Interview "Eine Art Rasen-Schach"
SPIEGEL ONLINE:
Herr Polani, wie stellt sich das Fußballspiel für einen Informatiker dar?
Daniel Polani: Es gibt zunächst einmal das Ziel, nämlich den Ball ins Tor zu befördern. Dieses Ziel muss durch die Zusammenarbeit im Team und gegen widrige Umstände, nämlich die gegnerische Mannschaft, erreicht werden.
SPIEGEL ONLINE: Fließt in Ihre Arbeit auch schon richtiges Fußballwissen ein oder ist es immer noch in erster Linie Informatik?
Polani: Wir haben ursprünglich vorgehabt, explizites Fußballwissen einzubringen. Dann haben wir aber einen neuen Ansatz entwickelt, von dem wir annehmen, dass er Lösungen für bestimmte Standardsituationen aus sich heraus entwickelt. Das wollen wir jetzt erst mal beobachten.
SPIEGEL ONLINE: Können Sie uns den Ansatz kurz erläutern?
Polani: Wenn ich den Ball schieße, berechne ich nicht nur, wo er ankommen wird, sondern auch, wohin er von dort aus weitergeleitet werden kann. Dabei berücksichtige ich, dass er mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sowohl beim Freund als auch beim Gegner landen kann. Letzterer wird natürlich versuchen, den Ball in eine Richtung zu befördern, die mir nicht so lieb ist. Es ist eine Art Rasen-Schach, bei dem man versucht, möglichst viele Züge vorauszusehen und auf dieser Grundlage die Situation zu bewerten. Das ist, soweit ich sehe, ein völlig neuer Ansatz, der so noch nicht ausprobiert worden ist.
SPIEGEL ONLINE: Fließen die Erfahrungen, die Sie bei der Vorbereitung auf den Robocup machen, auch in andere Bereiche ein?
Polani: Ja, ganz definitiv. Wir haben zum Beispiel ein Verfahren entwickelt, das "Rauschen", also die Störungen in den Sensordaten, in einem sehr hohen Maße zu eliminieren. Das ist natürlich für die gesamte Robotik von Bedeutung.
SPIEGEL ONLINE: Wie sieht eigentlich das Interesse von Sponsoren an Ihrer Arbeit aus?
Polani: Als Sponsoren unterstützen uns bisher IDS Scheer, Ricardo.de und Planet. Grundsätzlich ist das Interesse nicht schlecht. Allerdings wollen die Firmen in Deutschland zumeist sehr schnelle, unmittelbare Reaktionen auf ihr Engagement. In den USA denkt man da schon etwas langfristiger und weiträumiger.
Die Fragen stellte Hans-Arthur Marsiske