Internet-Zwillinge: Transatlantisches Tauziehen - DER SPIEGEL
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Internet-Zwillinge Transatlantisches Tauziehen

Der Streit um die doppelt in die Adoption "verkauften" Säuglinge Kimberley und Belinda spitzt sich zu. Großbritannien will seine Adoptionsgesetze verschärfen, während der Fall hüben wie drüben vor Gericht geht. Eine der Adoptionsmütter setzt nun angeblich auf "schwarze Magie".
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Im Nachrichten-Wirrwarr rund um den Fall der über das Internet doppelt in die Adoption "verkauften" Zwillinge Kimberley und Belinda hatte - wie so oft - das britische Skandalblatt "News of the World" klar die Nase vorn. Alle Beteiligten im transatlantischen Tauziehen um die Säuglinge suchten am Wochenende den Weg in die Medien: Sowohl die leibliche Mutter Tranda Wecker, die die Kinder nun doch wieder zurückhaben will, als auch die beiden Adoptiv-Elternpaare Allen und Kilshaw warben in Presse und Fernsehen um Sympathie.

Wirklich exklusive Statements hatten nur die "News of the World" zu bieten: Deren Zitate, die angeblich von Judith Kilshaw stammen, dürften das Image des britischen Paares nachhaltig verändert haben. "Alan und ich werden weiterkämpfen", sagte sie demnach. "Wir sind sehr stark. Wir werden unser Bestes tun, um die Mädchen zurückzubekommen."

Auch darüber, wie Judith Kilshaw die Kinder zurückbekommen wolle, hatte "News of the World" etwas zu berichten: "Ich werde die schärfsten Formen von schwarzer Magie nutzen, um meine Zwillinge zurückzubekommen." Damit könne sie "Leben, politische Karrieren und Geschäfte" all derer ruinieren, die sich ihr in den Weg stellten.

Gleich mehrere britische Zeitungen wussten zu berichten, dass Judith Kilshaw vor der Adoption ihre 22-jährige Tochter bedrängt habe, ein Kind für sie auszutragen. Als diese sich darauf nicht eingelassen habe, "kauften" die Kilshaws die Kinder über eine amerikanische Internet-Adoptionsagentur.

Die jedoch hatte die Kinder schon einmal vergeben - zur Hälfte des Preises: Auch die ersten Adoptionseltern sind nicht bereit, auf die Säuglinge zu verzichten. In einem Fernsehinterview argumentierten sie, die Agentur habe ihnen die Kinder "im laufenden Adoptionsverfahren" entzogen.

Und zu guter Letzt hat auch die leibliche Mutter ihr Interesse an den Zwillingen wiederentdeckt. Offen bleibt, ob hier ein kausaler Zusammenhang zu der Tatsache besteht, dass die Adoptionsagentur zwar abkassiert, ihr aber noch keinen roten Heller bezahlt habe.

Entscheidung vor Gericht

Judith Kilshaw wandte sich wenige Stunden nach der Veröffentlichung des "News of the World"-Artikels an die Öffentlichkeit: Natürlich sei sie keine Hexe, wie ihre Kinder, ihre Freunde und Nachbarn bestätigen könnten. Am Geschreibe der "Tabloids" sei kein wahres Wort. Unter anderem war ihr auch vorgeworfen worden, sie hätte im eigenen Wohnzimmer künstliche Befruchtungen bei Nachbarinnen versucht - zumindest einmal erfolgreich. Eine Sonntagszeitung stellte in Frage, ob die hygienischen Gegebenheiten im Hause Kilshaw überhaupt geeignet seien, dort Säuglinge großzuziehen. Judith Kilshaw: "Die schreiben, was sie wollen."

Skandalpresse hin oder her: Der ganze Vorgang ist Stoff für eine aberwitzige Reality-Soap und Grund genug für die britischen Behörden, zunächst das Sorgerecht für die Säuglinge wahrzunehmen. Die Sozialbehörde der Grafschaft Flintshire stellte am Samstag einen entsprechenden Antrag vor einem Gericht in Birmingham.

Am Wochenende hieß es aus britischen Regierungskreisen, der skandalöse Fall werde nicht nur vor Gericht landen, sondern auch gesetzliche Konsequenzen haben. Die britische Regierung will demnach "so schnell wie möglich" ein neues Adoptionsgesetz im Parlament einbringen. Danach sollen Paare, die ohne Absprache mit den britischen Behörden im Ausland Kinder adoptieren, mit drei Monaten Gefängnis bestraft werden.

Kritiker sehen darin keine Lösung. Zumindest, was die britische Seite in diesem aberwitzigen Fall zwischen Adoption und Menschenhandel angeht, sehen viele die Ursache gerade in der restriktiven britischen Adoptionspolitik. "Dies ist eine Geschichte, von der einem schlecht wird, und schuld daran sind die Hindernisse, die die Behörden in diesem Land Adoptionswilligen in den Weg legen", kritisierte der konservative "Daily Telegraph". Weil die Anforderungen in Großbritannien kaum noch erfüllbar seien, sähen sich immer mehr Adoptionswillige im Ausland um. Dagegen forderte der "Guardian" die USA auf, private Adoptionen ohne Aufsicht des Jugendamtes zu verbieten. "Diese traurige Geschichte zeigt nur, was passiert, wenn bei einem Adoptionsverfahren das Interesse der Kinder nicht an die erste Stelle gesetzt wird."

Nun müssen Richter entscheiden, ob die Adoption der beiden schwarzen Mädchen durch die Briten Alan und Judith Kilshaw rechtmäßig war. Am Dienstag soll sich der britische High Court erstmals mit dem Fall beschäftigen. Doch auch amerikanische Gerichte wollen sich einschalten. Ellen Brantley, eine leitende Richterin im US-Bundesstaat Arkansas, bezeichnete es als "wahrscheinlich", dass das Adoptionsverfahren neu geprüft werde. Es sei möglich, dass die Adoption dann für ungültig erklärt werde.