EU-Studie zu Netzneutralität Telekom-Firmen bremsen Tauschbörsen aus
Netzwerkkabel (hier am Supercomputer Juropa): Provider blockieren und filtern Traffic
Foto: Oliver Berg/ dpaNetzneutralität sieht anders aus: Eine nun bekannt gewordene Studie des Gremiums europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (Gerek) kommt zu dem vorläufigen Ergebnis, dass Telekommunikationsanbieter in Europa gezielt gegen das Prinzip der Gleichbehandlung verschiedener Datenströme verstoßen .
Mittels spezieller Filtertechniken wie der Deep Packet Inspection suchen Festnetz- und Mobilfunkbetreiber nach Tauschbörsen-Datenverkehr (P2P) und drosseln dann gezielt die P2P-Übertragungsraten. Die Datenbremsen funktionieren dabei je nach Anbieter auf unterschiedliche Weise.
Einige verwenden anwendungsspezifische Techniken. Damit wird bestimmter Traffic erfasst und gedrosselt, zum Beispiel Video-Streaming. Auch VoIP, das Telefonieren übers Internet, ist betroffen. VoIP ist oft von vornherein, vor allem in Mobilnetzen, vertraglich untersagt und wird entsprechend blockiert.
Von den insgesamt 400 seit Dezember 2011 befragten Anbietern, 250 Festnetz-Provider und 150 Mobilfunker, erklärte laut Studie ein Viertel, damit solle Sicherheitsbedenken Rechnung getragen werden, außerdem wolle man so das Spam-Aufkommen reduzieren.
Bislang liegt der Europäischen Kommission nur der besagte Vorabbericht vor, der vollständige Abschlussbericht der Gerek, der auch die Bundesnetzagentur angehört, soll noch im zweiten Quartal 2012 veröffentlicht werden. Damit wird die Debatte um Netzneutralität (hier mehr zum Hintergrund und den Definitionsproblemen) mit neuen Daten unterfüttert, außerdem sind noch in diesem Sommer weitere Berichte zu Wettbewerbsfragen und Qualitätsstandards geplant.