Information overload US-Geheimdienst lahm gelegt
Washington - Wie NSA -Direktor Michael Hayden jetzt dem Fernsehsender ABC gestand, ist das "ernste Computerproblem" bereits am 24. Januar aufgetreten. Der Ausfall habe 72 Stunden gedauert und die Verarbeitung von Geheimdienstinformationen beeinträchtigt. Das Problem, das nicht in Zusammenhang mit dem Jahr-2000-Problem stehe, sei mittlerweile gelöst.
Was genau hinter dem drei Meter hohen Elektrozaun der NSA-Zentale in Fort Meade passiert ist, behält der Geheimdienst allerdings für sich. Fest steht nur, dass dort unter strenger Geheimhaltung die gesamte von der NSA weltweit abgehörte Telefon-, Fax-, E-Mail- und Satellitenkommunikation weiterverarbeitet wird. 30.000 Zivilisten und fast 10.000 Militärs leben und arbeiten in Fort Meade.
"Das Problem hat lediglich unsere Möglichkeiten zur Verarbeitung der gesammelten Daten beeinträchtigt", teilte die NSA in einer knappen Pressemitteilung mit. Das eigentliche Scannen der Kommunikationswege soll nicht betroffen gewesen sein. Mittlerweile sei der angefallene Datenberg weitgehend abgearbeitet. "Signifikante Informationen", so die NSA, seien nicht verloren gegangen.
Allerdings hat das Problem die NSA wohl ganz schön in Atem gehalten. Wie der Geheimdienst mitteilte seien "tausende von Mannstunden" und rund 1,5 Millionen Dollar (etwa drei Millionen Mark) nötig gewesen, um die Computer wieder zum Laufen zu bringen. Ein relativ geringer Betrag verglichen mit den 27 Milliarden Dollar, die der Geheimdienst jedes Jahr für das Abfangen von Telefonaten und E-Mails ausgibt.
Der jetzt bekannt gewordene Computerausfall ist bereits das zweite große Problem, mit dem die NSA in diesem Jahr zu kämpfen hat. Schon am Neujahrstag war aufgrund des Jahr-2000-Problems ein US-Spionagesatellit ausgefallen. Als Folge musste eine Bodenstation, die Satellitenbilder über mögliche Bedrohungen der USA auswerten sollte, vorübergehend ihren Betrieb einstellen.
Die Zwischenfälle treffen die NSA ausgerechnet zu einer Zeit, in der die Behörde versucht, ihren Ruf als ein auf dem Hightech-Sektor etwas rückständiger Geheimdienst abzuschütteln.