Online-Reklame Französischer Provider verzichtet auf Werbeblocker
Provider Free: Das Unternehmen installierte bei Kunden aus der Ferne Werbeblocker
Foto: Jacques Brinon/ APKeine Online-Werbung - und das standardmäßig: Mit dieser Ankündigung hatte der französische Billig-Provider Free weltweit auf sich aufmerksam gemacht. Ein am vergangenen Donnerstag veröffentlichtes Firmware-Update ermöglichte es Nutzern, per Router und nicht erst per Browser Banner und Werbeclips auszuschalten. Diese voreingestellte Option hatte vor allem Website-Betreiber empört, deren Angebote sich durch Werbung finanzieren. Doch nun scheint Free von der Idee seines Werbeblockers wieder abzulassen, womöglich auch wegen politischen Drucks.
Nach Angaben der "New York Times" sagte die französische Digitalministerin Fleur Pellerin am Montag, sie habe den Provider überzeugt, wieder einen vollständigen Zugang zum Web anzubieten. Die von Free geplante Art des Blockierens sei ihrer Meinung nach unvereinbar mit einem freien und offenen Internet. Per erneutem Update soll der Werbeblocker wieder von den Routern der Kunden gelöscht werden.
Die französische Tageszeitung "Le Figaro" sieht in dieser Entscheidung jedoch nur bedingt ein Einknicken seitens Free. Ihrer Einschätzung nach hatte der Vorstoß von vornherein vor allem symbolischen Charakter: Free, der zweitgrößte Provider Frankreichs, habe zeigen wollen, dass er sich von Google nichts vorschreiben lässt. "Le Monde" interpretiert die Werbeblockade als eine kurze, schlagzeilenträchtige Machtdemonstration.
Streit zwischen Providern und Inhalteanbietern
Frees umstrittenes Firmware-Update ist der vorläufige Höhepunkt eines sich zuspitzenden Konflikts zwischen Providern und den Anbietern von Online-Inhalten. In mehreren Ländern wollen die Provider große Anbieter von Inhalten in die Pflicht nehmen, um den teuren Netzausbau mitzufinanzieren. Der Free-Chef hatte sich laut "New York Times" schon einmal in einem Interview darüber beklagt, dass die Abrufe bei Google und YouTube zu Spitzenzeiten die Bandbreite erschöpfen . Auf dem Gipfel der Uno-Organisation ITU in Dubai waren europäische Provider im Dezember mit dem Vorstoß gescheitert, die Inhalte-Anbieter an den Kosten für den Datenverkehr zu beteiligen.