Internet-Kriminalität Ein Polizist narrt Brasilien
Brasília - Eine Woche lang hat ihn die Polizei gejagt - jetzt ist er ihr ins Netz gegangen: Marco Nunez, 42 Jahre alt. Er soll in das Computersystem des brasilianischen Staatspräsidenten Fernando Henrique Cardoso eingedrungen sein.
In seinen Präsidenten-Mails hatte er unter anderem Befehle an Untergebene und Minister gegeben, Flüge von Cardoso streichen lassen und sich über Cardosos Ehefrau Ruth beklagt: "Sie leidet an Schlaflosigkeit und heult unheimlich viel." Er kritisierte in seinen virtuellen Briefen auch die mangelnde Sicherheit des Computersystems im Präsidentenpalast.
Größere Schäden habe Nunez mit seinen E-Mails allerdings nicht angerichtet, hieß es in einer kurzen Erklärung. Die meisten Empfänger seien wegen Sprache und Inhalt der Mails sofort misstrauisch geworden.
Nunez, der pikanterweise Zivilpolizist ist, kann jetzt wegen falscher Identitätsangaben und Missbrauchs von Regierungssymbolen zu einer Haftstrafe von bis zu sechs Jahren verurteilt werden. Seine Kollegen nahmen ihn in der Küche seiner Mutter in Rio de Janeiro fest.
Präsident Cardoso war schon einmal Opfer eines ähnlichen Angriffs. Im Februar hatten sich Hacker Zugang zu den Daten von Millionen von Menschen verschafft und dabei auch Cardoso nicht ausgelassen. Damals wurde vermutet, dass Cardosos Daten zur Vorbereitung einer Entführung dienen sollten. Die mutmaßlichen Übeltäter stehen mittlerweile vor Gericht und müssen mit drei bis vier Jahren Haft rechnen.