Informationsflut Künstler veranstalten Daten-Löschparty
Als Aktionskünstler muss man mit der Zeit gehen. Im 21. Jahrhundert wäre es keine besonders kreative Idee, bei einem Happening, sagen wir mal, Geldscheine zu verbrennen. Das wissen die Aktivisten der Wiener Künstlergruppe Monochrom genau. Bei ihrem Projekt "Experience the Experience", mit dem sie derzeit die USA heimsuchen, haben sie es deshalb unter anderem auf Festplatten und andere Magnetspeicher abgesehen.
"Monochrom wird alle Datenträger löschen, die sich auftreiben lassen", heißt es in der Ankündigung für die Magnetismus-Party, die morgen in Los Angeles steigen wird. Magnetische Speicher würden mit der Zeit ohnehin immer mehr Fehler enthalten. Informationen würden verändert - teilweise unleserlich.
"Unsere Gesellschaft sammelt und sammelt und sammelt. Die Festplatten sind voll." Die Monochrom-Aktivisten verweisen auch auf den allseits beklagten Informations-Overkill. Die morgige Magnetismus-Party, auf der mehrere große Magneten bei Techno-Gehämmer gigabyteweise Daten zerstören sollen, sei ein Ansatz, um mit dem Problem der Informationsgesellschaft umzugehen.
Das Motto der Party lautet - frei nach einem Janis-Joplin-Song: "Delete is just another word for nothing left to lose". Die Besucher werden gebeten, selbst Datenträger mitzubringen, um sich von der Last der Bits und Bytes zu befreien.
Das fröhliche Datenvernichten ist Teil der Aktionsreihe "Experience the Experience" , mit der die Österreicher den im Englischen häufig genutzten, aber nur schwer übersetzbaren Begriff "Experience" ausloten wollen.
Eine Aktion mit Dollar-Noten konnten sich die Wiener trotzdem nicht verkneifen: Am 14. Juli sollen die Scheine in einer Gallerie in San Francisco auf ihre Eignung als Nährboden für allerlei kleines Getier getestet werden ("Experience The Experience Of Growing Money").
Auch das Sonnensystem ist Gegenstand des Künstlerspotts. Am 25. Juni will Monochrom in der Wüste Kaliforniens ein illegales Weltraumrennen veranstalten - maßstäblich, wie es auf der Künstler-Website heißt. Autos würden an einer vier Meter großen Kugel starten, der Sonne. Ziel sei Pluto, etwa 30 Kilometer davon entfernt und nur einen Zentimeter groß. Planetenforscher würden die Pluto-Jagd kommentieren, kündigten die Künstler an.