Intel inside Brandenburg: Soll'n wir das bezahlen? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Intel inside Brandenburg Soll'n wir das bezahlen?

Grundsätzlich befürwortet die Regierung Manfred Stolpes den Bau einer Intel-Fabrik in Frankfurt/Oder. Nur darüber, wer wie viel der Zeche bezahlt, wird noch debattiert. Intel schießt nicht mehr als 40 Millionen der 1,5 Milliarden Dollar zu.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Landesregierung Brandenburg sagt Ja zu Intel, Ja zu 1300 entstehenden Arbeitsplätzen - und Jein zur Beteiligung an den rund 1,5 Milliarden Dollar, die für den Bau fällig sind. An einer Beteiligung kommt das Land nicht vorbei, denn natürlich kann sich Intel aussuchen, wo die neue Chipschmiede gebaut wird: Der Prozessor-Riese hat nicht vor, selbst mehr als 40 Millionen Dollar springen zu lassen.

Also braucht es Partner, die sich an der Finanzierung beteiligen. Das heimische Unternehmen Jenoptik schießt einen "einstelligen Millionenbetrag" zu, die Regierung des Emirats Dubai ist - wenn auch indirekt über eine Firma - mit 250 Millionen Dollar dabei. Auch das von Bund und Land finanzierte Forschungs- und Entwicklungsinstitut IHP beteiligt sich mit technischem Know-how. Da fehlen dann nur noch rund 1,2 Milliarden Dollar zur Vollfinanzierung - und natürlich erwartet Intel hier ein Engagement auch des Landes Brandenburg.

Doch Modalitäten und Höhe dieser Beteiligung der brandenburgischen Landesregierung am geplanten Bau bleiben zunächst ungeklärt. Ein Regierungssprecher sagte, das Kabinett habe bei einer Sitzung in Potsdam "noch nicht abschließend" darüber entschieden.

"Möglicherweise" werde die Regierung in der nächsten Woche wieder über das Thema beraten. Wann es zu einer Entscheidung komme, sei "unklar" - oder in der deutlicheren Kurzzusammenfassung: Der Sprecher hat keine Ahnung, wie und wann es weitergeht.

Immerhin konnte der Regierungssprecher den Willen des Landes bekräftigen, dass die Chipfabrik gebaut werden solle. Noch seien aber "einige Details" offen - salopp gesagt: Wer zahlt wie viel von der Zeche?.

Als Devise für die Entscheidungsfindung der Landesregierung gelte: "Sorgfalt geht vor Eile."

Die Eigenkapitalfinanzierung des Projektes hängt nach Angaben der Betreiberfirma Communicant derzeit von einer Beteiligung des Landes ab. Brandenburg hat eine Ausfallbürgschaft von 38 Millionen Euro zur Absicherung von Baumaßnahmen für die Fabrik in den Nachtragshaushalt 2001 eingestellt. Derzeit wird geprüft, ob sich das Land stattdessen mit dem gleichen Betrag etwa über die Landesinvestitionsbank (ILB) an dem Projekt beteiligen sollte.

Intel verspricht, der Bau der Fabrik werde rund 1300 Arbeitsplätze schaffen - und eine ähnliche Zahl von Arbeitsstellen im Zulieferungs- und Servicebereich bei Firmen in der Region.