Strafverfolgung die weltweiten Raubkopien einzudämmen. Darüber hinaus unterstützt der Verband in über 60 Ländern die Schaffung entsprechender Urheberrechtsgesetze und deren Durchsetzung. Mitglieder der BSA sind unter anderem Adobe, Autodesk, Bentley Systems, Lotus Development, Microsoft, Novell und Symantec.
Die Gründe der Unternehmen für ihr Vorgehen sind rein wirtschaftlich. Der Schaden durch die Softwarepiraterie erreichte 1999 einer Studie im Auftrag der BSA zufolge weltweit 12,2 Milliarden US-Dollar gegenüber 11 Milliarden 1998. Und steigende Verkaufszahlen bedeuten bislang fast überall gleichzeitig steigende Zahlen unlizenzierter Kopien.
Viele sehen das Raubkopieren nach wie vor als Kavaliersdelikt an. Professionelle Fälscher aus Asien und Osteuropa bieten populäre Softwareprogramme wie Betriebssysteme, Text- oder Grafiksoftware, die für die Verbraucher kaum mehr von der Originalsoftware zu unterscheiden sind. Aber auch wer Softwarekopien an Freunde weitergibt oder in der Firma mehr Kopien einsetzt, als er Lizenzen erworben hat, verstößt gegen das Urheberrecht. Vielfach verschärft die weitreichende Vernetzung in der Client-/Server-Architektur die Problematik: Ein neuer Mitarbeiter, für den mal eben ein neuer PC installiert wird, obwohl das Unternehmen gar keine Lizenz dafür besitzt, bedeutet eine Raubkopie mehr.
Aufgrund der niedrigen Gewinnmargen greifen auch Computerhändler schon mal zu kriminellen Praktiken. Eine weit verbreitete Variante ist es, dem Kunden beim Kauf eines Computers zusätzliche Software auf die Festplatte "vorzuinstallieren". Der Kunde erhält dann bei der Auslieferung aber weder einen Lizenznachweis noch eine Dokumentation.
Ziel der gerade angelaufenen Werbekampagne des Softwareverbandes BSA - Motto: "Sie haben allen Grund, nervös zu sein" - ist Aufklärung und Legalisierung in deutschen Firmen. Immerhin 1,25 Milliarden Mark Schaden verursachten allein deutsche Unternehmen, weil sie Raubkopien einsetzen und damit 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Ob fahrlässig oder bewusst, sei dahin gestellt, aber "nur wer sich nicht sicher fühlt oder ein schlechtes Gewissen hat, wird auch aktiv", so Georg Herrnleben, Regional Manager der BSA für Zentraleuropa.
Grundsätzlich stellt sich der Softwareverband nicht Betriebsdurchsuchungen als Ziel seiner Kampagne vor. Vielmehr sollen direkte Anschreiben an die Geschäftsführer erste Lösungsansätze liefern. "Wir wollen, dass Unternehmen selbst aktiv werden und prüfen, ob bei ihnen alles mit rechten Dingen zugeht", erklärt Herrnleben die Strategie. Dabei gebe es auch Hilfestellung in Form einer gebührenfreien Hotline, einen Ratgeber für das Softwaremanagement und ein Tool zum Softwarecheck. "Wer diese Chancen nutzt, um seine Software zu überprüfen und zu legalisieren, hat nichts zu befürchten. Wer jedoch von uns erwischt wird, muss teuer bezahlen!"
Die Wahrheit ist, dass trotz der inzwischen erweiterten Ermittlungsmöglichkeiten für die Polizei im Rahmen von zivilrechtlichen Durchsuchungen ohne strafrechtliche Ermittlungen einige spektakuläre Erfolge verbucht werden konnten. Allerdings handelt es sich letztlich nur um "Peanuts". So führte die deutsche Polizei in den ersten drei Monaten dieses Jahres in hiesigen Unternehmen zwar schon so viele Razzien durch wie im ganzen ersten Halbjahr 1999. Aber insgesamt waren es nicht mehr als 37 Fälle. Und die bereits geleisteten "Lizenz-Nachkäufe" von 450.000 Mark verblassen bei der Zahl des deutschen Schadens von 1,25 Milliarden Mark.
Wuppertal: Fünfeinhalb Jahre Haft für Softwarepirat
Mehr als ein Hilferuf erscheint es unter diesen Umständen nicht, wenn Microsoft als BSA-Mitglied auf seinen Internetseiten um Mithilfe bittet und verspricht, dass bei der Firma eingehende Raubkopien, die als Beweismaterial dienen, im Gegenzug mit einem kostenlosen Original-Produkt belohnt werden.
Die deutschen Behörden sind inzwischen für das Thema sensibilisiert, wie Oberamtsanwalt Bernd Georg von der Zentralstelle für Wirtschaftsstrafsachen in Kaiserslautern betont: "Softwarepiraterie ist kein Kavaliersdelikt. Diese Fälle verfolgen wir konsequent. Dabei werden alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft. Es ist richtig, wenn der Einsatz oder der Handel mit illegaler Software bestraft wird."
Eine derartige Erfahrung musste ein illegaler Softwarehändler aus Langenfeld bei Düsseldorf im März dieses Jahres machen. Das Landgericht Wuppertal verurteilte den 50-jährigen Angeklagten wegen 4.589 gefälschter Raubkopien von Microsoft-Produkten zu fünfeinhalb Jahren Haft. Zusätzlich muss er sich noch auf eine Schadenersatzforderung seitens Microsoft in Höhe von 3,7 Mio. Mark einstellen.
Zwar liegt der Schwerpunkt bei der BSA vornehmlich bei illegalen gewerblichen Nutzern und Gruppen oder Personen, die mit Raubkopien handeln, weil diese aus gestohlenen Gütern wirtschaftlichen Nutzen ziehen, doch sicher fühlen sollte sich der Privatanwender mit seinen Raubkopien nicht: Auch er befindet sich im Visier der Ermittler.