Initiative D21 Deutschland braucht einen E-Minister
Berlin - Die Initiative "D 21" präsentierte am Donnerstag einen aktuellen Bericht zur Entwicklung des Internet. Die Fachleute von Booz, Allen & Hamilton kommen zu dem Schluss, dass die "digitale Spaltung" in der Gesellschaft weiter voranschreite, wenn Politik und Wirtschaft nicht enger zusammenarbeiteten.
Im internationalen Vergleich befindet sich Deutschland bei Nutzung und Anwendung der Internettechnologie zwar im Mittelfeld, doch fehlte die gezielte Koordination der IuK-Initiativen. Der Ländervergleich zeigte, dass Staaten mit hohen Förderaufwendungen in Infrastruktur sowohl einen Grundstein für die rasche Entwicklung und flächendeckende Einzelinitiativen gelegt haben als auch über schlagkräftige Koordinationsstellen verfügen.
"Wir haben zu viele Ziele, zu wenig Erfolgskontrolle und noch immer mehr Projekte als Computer für Schulen", zieht IBM-Geschäftsführer Erwin Staudt und Vorsitzender der "Initiative D21" Bilanz. Er kritisierte in diesem Zusammenhang, dass der Fahrplan der Regierung zwar gut sei, aber zu langsam umgesetzt werde. So agiere eine Vielzahl der Projekte lediglich regional.
Die IuK-Aktivitäten auf Bundesebene werden zwar durch einzelne Ministerien vorangetrieben, eine eigenständige Koordinationsstelle mit entsprechendem Personal existiert allerdings nicht.
Die britische Regierung ist hier schon einen Schritt weiter, positioniert sich gar als europäischer Vorreiter: "Großbritannien wird bis 2002 die weltweit beste Infrastruktur zur Verfügung stellen", verkündete man 1998 und setzt dies durch straffe Organisation mit E-Minister und E-Gesandten um. Sogar Italien holte seinen Rückstand durch die Zusammenarbeit von Arbeitskreisen und Regierungskomitee auf. Die Aktivitäten werden aus den Gebietskörperschaften koordiniert und auf föderaler Ebene koordiniert.
Eine reale und virtuelle Plattform schaffen
Eine bundesweite Dachmarke, etwa "deutschland.de", so eine weitere Anregung der Studie, könnte hier Abhilfe schaffen. Die Idee: eine zentrale Plattform für Einsteiger und Förderstellen aus Staat und Wirtschaft. Politik und Wirtschaft käme dann die Rolle zu, Ergebnisse zu messen und erfolgreiche Konzepte zu verbreiten. Die Koordination sollte bei einer Stelle in der Bundesregierung liegen. "Wir haben in Deutschland 15 Agrarminister und keinen E-Minister", so Erwin Staudt.
In dieser Hinsicht hat die Regierung Tatsachen geschaffen: Das Bundespresseamt ließ sich mittlerweile per Gerichtsbescheid die Domain "deutschland.de" zusprechen.
Web oder weg Zu dem Schluss, dass die Gefahr einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft" tatsächlich drohe, kam bereits im Juli eine repräsentative Emnid-Studie für den SPIEGELreporter: "Die einen mit Internet, die mehr wissen, mehr können, mehr erreichen und die anderen, die dem Neuen hilflos ausgeliefert sind."
Den Berechnungen zufolge werden im Jahr 2003 über 20 Millionen Deutsche nicht im Internet sein und damit einen deutlichen Nachteil im Berufsleben haben. Von den Dienstleistungen, die in Zukunft nur mehr über das Medium angeboten werden, seien sie gänzlich ausgeschlossen.
Die entscheidenden Kriterien für eine Chancengleichheit sind Alter, Wohnort und vor allem Bildung und werden sich durch die neuen Technologien wie Internet-TV oder UMTS-Handys nicht verändern.
Die Initiative D21 ist ein Zusammenschluss führender Unternehmen zur Förderung der Informationsgesellschaft in Deutschland. Mehr zur Studie: Initiative D21