Internet Explorer 8: Microsoft erfindet seinen Browser neu - DER SPIEGEL
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Internet Explorer 8 Microsoft erfindet seinen Browser neu

Dieses Mal will der Windows-Konzern alles besser machen: In der nächsten Version soll der Internet Explorer alle Standards einhalten, schneller, sicherer und schöner sein als seine Vorgänger. SPIEGEL ONLINE hat sich den fast fertigen Browser angesehen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Microsoft ist fertig - zumindest beinahe. Rund fünf Monate nach Veröffentlichung der ersten Beta-Version des Internet Explorer 8 (IE8), steht seit dieser Woche die Version RC1, der sogenannte Release Candidate zum Download bereit. In der Zählung der Programmierer ist so eine Version der letzte Zwischenschritt, bevor eine Software in die Produktion geht, also die Versionsnummer 1.0 bekommt. Das bestätigt auch Microsofts Manager für den Internet Explorer 8, Dean Hachamovitch, dem zufolge der IE8 RC1 quasi komplett sei, nur noch ein wenig Feinschliff benötige.

Optisch hat sich gegenüber den vorhergehenden Beta-Versionen kaum etwas getan. Dafür wurde unter der Haube noch eifrig geschraubt. Das betrifft zum einen große Neuerungen, wie etwa die Aufteilung der zunächst als Porno-Modus benannten Anonymisierungsfunktionen in zwei getrennte Funktionen. Zudem wurden neue Sicherheitsfunktionen integriert, die mehr Schutz bieten und manch hinterhältigen Betrugsversuch automatisch abwehren sollen. Zu den kleinen aber wichtigen Detailverbesserungen zählt, dass der Browser keine Dopplungen mehr in der Adresszeile anzeigt, wenn sich eine Web-Adresse sowohl im Browsercache als auch in den Favoriten befindet.

Insgesamt kann man aber durchaus den Eindruck bekommen, dass Microsofts Entwickler sich sehr intensiv mit Konkurrenz-Browsern beschäftigt und sich bemüht haben, deren Stärken und Schwächen zu studieren. So wirkt der neue Internet Explorer teilweise wie ein Best-of-Album der Internet-Betrachtungsprogramme. Aber das muss nicht schlecht sein. Schließlich verliert Microsofts Browser zusehends Marktanteile, und die gilt es zurückzuerobern. Und wenn das Resultat dieser Bemühungen ein Webbrowser ist, der die besten Zutaten der Konkurrenz mit den eigenen Stärken verrührt, kann dem Anwender das nur Recht sein.

Mehr Sicherheit, mehr Porno, mehr Anonymität: Lesen Sie auf den folgenden Seiten, was der Internet Explorer 8 dazugelernt hat.

Mehr Suchmaschinen

Nach der Installation ist im IE8 Microsofts Live Search als Standardsuchmaschine eingestellt. Möchte man lieber mit Google oder Yahoo suchen oder beispielsweise auch die Wikipedia oder Ebay aus der Suchleiste heraus durchstöbern können, muss man diese Dienste erst installieren.

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Zum Glück geht das recht einfach und schnell. Nicht einmal ein Neustart des Browsers ist dafür nötig. Stattdessen ruft man neben der Suchleiste ein Aufklappmenü auf, wählt dort den Eintrag "Weitere Anbieter suchen" und erhält als Resultat eine Website, aus der man sich aussuchen kann, welche Suchangebote man nutzen möchte. Derzeit stehen acht Alternativen zur Wahl.

Ist das erledigt, kann man nach der Eingabe eines Begriffes in die Suchleiste per Mausklick auswählen, von welchem Suchdienst man eine Ergebnisliste sehen möchte. Quick-Pick nennt Microsoft diese durchaus praktische Funktion.

Mehr Sicherheit

Eine praktische Lebenshilfe für alle, die Gefahr laufen könnten, sich beim Streifzug durchs Web unerwünschte Späher einzufangen, soll der SmartScreen-Filter sein. Microsoft zufolge erkennt er "weitgehend automatisch", wenn eine Internet-Seite beispielsweise Schadsoftware auf den Rechner einschleusen oder den Nutzer unbemerkt auf eine betrügerische Website umleiten will. Er warnt den Nutzer mit eindringlichen Hinweisen vor der drohenden Gefahr. Ähnliche Funktionen gibt es seit längerem schon auch bei anderen Browsern.

Das hört sich prima an und ist allemal ehrenwert. Ob dieser Betrugsschutz jemals sauber funktionieren wird, ist aber fraglich. Denn damit der SmartScreen-Filter korrekt arbeiten kann ist es nötig, dass der jeweilige Webmaster ein bestimmtes Tag (Stichwort) in den Quellcode seiner Website einbaut. Dieser Tag wird dann offenbar vom Browser ausgewertet und führt bei Manipulationsversuchen zu Warnmeldungen. Angesichts von Milliarden Internet-Seiten, zig Millionen Webmastern, dürfte es aber illusorisch sein, davon auszugehen, dass eines Tages wirklich jede Seite mit einem solchen Tag versehen ist.

Firefox stützt sich bei seiner Betrugsseiten-Filterung auf ein Meldesystem: Der Browser warnt, wenn eine Seite als "attackierend" gemeldet ist, also Viren oder Spyware verbreitet. Opera verfährt ähnlich, lässt sich von zwei Sicherheitsunternehmen über mit Schadsoftware verseuchte Internet-Seiten und und über Phishing-Seiten dem laufenden halten.

