Internetmusik: Kannibalismus mit Aretha Franklin? - DER SPIEGEL
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Internetmusik Kannibalismus mit Aretha Franklin?

Die Plattenindustrie will Online-Piraten auch mit weichen Mitteln bekämpfen. Universal Music erlaubt in den USA für wenig Geld das Herunterladen von tausend Alben. Doch Kritiker sehen darin nur eine Marketingaktion.
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Los Angeles - Die Plattenfirma Universal Music (UMG) hat einen Teil ihres Musikarchivs für das Internet geöffnet. Gegen eine Abonnementgebühr von 10 bis 15 Euro im Monat können Nutzer auf rund tausend Alben des Konzerns zugreifen. Anders als bei ähnlichen Angeboten der Konkurrenz erhalten die Nutzer des UMG-Dienstes das volle Eigentumsrecht an den heruntergeladenen Musiktiteln – genauso wie bei einer gekauften CD.

Allerdings bietet UMG in Zusammenarbeit mit Emusic.com vorerst keine Platten seiner erfolgreichsten Vertragskünstler wie U2 und Eminem, sondern lediglich ältere Alben weniger bekannter Musiker im Internet an. Es sind Hits aus den Bereichen Jazz, Pop und Klassik der fünfziger, sechziger und frühen siebziger Jahre. Zu den Künstlern gehören etwa Olivia Newton-John, Aretha Franklin, B.B. King, Gladys Knight, Oingo Boingo, Chuck Berry und Pat Boone.

Die Musikindustrie hat auf Grund von Musiktauschbörsen im Internet in den vergangenen Jahren beträchtliche Verluste erlitten. Weltweit laden 90 Millionen Nutzer kostenlos Musiktitel auf ihre Computer. Der Musikkonzern Warner hatte vor wenigen Wochen ein ähnliches Abkommen mit dem Online-Anbieter FullAudio geschlossen. "Wir wollen damit die Verkaufswege unserer Künstler erweitern", sagt Larry Kenswil, Präsident der Internet-Tochter von UMG. Er hoffe, durch das Experiment werde das Interesse an den Titel steigen.

Das Vorgehen der Plattenfirma stößt aber bereits auf Kritik. "Es ist ein weiterer Babyschritt", sagte etwa Analyst Phil Leigh, Vizepräsident bei Raymond James & Associates. "Erst wenn das Angebot erfolgreich ist, werden sie an weitere Möglichkeiten denken." UMG will sehen, ob die Downloads die Verkaufszahlen steigern werden oder ob alles im Kannibalismus endet.

Kenswil will Alben verkaufen, die auf dem herkömmlichen Vertriebsweg kein Geld mehr einbringen. Deshalb mache es auch nichts, wenn die heruntergeladenen Stücke auf CD gebrannt werden, sagt Kenswil. "Unser Gefühl ist nicht, dass die Internet-Abonnenten sagen werden, 'Junge, jetzt muss ich nicht mehr aus dem Haus gehen und diese CD kaufen.'" So lange aktuelle Interpreten außen vor blieben, sei dies nur ein erster Test.