Mehr Privatsphäre 1 - Der Schnüffelfilter

Die bisher als Porno-Modus bezeichnete Funktion InPrivate Filtering wurde im RC1 in InPrivate Browsing und InPrivate Filtering zweigeteilt. InPrivate Filtering soll Anonymität gegenüber Firmen gewährleisten, die versuchen, die Verhaltensweisen von Websurfern nachzuvollziehen. Werbetreibende nutzen solche Nutzerprofile, um aufgrund der daraus gewonnen Daten personalisierte Werbung auf den Seiten, die man besucht, anzeigen zu können. So soll sichergestellt werden, dass man nicht mit Einblendungen genervt wird, die einen nicht interessieren, sondern nur Angebote von Firmen präsentiert bekommt, deren Produkte man attraktiv finden könnte.

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Wer das nicht will, kann solche Nachverfolgungsversuche komplett blockieren oder festlegen, welche Anbieter Informationen sammeln dürfen und welche nicht.

Mehr Privatsphäre 2 - Der Porno-Modus

Noch privater geht es im Modus InPrivate Browsing zu. Wird der aktiviert, öffnet sich ein neues Fenster. Alles, was man damit ansurft, bleibt zwischen dem Browser und dem Nutzer privat. Nicht nur, dass die Symbolleisten ausgeblendet und die Erweiterungen abgeschaltet werden, auch Cookies werden nicht mehr angenommen und es wird auch nicht gespeichert, welche Seite man angesteuert hat.

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Freundlich ausgedrückt kann man das benutzen, um online Geschenke für die Lieben einzukaufen, ohne dass diese einem auf die Schliche kommen könnten. Meist aber wird InPrivate Browsing schlicht als Porno-Modus betitelt, weil Papa damit ungestört nackte Tatsachen anschauen kann, ohne dass Mama davon Wind bekommt.

Und nebenbei sei bemerkt: Ohne Cookies funktionieren natürlich etliche Web-Angebote nicht oder nicht richtig.

Mehr Kompatibilität

Den sogenannten Kompatibilitätsmodus hat Microsoft nun teilautomatisiert. Das Kompatibilitätsproblem selbst ist dabei hausgemacht. Statt sich strikt an Standards zu halten, hat Microsoft bei den Vorgängern des IE8 stets eigene Standards gesetzt. An die wiederum haben sich viele Webmaster gehalten. Sie wollten ihre Internet-Seiten eben so programmieren, dass sie im marktführenden Browser gut aussahen - und das ist bis jetzt immer noch der Internet Explorer.

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Der IE8 allerdings hält sich fast sklavisch an Web-Standards, soll nicht aus der Reihe tanzen, sondern kompatibel zum Rest der Welt sein. Und genau deshalb zeigt er manche Seite, die mit IE7 noch prima aussahen, nicht mehr richtig an - eigentlich. Denn, um Gemecker von Anwendern und Webmastern zuvor zu kommen, hat Microsoft einen Kompatibilitätsmodus eingebaut. Wird der aktiviert, schaltet der Browser auf die Anzeigetechnik seines Vorgängers um und die Seite sieht wieder so gut aus wie im Vorgänger.

Bei der ersten Vorabversion musste man den Browser zum Umschalten in diesen Modus noch neustarten, dass ist jetzt nicht mehr nötig.

Mehr Listen

Bisher musste man dafür allerdings bei jeden Aufruf einer solchen Seite einen Button anklicken. Die RC1-Version aber kann automatisch umschalten - zumindest beinahe. Denn damit das funktioniert, muss man jede auf den IE7 optimierte Seite zunächst einer Kompatibilitätsliste (die eigentlich Inkompatibilitätsliste heißen müsste) zuordnen.

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Zusätzlich will das Unternehmen eigene Listen mit inkompatiblen Seiten liefern, die man im IE8 direkt abonnieren kann. Und wem das ganze Kompatibilitätsgehassel zu nervig ist, bietet sich schlussendlich die Möglichkeit, den Browser komplett auf den IE7-Anzeigemodus umzuschalten. Aber dann kann man auch gleich bei der alten Version bleiben.

Mehr Farben

Eine der kleinen aber sinnvollen Neuerungen am IE8 ist die farbliche Kennzeichnung von Registerkarten. Die anderswo als Tabs oder Reiter bezeichneten Websites, die quasi hintereinander in einem Fenster abgelegt werden, markiert der Browser jetzt so, dass man Anhand der Farbe der Registerkarten erkennen kann, welche davon zueinander gehören. In Firefox geht das auch, dort aber nur per Zusatzmodul.

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Mehr Probleme mit Windows XP und Windows 7

Wer Windows XP inklusive Service Pack 3 auf seinem PC installiert hat, sollte vor der Installation des Release Candidate genau nachdenken. Denn Microsoft selbst hat gewarnt, dass eine solche Installation nicht rückgängig gemacht werden kann. Ist der IE8 erst einmal mit Windows XP SP3 verwoben, lassen sich weder der Browser noch das Service Pack wieder deinstallieren.

Abhilfe, so Microsoft-Managerin Jane Maliouta, bringe nur eine aufwendige und zeitraubende Prozedur. Zuerst müsse man das Service Pack 3 deinstallieren, und dann eventuell vorhandene Beta-Versionen vom Internet Explorer 8 entfernen. Im Anschluss könne man zunächst das Service Pack wieder einspielen und danach gefahrlos den Release-Candidate vom Internet Explorer installieren.

Anwender, die bereits die Betaversion von Windows 7 auf ihren PC installiert haben, sollten sich allerdings damit zurückhalten, den RC1 zu aufzuspielen. Mit Microsofts künftigen Betriebssystem kann die neue Version des Webbrowsers bisher noch gar nichts anfangen. Lediglich die mit der Windows-7-Beta gelieferte Version von IE8 funktioniert. Schließlich soll der IE8 zum Standard-Lieferumfang von Windows 7 gehören.